„Um‘n Pudding“ mit Heidi Bierstedt in Borgfeld

Gewachsenes Dorf

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Heidi Bierstedt lebt in Borgfeld. Im Hintergrund – zwischen Marktständen – steht die junge Dorflinde.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Borgfeld, der eigenständige Ortsteil zwischen Horn und dem niedersächsischen Lilienthal, ist in den vergangenen Jahrzehnten extrem gewachsen. Mit Heidi Bierstedt, die irgendwie schon immer da war, gehen wir in Borgfeld „Um‘n Pudding“.

Im quirligen Zentrum Borgfelds wird es um die Mittagszeit ruhig. An der jungen Linde samt Marktplatz dominiert dann das Vogelgezwitscher. Die meisten kleinen Geschäfte im Ortskern sind geschlossen. Zu Stoßzeiten jedoch schieben sich die Autos durchs Dorf, zum Einkaufen und auf Schleichwegen, um den spurverengten, chronisch verstopften Hauptstraßen auszuweichen. Ein gewisses Flair hat sich in Borgfeld dennoch gehalten. Vieles läuft hier ruhiger ab, ein Großteil der Menschen kennt sich. Einige, die hier aufgewachsen sind, wohnen nun in den Neubaugebieten.

„Seit 1954 lebe ich im schönen, kornfeldumgebenen Borgfeld“, scherzt Bierstedt, denn die meisten Kornfelder sind weg, und die Einwohnerzahl hat sich mehr als verdoppelt. Doch schöne Ecken habe Borgfeld immer noch, versichert Bierstedt. Charakteristisch seien die Deiche, der Hollerdeich Richtung Oberneuland und der Borgfelder Deich ins Blockland. Borgfelds alter Dorfkern mit Kirche, Kneipe, Schule, Friedhof und Kriegerdenkmal liegt heute etwas neben dem Zentrum. Dort steht die Kaisenbüste.

Mit Carl Wilhelm Kaisen beherbergte das kleine Wümmedorf von 1934 bis 1979 Bremer Politprominenz. Kaisen war von 1928 bis 1933 Bremer Senator und von 1945 bis 1965 Bürgermeister.

Ein paar hundert Meter weiter, an der Katrepeler Landstraße, liegt der Wümmehof. Er war der Wohnsitz von Prinz Louis Ferdinand (1907 bis 1994), Enkel von Kaiser Wilhelm II. Der Wümmehof steht unter Denkmalschutz. Bierstedt erinnert sich noch, wie sein Sohn, Louis Ferdinand Junior (1944 bis 1977), im Winter über die vereiste Wümme wollte und unter den Augen der anderen Eisläufer ins Eis einbrach.

Was heute das Schönste an Borgfeld sei, fragen wir Bierstedt. „Alles, die Menschen sowieso, die Vereine, die Hilfsbereitschaft und die Gelassenheit“, antwortet die Vorsitzende des Sportvereins fröhlich. Bei Bierstedt haben schon vor fast 50 Jahren Borgfelder Kinder geturnt.

Auch das Schützenfest und das Osterfeuer, das die Menschen gemeinsam feiern, gibt es noch. „Es scheint, als würden die schönen Sachen weiter gepflegt. Neue Leute rücken nach“, freut sich Bierstedt.

Wie in vielen Bremer Deichgebieten, ist es holländischen Siedlern zu verdanken, dass das Land im 12. Jahrhundert entwässert und kultiviert wurde. Die Gerichtsbarkeit Borgfelds lag im 14. Jahrhundert in Hude und Gröpelingen.

Später erwarb der Bremer Ratsherr und Bürgermeister Hinrich von der Hude zusammen mit Johann Oldenwagen die Hälfte des Dorfes. 1666 erhielt Bremen die volle territoriale Hoheit über Borgfeld mit den Gebietsteilen Warf, Butendiek, Timmersloh, Verenmoor und Ebbensiek. Katrepel gehört erst rund 200 Jahre später zu Borgfeld.

Zusammen mit Gebieten des Nachbardorfes Oberneuland tauschte Bremen 1827 mit dem Königreich Hannover Teile Borgfelds gegen Land bei Bremerhaven. Anfang des 20. Jahrhunderts gingen noch einmal 595 Hektar an die Preußen. 1945 wurde Borgfeld in Bremen eingemeindet.

Mit wem Bierstedt gerne einmal um’n Pudding gehen würde? „Mit Angela Merkel. „Es ginge zur Kaisen-Scheune, am Wümmehof vorbei und dann in meinen Garten oder ins ,Kaffeeklatsch‘. Frau Merkel könnte mir dann erzählen, wie sie es schafft, sich nie plattmachen zu lassen und immer wieder aufzustehen“, sagt Heidi Bierstedt.

Zahlen des Orteils Borgfeld:

Gesamtfläche: 1662,9 Hektar

Agrarfläche: 1157 Hektar

Erholungsfläche: 21,6 Hektar

Gesamtbevölkerung: 8958

Männer: 4405, Frauen: 4553 Durchschnittsalter: 41,5 Jahre

Einwohner pro Hektar: 5,3

Schüler: 1463

Betriebe: 312

(Statistisches Landesamt 2010 bis 2014)

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