„Um‘n Pudding“ mit Manfred Gerlach in Mahndorf und Arbergen

Gewerbe und viel Grün

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Am Mahndorfer Bürgerhaus trifft man sich. Manfred Gerlach übt hier mit seiner Bläsergruppe.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Früher standen entlang der Hauptstraße in Mahndorf viele Linden, und es reihten sich kleine Geschäfte aneinander“, erzählt Manfred Gerlach. Mit dem Mahndorfer Urgestein gehen wir in Mahndorf und Arbergen „Um‘n Pudding und erfahren mehr.

„Heute reihen sich nur noch die Autos auf der Hauptstraße aneinander“, erzählt Gerlach. Das sei schade, denn Auswärtige sähen nicht, wie schön, gepflegt und grün die Nebenstraßen alle seien. Der 80-Jährige kennt den Ort aus seiner Kindheit und Jugend. Hier ist er aufgewachsen. Heute gehören die früheren Dörfer Mahndorf und Arbergen als Ortsteile zum Stadtteil Hemelingen. Beide liegen am äußersten Südostzipfel Bremens, kurz vor Uphusen und Achim. 1939 wurden Mahndorf und Arbergen, die vorher Preußisch waren, in Bremen eingemeindet. In den Dörfern gab es ein paar Bauern, die große Ländereien besaßen. Die anderen Anwohner bewirtschafteten zumeist ein kleines Stückchen Land zur Selbstversorgung. „Damals gab es noch keine Straßennamen, nur fortlaufende Hausnummern“, erzählt Gerlach, „wir zogen in einen Neubau, das Haus Nummer 287.“

Zu Mahndorf gehörte ein Dünenzug, der später dem Autobahnbau zum Opfer fiel. „Da konnte man prima spielen“, erinnert sich Gerlach. Das feuchte Marschland im Süden von Arbergen und Mahndorf sei hingegen regelmäßig überflutet gewesen. Im Winter bot es riesige Eisflächen zum Schlittschuhlaufen, im Sommer schwamm beinahe der Umkleideschuppen auf dem Sportplatz weg.

Das Leben spielte sich noch ohne fließend Wasser, Kanalisation, Telefon und Autos ab, weiß Gerlach. Brautpaare wie Verstorbene wurden mit der Kutsche gefahren. Nur der Arzt und der Steuerberater besaßen ein Auto. „Die Pferde waren das ständige Gesprächsthema“, erzählt der Mahndorfer. Rivalität und manchmal handfeste Streitigkeiten gehörten zur dörflichen Nachbarschaft dazu. „Als Kinder spielten wir bei den Rangiergleisen des Bahnhofs“, erzählt Gerlach. Sie sprangen für einige Meter auf die Trittbretter der langsam dahinrollenden Güterzüge. Mit den Druckluftschläuchen spielten sie „Becher-Telefon“ über die ganze Länge des Zuges. Vorne konnte man hören, was jemand am Ende hineinsprach. Gerlach hat auch miterlebt, wie Bomben auf Arbergen und Mahndorf fielen und wie Flieger die Lokomotiven ins Visier nahmen. Durch die benachbarten Rüstungsbetriebe und Werkstätten in den Ortsteilen Hastedt, Hemelingen und Sebaldsbrück gerieten auch Mahndorf und Arbergen unter Beschuss. Auf dem Bahnhofsgelände errichteten die Nationalsozialisten Zwangsarbeiter-Baracken, am Anfang der heutigen Ahauser Straße stand ein Gefangenenlager.

Nach dem Krieg bekamen die Mahndorfer und Ahauser endlich Kanalisation und Telefon. Doch um zur Oberschule in Hemelingen zu kommen, musste Gerlach immer noch zu Fuß bis nach Arbergen und von dort mit dem Bus weiterfahren. Auch die Mühle und die bereits um 1000 erbaute St.-Johannis-Kirche stehen in Arbergen. Johann Georg Olbers, Vater des berühmten Astronomen Wilhelm Olbers, war einst Pastor der Kirche. In den 60er Jahren wurde das Industrie- und Gewerbegebiet Mahndorf erschlossen. Mittlerweile wurden auch Teile der Arberger Marsch zu Gewerbegebiet. Im alten Mahndorfer Bahnhof sitzt heute das Bürgerhaus. Dort leitet Gerlach die Bläsergruppe Musikkorps Mahndorf. „Was früher in den Vereinen stattfand, geschieht heute hier“, erzählt Gerlach. Er vermisst die Bodenständigkeit der alten Mahndorfer, wo sich jeder half und auf der Straße grüßte. Umso mehr wünscht er sich, dass die Situation an der „hässlichen Hauptstraße“ einmal angepackt wird. Wenn Gerlach hingegen etwas Schönes sehen will, dann geht er zum Mahndorfer See. Er entstand durch den Bau der Autobahn und des Mercedes-Werkes. Das östlichste Ufer gehört zu Niedersachsen.

Mit wem Gerlach gerne einmal um‘n Pudding gehen würde? – „Mit meinen alten Schulkollegen. Dann ginge es zum Mahndorfer See, um ein bisschen Erinnerungen auszutauschen.“

Stadtteil Mahndorf und (in Klammern) Arbergen in Zahlen:

Gesamtfläche: 644,3 (588,5) Hektar, Agrarfläche: 250 (352,0) Hektar

Erholungsfläche: 38,2 (15,9) Hektar

Gesamtbevölkerung: 5 647 (5 749), Männer: 2 793 (2 796), Frauen: 2 854 (2 953)

Durchschnittsalter: 44,2 (46,1) Einwohner pro Hektar: 8,7 (9,3) Schüler: 648 (625)

Betriebe: 406 (138)

Quelle: Statistisches Landesamt 2010-14)

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