„Um’n Pudding“ mit Gernot Winter in Strom und Seehausen

Kontraste am Fluss

+
Gernot Winter am Glockenstein in Seehausen. Dieser Stein stand lange Zeit am Löschplatz und damit fast vor seinem Hof.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Zwischen Weser im Norden und Ochtum im Süden ziehen sich die Ortsteile Strom und Seehausen entlang der Deiche. Ein Idyll umrahmt von Häfen, Industrie und Güterverkehrszentrum (GVZ). Mit Gernot Winter gehen wir in Strom und Seehausen „Um‘n Pudding“.

Zum Panorama mit Segelbooten, alten Fachwerkhäusern und weidenden Kühen gesellen sich in der Ferne gigantische Logistikhallen, ein ebenso großer, begrünter Schlackeberg sowie das Bremer Klärwerk. Solche Kontraste bieten die im Niedervieland gelegenen Ortsteile Strom und Seehausen.

Seehausen bestand einmal aus den um 1150 gegründeten Marschhufendörfern Lankenau, Seehausen und Hasenbüren. Das alte Dorf Lankenau mit den Landgütern reicher Bremer Bürger und fast die Hälfte des Dorfes Seehausen fielen dem Bau des Neustädter Hafens zum Opfer. In Seehausen befinden sich heute die Kläranlage, eine Baggergut-Entsorgungsanlage und Teile des Güterverkehrszentrums. Das Klärwerk reinigt pro Tag rund 130000 Kubikmeter Abwasser, bei Regenwetter mehr als das Doppelte.

Winter und seine in Seehausen geborene Frau haben ihren landwirtschaftlichen Hof und eine Spedition betrieben. Das Leben in Seehausen und Strom ist dörflich geprägt. „Fast alle Seehauser sind in einem der Vereine“, erzählt Winter. Der Kindergarten wurde bis vor kurzem noch kirchlich betrieben. Und bis das Grundstück anderweitig verpachtet wurde, besaß der Schützenverein auch einen eigenen Schießstand. Für Feiern und Veranstaltungen nutzen die Seehauser die große Diele des Gemeindehauses, des sogenannten Kaemnahauses. Gleich nebenan steht die gotische Kirche St. Jacobi. Sie ist eine der ältesten Bremens und steht unter Denkmalschutz.

Ein weiteres historisches Denkmal ist der 800 Kilogramm schwere, runde Glockenstein. Er markierte im Mittelalter jenen Weserabschnitt, dessen Fischereirechte die Amtsfischer vom Domkapitel Hasenbüren gepachtet hatten. „Der Großvater meiner Frau half damals, den Glockenstein aus der Weser an Land zu bringen“, erzählt Winter. Von 1924 bis 1964 stand der rund 800 Kilogramm schwere Glockenstein am Weg zum Löschplatz und damit fast vor seinem Hof. Auf den Strand des Löschplatzes fuhren bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem die Torfkähne aus dem Teufelsmoor. Der Strand blieb, auch als kein Torf mehr gelöscht wurde.

„Zur Weser hin reichte eine Weide. Und direkt hinter deren Zaun standen die Fahrräder der Badegäste“, erzählt Winter und zeigt auf das Stück Grün und den Deich vor seinem Hof. Jetzt ist das Ufer befestigt und der Deich noch einmal erhöht worden. Auf ihm führt der Weserradweg entlang. Mit dem Bau des GVZ habe die Deicherhöhung im Zuge der Weservertiefung den Stadtteil am stärksten verändert.

Irgendwann wird der Wesertunnel folgen, der die noch im Niemandsland endende A 281 mit dem Anschluss Industriehafen verbinden wird. Noch sind Seehausen und Strom soweit abgelegen, dass man die Natur genießen kann.

Der Wassersporthafen Hasenbüren schmiegt sich ins Grün. Und der Straßenverkehr bleibt auf der dörflichen Hauptstraße, die hinter der Marina nach Süden abknickt und nach Strom entlang der Ochtum weiterführt. Dazwischen liegen Wiesen. Die nächste Einkaufgelegenheit ist vom Glockenstein gut sieben Kilometer entfernt, sagt Winter. Einmal in der Woche komme ein „Tante-Emma-Verkaufswagen“. Bei langen Spaziergängen an der Weser genießt Winter die Schönheit seines Stadtteils. Als Veranstaltung würde er sich eine Landwirtschaftsausstellung mit einem Show-Programm, wie Wett-Dreschen und Oldtimer-Trecker-Rennen wünschen. Er selbst hat die Landwirtschaft noch von der Pike auf gelernt, wie er erzählt.

Mit wem Gernot Winter gerne einmal um’n Pudding gehen würde?

„Mit David McAllister, dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten. Den finde ich sympathisch, er wirkt natürlich und nicht so aufgedonnert. Mit ihm ginge es durch Seehausen und Strom. Und ich könnte ihm zeigen, wie schön es zwischen Weser und Ochtum ist.“

Zahlen des Stadtteils Strom und Seehausen (in Klammern).

Gesamtfläche: 726,8 (1110,2) Hektar; Agrarfläche: 449,1 (617,9) Hektar

Erholungsfläche: 10,5 (9,2) Hektar

Gesamtbevölkerung: 428 (1040)

Männer: 214 (516)

Frauen: 214 (524)

Durchschnittsalter: 46 (42,8)

Einwohner pro Hektar: 0,6 (0,9)

Schüler: 38 (110)

Betriebe: 99 (45)

Quelle: Statistisches Landesamt 2010–2014

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Meistgelesene Artikel

Polizeieinsatz gegen den Drogenhandel: Kontrolle in Spielothek

Polizeieinsatz gegen den Drogenhandel: Kontrolle in Spielothek

Prozess gegen Ferdi M.: Familie und Kollegen des Opfers berichten

Prozess gegen Ferdi M.: Familie und Kollegen des Opfers berichten

Marcel Kalz und Iljo Keisse sind die Könige von Bremen

Marcel Kalz und Iljo Keisse sind die Könige von Bremen

„Aktion Steilkurve“: Unvergessliche Momente

„Aktion Steilkurve“: Unvergessliche Momente

Kommentare