„Um‘n Pudding“ mit Elfriede Heidkamp in Horn-Lehe

Lehrstuhl statt Landsitz

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Elfriede Heidkamp in Horn. Hinter der früheren Straßenbahn-Wendeschleife beginnt der Rhododendronpark.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Der Stadtteil Horn-Lehe ist Sitz der Universität und des Technologieparks. Zu ihm gehören aber auch der Unisee, das Hollerland und der Rhododendronpark mit der Botanika. Elfriede Heidkamp kennt Horn-Lehe und seine Bewohner wie kaum eine andere. Mit ihr gehen wir heute ebendort „um‘n Pudding“.

Heidkamp lebt seit 1966 im Stadtteil und bekommt als Vorsitzende des TVEiche Horn mit, was die Leute beschäftigt. „Viel auszustehen hat man in diesem Stadtteil nicht“, sagt sie und lacht. Die meisten seien wohl ganz zufrieden. Horn-Lehe liegt nordöstlich vom Stadtzentrum zwischen Schwachhausen und Borgfeld. Zu ihm zählen die Ortsteile Horn, Lehe und Lehesterdeich. Fährt man die Schwachhauser Heerstraße stadtauswärts, kommt man zuerst nach Horn, südlich der Eisenbahnstrecke Bremen-Hamburg. Der Kern dieser alten Siedlung befand sich auf einem höhergelegenen Landstück zwischen Kleiner Wümme und Vahrer Fleet. Zu diesem Teil Horn-Lehes gehören prächtige Häuser, der Rhododendronpark mit der Botanika und die Marcusallee.

In Horn errichteten im 18. Jahrhundert viele Bremer Kaufleute ihre Landsitze. Davon zeugen die Borgward-Villa, die als Landgut Fritze-Focke bekannt war, das Landhaus Louisenthal, die Villa Leupolt und das Gut Landruhe am Menkepark. An der Marcusallee stehen die Villa

Koenenkamp und die Villa Ohlrogge. In letzterer befand sich nach 1955 bis zu seiner Auflösung das französische Konsulat. Eine Nachfahrin der Familie Ohlrogge ist Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

An der Kreuzung Berckstraße, wo heute das Kaufhaus „Lestra“ steht, fuhren bis 1972 die Straßenbahnen der Linie 4 ins Depot. Drumherum tummeln sich das ehemalige Ortsamt, Café Gödeken, die Sparkasse und die Horner Kirche mit ihrer etwa 800 Jahre alten Linde. Hier wurde bei sogenannten „Things“ im frühen Mittelalter Gericht gehalten.

Nördlich der Eisenbahnschienen erstreckt sich der Ortsteil Lehe bis zum Unisee und zur Autobahn. Statt Landsitzen findet man Lehrstühle, denn Bremens „Exzellenz“-Universität liegt dort eingebettet zwischen dem Technologiepark mit seinem markanten Fallturm für Schwerelosigkeit-Experimente und dem Science-Center „Universum“.

Nördlich der Autobahn beginnt der Ortsteil Lehesterdeich. Auf der östlichen Seite entstanden dort in den 60er Jahren gemischte Wohnsiedlungen rund um die Kopernikusstraße. Jünger ist das Gewerbegebiet Haferwende am Autobahnzubringer Horn-Lehe sowie die Wohnsiedlung im Hollergund. Die Bürgerinitiative „Rettet das Hollerland“ um den Naturschützer Gerold Janssen kämpfte gegen eine weitere Bebauung. Das Hollerland wurde zum Naturschutzgebiet erklärt und Janssen 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bis heute wächst der Stadtteil weiter. Die größten Veränderungen gibt es um die Horner Mühle herum. „Ein Aldi-Markt, der neue Sitz des Ortsamtes im Landhaus Louisenthal, die neue Verkehrsführung und die Bauarbeiten fürs Mühlenviertel sind wohl die maßgeblichen Veränderungen der vergangenen Jahre“, sagt Heidkamp. „Das ist hier gerade ein Thema.“ Sorge mache ihr, wie das verkehrstechnisch gehen soll. Bereits jetzt staue sich der Verkehr auch außerhalb des Berufsverkehrs bis nach Borgfeld.

Wenn sie einen schönen Ort sucht, geht Heidkamp in den Rhododendronpark oder gleich nebenan in ihren Verein. Mit wem Heidkamp gerne einmal „um‘n Pudding“ gehen würde? Mit dem Dirigenten Daniel Barenboim. „Er ist ein interessanter Mensch, der auch politisch Position bezieht“, sagt Heidkamp. Mit ihm würde sie die vielen kleinen Wege in ihrem Stadtteil entlanggehen. „Folgt man ihnen, stößt man auf ganz versteckt liegende, aber schöne Ecken.“

Horn-Lehe in Zahlen:

Gesamtfläche: 1405,8 Hektar

Agrarfläche: 330,9 Hektar

Erholungsfläche: 204,8 Hektar

Gesamtbevölkerung: 25 444

Frauen: 13 338

Männer: 12 106

Durchschnittsalter: 44,8 Jahre

Schüler: 2211

Einwohner pro Hektar: 18,1

Betriebe: 1561

(Statistisches Landesamt)

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