Neubau steht auf 198 Bohrpfählen

Richtfest fürs „Wallkontor“ in Bremen

Neubau unter Bauplanen am Wall in Bremen.
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Historischer Baugrund: Dort, wo im Mai 2015 das Kaufhaus „Harms am Wall“ niederbrannte, entsteht das „Wallkontor“. Am Freitag wurde Richtfest gefeiert, die Eröffnung ist für Ende 2022 geplant.

Im Mai 2015 ist das Kaufhaus „Harms am Wall“ in Bremen abgebrannt. Auf dem Grundstück baut Investor Marco Bremermann das „Wallkontor“. Am Freitag war Richtfest.

Bremen – Das „Wallkontor“ ist oben angekommen. In 30  Metern Höhe. Am „ultimativen Hochpunkt“, sagte Investor und Bauherr Marco Bremermann am Freitag beim Richtfest in der sechsten Etage des Rohbaus, also ein wenig tiefer. Und weiter: „Das ist ein interessantes Gefühl.“ Draußen weht jetzt der Richtkranz, an der Gebäuderückseite, zu sehen von der Museumstraße aus.

Das „Wallkontor“ hat Bremermann auf dem Platz der einstigen Brandruine des Kaufhauses „Harms am Wall“ hochgezogen. Das aus dem Jahr 1909 stammende dreiteilige Harms-Gebäude war am 6. Mai 2015 durch vorsätzliche Brandstiftung vernichtet worden. Es entstand ein Millionenschaden. Wer das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig gelegt hat, ist bis heute ungeklärt. Der Mieter des Textilhauses wurde ebenso wie ein Mitangeklagter Ende März 2017 freigesprochen. Bremermann investiert in den Neubau eine zweistellige Millionensumme.

„Walls gut wird“ lautet das Motto für den Bau des „Wallkontors“.

Den Grundstein für das „Wallkontor“ legten der Investor und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) vor etwas mehr als einem Jahr, Ende Oktober 2020. Bovenschulte sagte beim symbolischen Baustart mit wenigen Beteiligten in einer zwölf Meter tiefen Grube: „Aus solchen Projekten kommt der Drive, die Innenstadt neu zu erfinden.“ Bremermann sieht es ähnlich. Er sagte beim Richtfest vor mehr als hundert Handwerkern und Wirtschaftsvertretern aus der Hansestadt und dem Umland: „Der Neubau ist ein gutes Zeichen für den Wall und für die Bremer Innenstadt.“

„Ein gutes Zeichen für die Innenstadt“

Auf das naheliegende Motto für den Neubau – „Auferstanden aus Ruinen“ – habe man verzichtet, so Bremermann: „Eine Anleihe aus der DDR-Nationalhymne ist doch sehr gewagt, auch in Bremen.“ Jetzt heißt es: „Walls gut wird.“

Das „Wallkontor“ ragt vom Wall aus betrachtet 28 Meter und acht Etagen in die Höhe. Von der Museumstraße aus gesehen, sind es insgesamt 38,50 Meter und elf Etagen. Drei von ihnen zählen bautechnisch als Tiefgeschosse. Der Wall liegt höher als die Straßen hinter ihm. 7 500 Quadratmeter Mietfläche sollen im Geschäftsgebäude entstehen, davon 5 500 Quadratmeter Gewerbeflächen für Büros und Einzelhandel. 198 Bohrpfähle seien in den Boden gerammt worden, jeweils zwölf bis 14 Meter lang, sagte Bremermann. „Das macht 2,5 Kilometer Bohrpfähle.“ 2 000 Tonnen Beton und rund 245 Tonnen Stahl sind allein in der 1,20  Meter hohen Sohle verarbeitet worden. Für die Fassade werden 40  Tonnen Natursandstein verbaut. „Das Gebäude hat zwei Schokoladenseiten“, ergänzte der Investor. Ins Gebäude integriert wird eine „Wall-Passage“, die durch das Gebäude auf die Museumstraße führt und eine direkte Verbindung sowie Sichtachse zwischen Wall und Domshof-Passage ermöglichen soll. Das „Wallkontor“ soll Ende 2022 eröffnet werden.

„Wallkontor“ in Bremen: Eröffnung Ende 2022

Die „technisch aufwendige Baustelle mit besonderen Anforderungen“ hat sich im Laufe der Monate als archäologische Fundgrube entpuppt. Spektakulär war die Freilegung eines etwa 1 200 Jahre altes Grubenhauses. Zehn Meter unter der Wall-Ebene hatte sich dessen Grundriss als großer Fleck aus schwarzem Lehm abgezeichnet. Erstmals war damit der vollständige Grundriss eines Grubenhauses in der Altstadt gefunden worden.

Historische Brunnen wurden hier entdeckt, Fliesen aus der Karolinger-Zeit. „Das sind alles Grüße aus der Vergangenheit“, so Bremermann. „Das ist schon ein komisches Gefühl.“ Auch Überreste eines Stadtturms vom Beginn des 13. Jahrhunderts wurden freigelegt – Teile der alten Stadtmauer, die mehr als 40 Türme hatte. Das Fundstück soll im „Wallkontor“ präsentiert werden.

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