Logistiksystem bewegt Pakete in jede Richtung

„Celluveyor“: Umgedrehte Fußballroboter

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Claudio Uriarte (l.) und Hendrik Thamer am „Celluveyor“. Über die Rollen auf den Elementen können die Pakete in alle Richtungen transportiert werden.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Manchmal ist es die Idee, der kurze Augenblick, der große Entwicklungen anstößt. Eine solche Idee hatte der Ingenieur Claudio Uriarte (39), als er flache Fußballroboter in Aktion sah. Die Möglichkeit einer logistischen Maschine, die Pakete ganz frei auf der Transportfläche bewegen kann, zeichnete sich ab. Der „Celluveyor“ nahm Gestalt an.

Für die Umsetzung dieser Idee gründete Uriarte zusammen mit dem promovierten Ingenieur Hendrik Thamer (37) und Ariandy Yoga Benggolo (30) die Firma „Cellumation“, ein Spin-Off des Bremer Institut für Produktion und Logistik (Biba). Zurzeit ist „Cellumation“ in den Räumen des Biba am Hochschulring 20 nahe der Universität in Horn-Lehe ansässig.

Besonderes Merkmal der Fußballroboter sind ihre kleinen, beweglichen Rollen, deren Anordnung und Konstruktion sehr freie Bewegungen ermöglicht. „Ich habe die Roboter gewissermaßen umgedreht, so dass ich eine Platte mit den Rollen oben habe“, sagt Uriarte. „Und ich habe die ganze Mannschaft zusammengehalten.“ Auf ihr rollen Pakete auf Bahnen, die der Logistiker ganz einfach auf einem Touch-Screen festlegen kann. So wird die Programmierung leicht gemacht.

Elf Spieler, elf Platten darauf, so ein Team schafft Bewegung. Die Roboter pflegen zu kollaborieren, zusammengeschaltete Elemente eines „Celluveyor-Systems“ tun dies ebenfalls, auch wenn sie nach sechs Jahren Entwicklungszeit mit den Fußballrobotern kaum noch Ähnlichkeit haben. Sie sind etwas größer als eine Hand und können beliebig aneinander geklippt werden, eine sogenannte zellulare Fördertechnik. „Eine kleine Anlage arbeitet zum Beispiel mit zehn, eine große mit 1000 Elementen“, sagt Uriarte.

Roboter erinnern an Keksdosen

Während die Roboter der Form nach an Keksdosen erinnern, haben die Elemente dagegen eine glatte Oberfläche und drei Rollen, jeweils einzeln angesteuert. „Die Geschwindigkeit muss für jede Rolle einzeln berechnet werden. Sonst beginnen die Pakete zu zappeln oder sie bleiben hängen“, ergänzt Uriarte. Die Module haben jeweils kleine Steuereinheiten und kommunizieren auch untereinander. Eine zentrale Ebene wie beispielsweise ein PC trifft die wichtigen Entscheidungen.

Auf den Rollen heben sich Kunststoffringe ab, die seitlich drehen können. Die zu transportierenden Gegenstände können also auch seitlich über jede Rolle geschoben werden, ohne dass es hakt. Gegenstände mit einer glatten Oberfläche können so jeden Weg nehmen. Die Steuerungstechnik kann sie sogar auf ihrer Reise drehen, so dass sie die Anlage in einer festgelegten Ausrichtung verlassen.

Einmal die Bahn auf dem Touchscreen eingeben und schon sind Bahn und die Drehung der Transportkiste geändert.

Piloteinsatz bei DHL

Es gab bereits einen Piloteinsatz der neuen Technik bei DHL in Braunschweig. Die Anlage dort wurde allerdings nach dem Probelauf, wie bei Pilotanlagen übrig, abgebaut. Der „Celluveyor“ wurde mit einem Band als Eingang und sechs Ausgängen verbunden. „Die Verteilungsrichtung konnte durch einen einfachen Klick auf einen Touchscreen von den Mitarbeitern jederzeit angepasst werden“, sagt Uriarte. „Wir konnten so eine Aufgabe automatisieren, die aufgrund der notwendigen Flexibilität nicht durch herkömmliche Fördertechnik erfüllt werden konnte.“

Das Konzept eigne sich für die Lager und Fabriken auch kleinerer und mittlerer Unternehmen, sagen die Chefs. Das Gründerteam der „Cellumation GmbH“ sieht jedenfalls ein gewaltiges weltweites Marktpotenzial.

www.celluveyor.com

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