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Umjubelte Uraufführung im Boulevardtheater Bremen

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Von: Martin Kowalewski

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Gemütlich im Dunkeln – von links gesehen: Jule Neumann (Stephanie Liebl), Ingo Zylinski (David Gundlach), Heiner (Stefan Leonard) und Finja Bartels (Inga Jamry), Hanna Zylinski (Sarah Kluge) und in der Uniform Sascha Hahn (Benjamin Hauschild). Im Hintergrund die Band.
Gemütlich im Dunkeln – von links gesehen: Jule Neumann (Stephanie Liebl), Ingo Zylinski (David Gundlach), Heiner (Stefan Leonard) und Finja Bartels (Inga Jamry), Hanna Zylinski (Sarah Kluge) und in der Uniform Sascha Hahn (Benjamin Hauschild). Im Hintergrund die Band. © Boulevardtheater Bremen

Bremen – Ein kleines Lied noch nach der Vorstellung. Das Besondere dabei ist, dass es aus dem Publikum kommt. „Oh, wie ist das schön“, singen die Zuschauer. „Sowas hat man lange nicht gesehen.“ Fast alle im Saal stehen. Pure Begeisterung nach der Uraufführung der musikalischen Komödie „Heiner, Sascha und die andern“ von Kay Kruppa und Frank Pinkus (1959 bis 2021) im Boulevardtheater Bremen, der zweiten Spielstätte des Weyher Theaters.

Auf der Bühne im Tabakquartier (Woltmershausen) bildet das Kreuzfahrtschiff „Toscabella“ den maritimen Ort des Geschehens. Chefsteward Sascha Hahn (Benjamin Hauschild) ist in seiner Uniform schon ein stattlicher Anblick. Ganz besonders wichtig ist ihm das „a“ in seinem Nachnamen. Er heißt eben nicht Sascha Hehn. Hauschild ist neu im Ensemble und füllt seine Rolle wunderbar aus.

Auf dieser Fahrt von Bremerhaven nach Lissabon hat der Chefsteward (durchaus zu seinem Missfallen) auch die Aufgaben des Eventmanagers zu übernehmen. Und noch etwas (besser gesagt: jemand) beansprucht ihn auf dieser Fahrt. Die bildhübsche und im Umgang mit ihren Reizen sehr talentierte Fitnesstrainerin Jule Neumann (Stephanie Liebl) will ihn erobern und zudem dazu bringen, sämtliche Hüllen fallen zu lassen. Nur leider ist Hahn im Dienst. Kommen die beiden sich näher, bleibt ein kritischer Kommentar von der Brücke nicht aus.

Kreuzfahrt und Kreuzworträtsel

Frisch verheiratet sind dagegen Ingo (David Gundlach) und Hanna Zylinski (Sarah Kluge). Doch die hübsche Journalistin hat einen eher ungewöhnlichen Mann geheiratet. Besonders markant: er hat eine Menge Magentabletten dabei. Die Kreuzfahrt samt kulinarischer Möglichkeiten als Genuss? Fehlanzeige. Bei dem Abba-Song „SOS“ singt er wie ein schüchterner Knabe. Eine vollkommen verkrampfte Erscheinung. Sein Beruf: Kreuzworträtsel-Entwickler. Auch auf der Kreuzfahrt beschäftigt er sich vorzugsweise damit. Ingo soll aber schon das Gefühl haben, noch etwas um Hanna kämpfen zu müssen. So jedenfalls will es seine Angetraute. Und in dem Stück wird er sich entwickeln.

Der um einiges ältere Passagier Heiner Bartels (Stefan Leonard), Steuerberater, wirkt locker in seinem bunten Hemd mit Palmen, Blumen und exotischen Vögeln. Ein deutscher Tourist in ausgelassener Stimmung, zumal seine Frau Finja (Inga Jamry), der zuliebe er die Kreuzfahrt macht, aus Gesundheitsgründen zunächst nicht an Bord ist. Freie Bahn für ihn – und es sind ja auch schöne junge Frauen an Bord. Leonard, ebenfalls neu im Ensemble, hat eine witzige Rolle und füllt sie authentisch.

Bei solchen Charakteren kommt natürlich eine muntere Handlung in Gang. Jule unternimmt einiges, um Sascha eifersüchtig zu machen. Ja, die Versuchungen sind groß – und das Spiel mit der Eifersucht lockt. Heiner darf Jule und Hanna eincremen und er wird von ihnen eingecremt. Der Song dazu: „Relight my fire“. Das erinnert nicht unbedingt an einen Boy-Band-Auftritt, ist aber wirklich witzig. Mehr Annäherungen dieser Art gibt es für Heiner aber nicht, denn Ehefrau Finja erscheint doch noch an Bord. Ein energischer, gar diabolischer Auftritt der Biolehrerin samt bissiger Kommentare.

Emotionaler Moment mit Abba-Song

Doch Finja kann auch ganz anders sein. Man lernt sich kennen und sie erzählt, dass Tochter bereits aus dem Haus ist. Und sie singt „Slipping through my fingers“ von Abba. Jamry legt viel Ausdruck in den Song. Sie singt zart, sentimental, liebevoll, einfach wunderschön. Jule und Hanna steigen beim Refrain gefühlvoll mit ein. Das Publikum spendet einen kräftigen Applaus.

Für Emotionen sorgt die Musik an diesem Abend durchweg. Die Band, ebenfalls auf der Bühne, liefert einen mitreißenden Sound. Die Stimmen der Schauspieler überzeugen. Zur Abfahrt des Schiffes aus Bremerhaven passt „Orinoco Flow“ wunderbar. Ein Neue-Deutsche-Welle-Medley sorgt nach der Pause für ordentlich Stimmung. Immer wieder klatschen die Besucher mit, einige schunkeln zu „Auf der Reeperbahn. . .“, gesungen von Sascha und Ingo.

Mit „Heiner, Sascha und die andern“ hat das Boulevardtheater Bremen ein weiteres Stück im Repertoire, das wirklich Laune macht. Und dem Zuschauer viele schöne Bilder bietet. Auch Regisseurin und Choreographin Isabell Christin Behrendt, die mit dieser Inszenierung ihr Regiedebüt gibt, hat ihre Sache gut gemacht.

Die nächsten Aufführungen der musikalischen Komödie „Heiner, Sascha und die andern“ folgen am 13. und 14. Mai um 20 Uhr, am 15. Mai um 15 Uhr, am 20. und 21. Mai um 20 Uhr sowie am 22. Mai um 15 Uhr. Adresse: Am Tabakquartier 8. Eintritt: ab 32 Euro. Infos und Tickets unter dieser Adresse.

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