Die Geschichte des Hahns

Der Überflieger

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Immer alles im Blick: Der Hahn der Bremer Stadtmusikanten steht aus gutem Grund an der Spitze der Skulptur von Gerhard Marcks.

Ganz oben steht er und wacht mit stoischer Ruhe über das hektische Treiben rund um Rathaus und Marktplatz: Der Hahn der Bremer Stadtmusikanten erlangte 1819 – also vor 200 Jahren – mit den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm internationale Aufmerksamkeit.

Bremen – Doch der Hahn als Bildnis ist viel älter und geht auf eine mehr als 3000 Jahre alte Geschichte zurück. Am Sonnabend war er Thema in der Reihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft.

Regine Kloft-Ollesch führte die etwa 50 Zuhörer während ihres Vortrags „Und auf der Spitze kräht der Hahn – Bilder und Texte zum Oberhaupt der Bremer Stadtmusikanten“ in die Historie des „Top Actors“ ein – dem Akteur auf der Spitze. Bis in das Jahr 2000 vor Christi gehen historische Belege zurück.

Damals, so Forscher, soll der Hahn insbesondere im asiatischen Raum beheimatet gewesen sein, eher er erst etwa 600 nach Christi über die Seidenstraße und die Alpen nach Europa kam. Archäologische Funde, so Kolft-Ollesch, gebe es kaum, da die Knochen von Hühnern viel zu leicht verfallen würden.

Doch auch ohne Skelett- und Federreste finden sich Bildnisse in Kloft-Olleschs Archiv. Erste Erwähnungen seien bereits im 8. Jahrhundert vor Christi entdeckt worden – und stets wurde der Zweibeiner mit heiligen Attributen versehen.

So sei der Hahn nicht nur als „Geschenk sehr geschätzt“ gewesen, sondern diente auch Kriegsherrn dazu, ihre Siege durch lautes Krähen zu verdeutlichen. „Nur der siegreiche Hahn krähte.“

Dabei, so die Diplom-Religionswissenschaftlerin und Prädikantin (Laienprediger), kamen dem Hahn seit jeher seine Aggressivität und sein Mut zugute. „Hähne sind von sich aus aggressiv. Sie brauchen aber auch Streicheleinheiten.“

Insbesondere die Unerschrockenheit zeichne sich in vielen Gemälden ab, die den Hahn mal im Kampf mit Füchsen, aber auch mit Mardern und anderen Raubtieren zeigen. So erstaune es nicht, dass auch weltberühmte Künstler wie Pablo Picasso den Hahn zeichneten und Kulturstätten wie Pompei noch heute Wandmalereien des Federviehs zieren.

Im Christentum ist der Hahn seit jeher mit Wachsamkeit, der Auferstehung, Intelligenz, Weisheit und Fruchtbarkeit verbunden, erzählte die Expertin ihrem Publikum im Haus der Wissenschaft. Später wurde er auch als „Vogel des Lichts“ bezeichnet. Und weil der Hahn sowohl mit einem gewissen Überblick als auch mit seiner Flugfähigkeit in Verbindung gebracht wird, wundere es nicht, dass er den obersten Platz im Quartett einnehme, betonte Kloft-Ollesch. „Von da hat er eben den besten Blick“, sagte sie.

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