Neuer Band der Buchreihe „Denkmalpflege in Bremen“

Überraschungen aus der Renaissance

Der „Alexanderbogen“, ein Portal aus der Spätrenaissance, wurde in den 60er Jahren in den Schnoor „verpflanzt“. Zwischen den Häusern Nummer 37 und 38 krönt es den Durchgang zum „Katzencafé“. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Die Renaissance war eine Blütezeit Bremens“, sagt Professor Georg Skalecki, der Landeskonservator. In seinem Dienstsitz, dem Haus Heineken an der Sandstraße im Schatten des Doms, ist am Dienstag der 15. Band der Buchreihe „Denkmalpflege in Bremen“ präsentiert worden. Thema? Erraten: Renaissancebauten in Bremen.

Skalecki selbst schreibt in einem Buch-Beitrag über die aktuellen Forschungen im Zusammenhang mit der Dachsanierung des Rathauses, dessen grün patiniertes Kupferdach ja gegen neue – dem historischen Vorbild folgende – Kupferplatten ausgetauscht wurde. Es regnete bereits rein. „Wir mussten handeln, um den Dachstuhl zu schützen“, so Skalecki.

Nun ist das in den Jahren 1405 bis 1412 errichtete Rathaus im Kern gotisch – doch in der Renaissance hat sich hier viel verändert. Erst im frühen 17. Jahrhundert hat das Rathaus ein Kupferdach bekommen (zuvor: Stein). Und es bekam aus Repräsentationsgründen die prächtige Weserrenaissancefassade auf der Marktplatzseite. Dendrochronologische Untersuchungen (Jahresring-Auswertung) haben nun ergeben, dass 1608/09 der gotische Dachstuhl gegen einen neuen ausgetauscht wurde. Die Konstruktion – auch das eine neue Erkenntnis – lässt darauf schließen, dass ursprünglich nur Dach und Obere Halle gemacht werden sollten. Der prächtige Mittelrisalit (Vorbau) war anfangs nicht geplant gewesen. Eine „große Überraschung“, so der Denkmalpfleger.

Die bemalte Holzdecke aus dem Jahr 1580 im Haus Heineken (Sandstraße, Sitz des Denkmalpflegers) gilt als älteste erhaltene bemalte Bohlen-Balken-Decke der Stadt Bremen. - Foto: Kuzaj

Weitere Themen im neuen Denkmalpflege-Band sind verlorene Bauwerke der Renaissancezeit (Kornhaus, Essighaus) und der Wiederaufbau zerstörter Renaissancegebäude nach dem Zweiten Weltkrieg (Schütting, Stadtwaage, Gewerbehaus). Gleich zwei Themen widmet sich Dr. Rolf Kirsch – dem letzten erhaltenen Kaufmanns-Dielenhaus (Langenstraße 28, in Bremens Glanzzeit ein verbreiteter Bautyp) und der ältesten erhaltenen bemalten Bohlen-Balken-Decke der Stadt Bremen. Die schmückt einen Raum im Haus Heineken. Sie stammt aus dem Jahr 1580 – und war erst 1979 wiederentdeckt, sprich: wieder freigelegt worden. Die Darstellungen symbolisieren Sinne und Tugenden des Menschen, Kirsch beschreibt das humanistische Bildprogramm der Renaissancedecke und ordnet es ein.

Und dann gibt es da noch Fragmente früherer Bauten, die an anderer Stelle – und zuweilen in ganz anderen Zusammenhängen – eingesetzt worden sind. Die Wissenschaftler nennen sie „Spolien“. Marianne Ricci hat sich in der Bremer Innenstadt auf die Suche nach Spolien aus der Renaissance gemacht. Die Ergebnisse dieser Zeitreise beschreibt sie im Buch – verbunden mit Erläuterungen. So dient der Einsatz von Spolien nicht immer einfach der Dekoration – es geht auch um Repräsentation und Machtdarstellung. So ließ der Mäzen und Kaffee-HAG-Erfinder Ludwig Roselius (1874 bis 1943) historische Bremer Staatswappen in die Böttcherstraße einfügen. Anders sieht es im Schnoor aus. Der wurde im Zuge seiner Sanierung (und damit: Rettung) in den 60ern vom Arme-Leute-Quartier in eine Touristenattraktion umgewandelt und mit allerlei Renaissance-Spolien praktisch ausstaffiert.

Georg Skalecki (Herausgeber): Band 15 der Schriftenreihe „Denkmalpflege in Bremen“ – „Renaissance“. Edition Temmen, 120 Seiten, Preis: 5,90 Euro.

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