Blockheizkraftwerk des Kulturzentrums Lagerhaus läuft wirtschaftlich

Überschuss im ersten Jahr

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Das Kulturzentrum Lagerhaus setzt auf alternative Energien – und das mit finanziellem Erfolg: Das Blockheizkraftwerk hat im ersten Jahr Überschüsse erwirtschaftet.

Bremen - Von Henning Bleyl. „Die Anlage läuft wirtschaftlich.“ Bernd Scheda, Geschäftsführer des Lagerhauses im Viertel, zieht eine positive Bilanz der Energie-Selbstversorgung. Seit gut einem Jahr steht im Keller des ehemals besetzten Kontorhauses in der Schildstraße ein Blockheizkraftwerk.

Es versorgt nicht nur das große Kulturzentrum selbst mit Wärme und Strom, sondern auch die angrenzenden Gebäude des Theaterkontors und der Aucoop-Genossenschaft. Nun will Scheda das Modell erweitern: Die 15 Nachbarhäuser des Straßenzugs sollen mitversorgt werden – als Modell für künftige Energie-Autonomie im jeweiligen Nahraum. Scheda: „Die Bebauungs-Struktur im Viertel bietet sich dazu an, gemeinsam Strom und Wärme zu erzeugen.“

In Sachen Solar hat das Lagerhaus allerdings eine Bauchlandung erlebt. Eine Genossenschaft mit dem schönen Namen „Solagerhaus“ war bereits in Gründung, sogar die Finanzierung war mit 100 000 Euro gesichert. Doch dann versagte die Statik: „Unsere Dächer hätten die Last nicht ragen können“, bedauert Scheda. Auch hier setzt er nun auf die Nachbarschaft: Wenn die Dachflächen energetisch vereinigt würden, könne ein „Bürgerkraftwerk“ entstehen. Geplant ist eine Modulfläche von 250 Quadratmetern, die zehn Drei-Personen-Haushalte dauerhaft mit Strom versorgt. Der Ausstoß von Kohlendioxid würde um 20 000 Kilo pro Jahr gesenkt. Wer kein Dach hat, kann sich rein finanziell ab 250 Euro beteiligen.

Den ökologischen Initiativen aus dem Lagerhaus ist eine hohe Erfolgsquote zu bescheinigen. Hier entstand das Carsharing-Konzept von Cambio, das sich über etliche deutsche Großstädte ausgebreitet hat. Auch die in der Solarnutzung enttäuschenden Dachflächen sind ein Öko-Faktor: Durch ein kluges Brauchwasser-Nutzkonzept spart das Lagerhaus jährlich Wassermengen in der Größenordnung von 5 000 Badewannen.

Und das Blockheizkraftwerk? Die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom sei „eindeutig sehr umweltschonend“, sagt der Ingenieur Heinz Eggersglüß, der die Anlage eingebaut hat. Der Wirkungsgrad beträgt 94 Prozent. Alle Investitionen, zu denen auch eine Wärmeleitung in die Nachbarhäuser gehört, haben das Lagerhaus 180 000 Euro gekostet. Im ersten Betriebsjahr habe man einen Überschuss von 16 000 Euro erwirtschaftet, sagt Scheda.

Neben der Wärme erzeugt das Lagerhaus heute so viel Strom, wie es verbraucht. Allerdings nur unterm Strich, nicht immer zum richtigen Zeitpunkt. Der Weiterverkauf sei nicht allzu lukrativ, zumindest nicht an die Energieversorger. Und an die Nachbarn? „Das müssen wir rechtlich noch prüfen“, sagt Scheda. Als gemeinnütziger Verein als Energielieferant aufzutreten, sei „juristisch zunächst schwierig“.

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