Die Geschichte der Gemeinde St. Laurentius

Vom Umgang mit Fremden

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Die Verherrlichung des Hl. Laurentius auf dem Buch-Cover.

Bremen - Von Thomas KuzajEin Buch über eine Kirchengemeinde, die es nicht mehr gibt – genau das hat der Autor und frühere Katholiken-Sprecher Wilhelm Tacke jetzt geschrieben. Denn die Geschichte der Gemeinde enthält Aspekte, die für die Gegenwart von Interesse sind.

„50 Jahre St. Laurentius, Gartenstadt Vahr“ – das ist in profaner Sachlichkeit der Titel des 168-Seiten-Bands. Und zugleich sein Thema.

1962 hatten die Arbeiten für den Bau der neuen Kirche in der Vahr begonnen, Propst August Sandtel legte den Grundstein. Die neue St.-Laurentius-Gemeinde feierte ihre erste Messe in der Aula des Gymnasiums an der Parsevalstraße, bevor der Kirchenbau fertig war. Bald tat sich Bedeutsames, Kirchengeschichte wirkte sich aus – 1965 wurde in St. Laurentius erstmals die neue Liturgie in deutscher Sprache gefeiert. Die Gottesdienste in der Vahr galten als sehr fortschrittlich.

Tackes Buch zeigt, wie vergänglich etwas – hier: eine Gemeinde, eine Kirche – sein kann, das für mehr als ein paar Jahrzehnte geplant war. Vor allen Dingen aber berührt Tackes Buch ein zeitloses Thema: Tacke erzählt am Beispiel dieser Gemeindehistorie vom Umgang mit Fremden.

Womit wir wieder bei den Anfängen von St. Laurentius wären. Ohne die Flüchtlinge und (katholischen) Heimatvertriebenen, von denen viele in der Vahr ein neues Zuhause gefunden hatten, wäre St. Laurentius nicht gegründet worden, schreibt Tacke. Die Flüchtlinge veränderten Bremen. Bremen aber fiel es nicht immer leicht, sich zu verändern. Zu den Vorurteilen, so Tacke, „die der gemeine Bremer tief in seinem Inneren gegen Katholiken hat, kommen nun die hinzu, die der angeblich so tolerante Hanseat am Weserstrand gegen die Fremden aus dem Osten entwickelt“. Die Flüchtlinge werden als „Kartoffelkäfer“ und „Rucksackdeutsche“ beschimpft.

Tacke zeigt, wie sich die Geschichte Ende der 80er Jahre praktisch wiederholt. Die nun „alteingesessenen“ Vahrer Katholiken taten sich schwer mit Spätaussiedlern und Polen, denen wiederum die Vahrer Gottesdienste unerhört fortschrittlich erschienen – beinahe protestantisch. Dennoch waren es gerade auch die „Neuen“, die ab 1997 für den Erhalt von St. Laurentius kämpften – nachdem bekannt geworden war, dass die Kirche abgerissen und durch ein Caritas-Pflegeheim ersetzt werden sollte. Im Jahr 2000 wurde das Heim eingeweiht.

· Tackes Buch ist für 14 Euro bei der St.-Raphael-Gemeinde (Kurt-Schumacher-Allee 62) und im „Atrium Kirche“ (Hohe Straße, Schnoor) zu haben.

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