„Um‘n Pudding“ mit Alfred Klose in Blumenthal

Fischer, Ritter, Wolle

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Alfred Klose vor dem Blumenthaler Wasserturm.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Der Stadtteil Blumenthal ist der nordwestlichste Teil Bremens. Davor kommt im Norden nur Vegesack, dahinter liegt das niedersächsische Schwanewede. Mit Alfred Klose gehen wir in Blumenthal am Nordufer der Weser „um‘n Pudding“.

„Hier könnte mehr los sein“, stellt Klose nüchtern fest. Der über 80-Jährige hat schon lebhaftere Zeiten des Stadtteils erlebt, der die Ortsteile Blumenthal, Lüssum-Bockhorn, Rönnebeck, Farge und Rekum umfasst. Gepflegte Einfamilienhäuser bestimmen das Bild. Ursprünglich waren die Ortsteile Fischerdörfer, die im Laufe der Zeit zusammengewachsen sind.

Blumenthal bietet die landschaftlichen Kontraste von hoher Geest, Aue und Marsch. Bis ins ausgehende Mittelalter gehörte die Vogtei Blumenthal mehreren Ritterfamilien. Das Gebiet reichte von Burgdamm bis Meyenburg hinter Schwanewede. Bremen konnte die Gebiete 1436 als Pfand erwerben und verpfändete sie gleich an Stiftsritter oder Bremer Bürgermeister weiter.

Nach dem ersten Krieg gegen Schweden verlor Bremen 1654 die Landeshoheit, behielt aber das Patronatsrecht über die Kirchen und die Verwaltung. Im 18. Jahrhundert gingen die Dörfer und Ländereien in dänischen Besitz und wurden an Hannover verkauft. 1939 erhielt Bremen durch eine Gebietsreform der Nationalsozialisten und den Verzicht auf Bremerhaven die Dörfer Lesum, Grohn, Schönebeck, Aumund, Blumenthal und Farge zurück. Die Nazis bauten in Blumenthal das Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme, an das heute eine Gedenktafel im Uferpark „Bahrsplate“ erinnert, und den gigantischen U-Boot-Bunker „Valentin“ in Farge.

Weitere Zeitzeugnisse sind die Wasserburg „Haus Blomendal“, „Wätjens Schloss“, die prächtigen Kirchen, das denkmalgeschützte Rathaus, der Wasserturm und das ehemalige Werksgelände der Bremer WollKämmerei (BWK).

„Die Gebäude der BWK wurden restauriert, die Stadt will neues Gewerbe dort ansiedeln“, erzählt Klose. Die Bremer Woll-Kämmerei hatte über Jahrzehnte den Stadtteil geprägt. Bereits 1896 arbeiteten bei der BWK 2000 Menschen. Viele kamen aus Polen, Schlesien, Ost- und Westpreußen, Sachsen und dem Rheinland. 1897 ging die Farge-Vegesacker Eisenbahn in Betrieb. Bis 1930 stieg die Arbeitnehmerzahl auf 3700, rund 5000 waren es in den 50er Jahren. Das Unternehmen errichtete Wohnungen für die Arbeiter und Wohnbaracken für die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg. 2009 endete die Geschichte der BWK nach 125 Jahren.

Klose ist in Blumenthal-Rönnebeck geboren und hat die Entwicklung des Stadtteils verfolgen können. 1948 fuhr der Baumwoll-spediteur als Lehrling noch mit der Dampflok nach Bremen. „Industriemäßig haben wir schwer geblutet“, sagt er. Was bis heute ein Merkmal seines Stadtteils ist, sind die vielen zugezogenen Menschen, vor allem aus den östlichen Gebieten. „Die mussten sich damals erstmal etablieren und waren bei den Einheimischen sicher nicht gleich beliebt“, sagt Klose. „Sie waren aber alle sehr fleißig und haben auf das eigene Häuschen hingearbeitet.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg seien dann noch Gastarbeiter aus Italien und der Türkei hinzugekommen. Nach der Schließung der Woll-Kämmerei und anderer Betriebe kämpft die ehemals schmucke Einkaufsmeile an der Mühlenstraße mit Leerständen. Das neue Einkaufszentrum verstärkt den Geschäfteschwund.

Worauf Klose stolz ist, sind die „phantastischen Parks und Grünanlagen Blumenthals“. Gleichzeitig wünscht er Bremen-Nord mehr Beachtung von der Politik. Mit wem Klose gerne einmal „um‘n Pudding“ gehen würde? Mit dem zukünftigen Senator für Inneres und Sport. Dann ginge es auf eine hübsche Rundtour mit Marktplatz, BWK-Gelände, Wasserwerk, Wätjens Park und zum Burgwall-Stadion.

Stadtteil Blumenthal in Zahlen:

Gesamtfläche: 2 267,3Hektar

Agrarfläche: 404,7 Hektar

Erholungsfläche: 109,9 Hektar

Gesamtbevölkerung: 30 593

Frauen: 15 520

Männer: 15 073

Durchschnittsalter: 44,4 Jahre

Schüler: 3 314

Einwohner pro Hektar: 13,5

Betriebe: 692

(Statistisches Landesamt)

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