Das Übersee-Museum zeigt „Faszination Wale – Mensch, Wal, Pazifik“

In die blaue Welt eintauchen

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Embryo eines Delfins.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Blaues Licht, Walgesänge, Flossen. Mit einem „Einstimmungsraum“ beginnt die Ausstellung „Faszination Wale – Mensch, Wal, Pazifik“, die das Übersee-Museum ab heute und bis zum 24. April 2016 zeigt. „Keine klassische Theaterkulisse“, wie Professorin Wiebke Ahrndt sagt, die Direktorin. Farben, Formen, Geräusche genügen im „Einstimmungsraum“, um Bilder im Kopf des Besuchers zu schaffen: Wasser, Pazifik, Wal.

Ein im wahrsten Sinne des Wortes großes Thema ist es, zu dem das Museum in zweijähriger Arbeit eine Ausstellung auf die Beine gestellt hat. Das Team um die Kuratorin Dr. Renate Noda, Leiterin der Abteilung Völkerkunde, legt den Fokus dabei auf den Pazifik. Und auf die Beziehung von Wal und Mensch. So kommen in der Ausstellung zwei Disziplinen des Museums zusammen – Natur- und Völkerkunde.

„Der Besucher taucht ins Meer ein“ – so beschreibt Noda den blauen „Einstimmungsraum“. Dann folgen die einzelnen Themenbereiche der Ausstellung:

Biologie. 190 Tonnen schwer und mehr als 33 Meter lang kann der Blauwal werden, ein wahrer „Gigant der Meere“, so Noda. Aber: „Es gibt mehr als 80 Walarten. Es gibt nicht nur einen Wal.“ Zu den Zahnwalen etwa gehören auch die Delfine. Und so taucht auch „Flipper“ in der Bremer Ausstellung auf. Eine Ausstellung, zu deren Attraktionen Walembryonen ebenso zählen wie ein Pottwal-Penis (allerdings als Abguss) und ein Blauwal-Herz (als 1:1-Modell) – zwei Meter breit, 1,70 Meter hoch. Zum Vergleich zeigt das Museum ein menschliches Herz. Es ist die Überleitung zum zweiten Bereich der Schau:

Mensch und Wal. Hier geht es unter anderem um die Rolle des Wals in verschiedenen Kulturen des Pazifiks. Waljagd in Alaska, Wal-Mythen bei Indianerstämmen, Walfangtraditionen in Japan (im Kontrast zum industriellen Walfang).

Bremer Walfang in der Südsee bildet das dritte Kapitel der Schau. Nach wenigen Jahrzehnten gaben die Bremer Kaufleute die Pazifik-Touren im 19. Jahrhundert aber wieder auf – zu teuer und aufwendig waren die zwei- bis vierjährigen Expeditionen.

Die Jagd ist der vierte Teil der Ausstellung. „Der kommerzielle Walfang, der seinen Ursprung in Europa hatte“, so Noda. Die Basken fingen im 11. Jahrhundert im Golf von Biskaya damit an. Lange Zeit war das aus Waltran gewonnene Öl heiß begehrt – zur Beleuchtung von Häusern und Städten. Das endete mit dem Siegeszug des Erdöls. Das Töten der Wale endete erst später. Margarine aus Walöl etwa war in beiden Weltkriegen in Deutschland billiger Butterersatz, sagt Kuratorin Noda. „Man hat den Wal lange Zeit als eine ausbeutbare Ressource betrachtet.“ Aus Barten – einem hornartigen und sehr flexiblen Material – wurden jahrhundertelang Korsettstangen gefertigt.

Schlusspunkte der Schau sind die Themen Walschutz und Walforschung. Die Forschung setzte ernsthaft erst vergleichsweise spät ein – in den 50er Jahren. Noda: „Wir wissen noch immer sehr wenig.“

Und wie ist sie nun, die Beziehung von Wal und Mensch? „Es ist ein Verhältnis, das sich stark verändert hat“, hieß es gestern im Übersee-Museum. Kurzfassung: vom Walfang zum Walschutz. Ein Wandel, den die Ausstellung auf vielfältige Weise nachzeichnet.

Wobei es den Walfang ja auch noch gibt. Aber von ihm geht heute nicht mehr die größte Gefährdung der Wale aus, sagt Wiebke Ahrndt. Dennoch: Es ist nach wie vor der Mensch, der für die Gefährdung sorgt. Ahrndt: „Wir ruinieren den Lebensraum der Wale durch Müll im Meer und durch Überfischung.“

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