Mit Peter zu Klampen in der Vahr

Kunterbunt in Schuss

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Peter zu Klampen auf dem Markt an der Berliner Freiheit. Im Hintergrund sieht man das Aalto-Hochhaus.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Bundesweit bekannt wurde die Vahr durch Sven Regeners verfilmtes Buch „Neue Vahr Süd“. Peter zu Klampen kennt Bremens jüngsten Stadtteil vom Wohnen und Arbeiten. Mit ihm gehen wir in der Vahr „Um‘n Pudding“.

Zu Klampen kennt seinen Stadtteil bestens. Mit ihm kann man eine Stadtteiltour machen, Vahrer Geschichten hören und als Höhepunkt auf das unter Denkmalschutz stehende Aalto-Hochhaus gehen. 22 Stockwerke ragt das Werk des finnischen Architekten Alvar Aalto neben der Berliner Freiheit in den Himmel. Seine Westseite öffnet sich der Nachmittags- und Abendsonne. Zu seinen Füßen liegen Einkaufszentrum und Bürgerzentrum, das Herzstück des Südostens der Vahr.

Im Bürgerzentrum arbeitet zu Klampen seit 1978. Über die Stadtteilgrenze nach Blockdiek gezogen ist er nur, weil das von ihm bewohnte Haus verkauft wurde – der verlangte Kaufpreis sei „zu stolz“ gewesen, erzählt der „Vahraone“. Das zeige aber auch, wie attraktiv die Vahr wieder geworden sei. Gebäude und Bepflanzung hätten sich wenig verändert, viele Menschen wohnten von der ersten Stunde an in ihrem Quartier. Auch zu Klampen komme von diesem Stadtteil „nicht wirklich weg“.

Der Stadtteil Vahr besteht aus den Ortsteilen Gartenstadt Vahr, Neue Vahr Nord und Neue Vahr Süd. Urkundlich erwähnt wurde das frühere Dorf Vahr Ende des 12. Jahrhunderts. Bis ins 20. Jahrhundert blieb die Bewohnerzahl dreistellig. Das Dörfchen Vahr, das südlich der Landgemeinde Horn lag, erhielt aber früh einen Golfclub, den Vorläufer des heutigen „Clubs zur Vahr“, und eine Pferderennbahn. 1921 wurde Vahr eingemeindet. 1938 bauten die Nationalsozialisten die Kaserne Vahr – das heutige Polizeipräsidium an der Ecke In der Vahr/Kurt-Schumacher-Allee.

Aufgrund der Wohnungsnot in der Nachkriegszeit, errichtete die Gewoba in der Vahr große Wohnanlagen mit Waschhäusern, Geschäften, Kirchen und Schulen. Zum ersten Bauabschnitt gehörte die Gartenstadt Vahr, die südlich der Kurfürstenallee auf der Hastedter Feldmark errichtet wurde.

Es folgte die Neue Vahr östlich der Gartenstadt an der Franz-Schütte-Allee. Die Berliner Freiheit entwickelte sich mit Geschäften und Wochenmarkt zum Zentrum des Stadtteils. 1959 wurde dort das Aalto-Hochhaus gebaut. In den 70ern entstand das vergleichsweise dichtbebaute Kurfürstenviertel.

„Die Bevölkerungsstruktur hat sich in der Vahr über die vergangenen Jahrzehnte am meisten verändert“, sagt zu Klampen. Anfangs sei es ein großes Glück für viele junge Familien gewesen, in der Vahr zu wohnen. Doch wegen der vielen Wohnungen, die ausschließlich über einen Berechtigungsschein bezogen werden durften, wurde die Vahr immer mehr zum Viertel für Geringverdiener. Ihr Image litt darunter. Hinzu kamen die unterschiedlichen Kulturen. In den 70er und 80er Jahren waren es vor allem türkischstämmige Familien, später waren es mehr Menschen aus der früheren Sowjetunion.

In den 90ern, so zu Klampen, sorgten Stadt und Gewoba für eine vielfältigere Bewohnerstruktur. Die Gebäude wurden aufwendig saniert und Netzwerke errichtet, durch deren Hilfe viele kulturelle Projekte und Nachbarschaftsangebote ins Leben gerufen wurden. „Hier ist wirklich alles in Schuss“, lobt zu Klampen. Den Problemen, die es heute noch gibt, begegne man auch andernorts.

Für zu Klampen ist der schönste Platz in der Vahr die Berliner Freiheit: „Hier ist ein Kommen und Gehen. Menschen sitzen im Café, Schulkinder warten auf den Bus – alles strömt zusammen und fließt auseinander.“ Der Vahrer See mit seinen Fontänen, aber auch der Carl-Goerdeler-Park seien ebenfalls schöne Ecken.

Mit wem zu Klampen gerne einmal um‘n Pudding gehen würde?

„Mit Yanis Varoufakis, dem ehemaligen griechischen Wirtschaftsminister. Mit ihm würde ich in eine Quartierssitzung gehen. Und er könnte sehen, was man nicht alles durch zuhören und aufeinandereingehen erreicht. Man bekommt dann vielleicht nicht genau das, was man will, aber man erzielt eine Einigung“, sagt er.

Zahlen des Stadtteils Vahr:

Gesamtfläche: 433,7 Hektar Agrarfläche: 3,2 Hektar

Erholungsfläche: 77,0 Hektar Gesamtbevölkerung: 26 667, Männer: 12 469, Frauen: 14198

Durchschnittsalter: 45,3

Einwohner pro Hektar: 61,0 Schüler: 2 417

Betriebe: 470

(Statistisches Landesamt 2010 bis 2014)

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