Überfall auf Polizisten im Viertel: Wer kann Hinweise geben?

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Nach dem „überfallartigen Angriff“ auf Polizeibeamte im Steintor-Viertel ermittelt die Polizei unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs. Die Ermittler suchen nun Zeugen für die Attacken.

Anlass für den Protestmarsch war die erneute Inhaftierung des wegen gefährlicher Körperverletzung in acht Fällen angeklagten Werder-Ultras Valentin (wir berichteten). Der Überfall soll den Angaben zufolge von mehreren Passanten mit Handys aufgenommen worden sein.

Wie berichtet, hatten etwa 40 Vermummte – die Polizei vermutet dahinter Werder-Ultras – die Besatzung eines Streifenwagens mit Flaschen-, Böller- und Steinwürfen attackiert. Die Polizisten wurden zudem den Angaben zufolge mit einer Signalwaffe beschossen. „Die beiden Polizisten stehen noch immer unter dem Eindruck des Geschehens“, berichtete heute Polizeisprecherin Franka Haedke. Ihren Angaben zufolge hatten die jungen Kollegen, eine 25-Jährige und ein 31-Jähriger, im Augenblick des Angriffs Angst um ihr Leben. Haedke: „Als eine Leuchtstoffrakete kurz vor dem Streifenwagen aufschlug und explodierte, streikte der Motor und sprang nicht mehr an. Der wütende Mob näherte sich den Polizisten. Stein- und Flaschenwürfe prasselten auf die Windschutzscheibe nieder.“ Der 31-jährige Polizist habe das Eindringen in den Streifenwagen nur verhindert, indem er mit beiden Beinen fest gegen die Windschutzscheibe gedrückt habe. Als Unterstützungskräfte eintrafen, flüchteten die Angreifer in Richtung Fehrfeld.

Die Polizei sucht nun dringend Zeugen, die den Überfall beobachtet oder mit dem Smartphone gefilmt oder fotografiert haben. Die Sprecherin: „Die uns bisher vorliegenden Videoaufnahmen zeigen, dass mehrere Fußgänger im Bereich der Haltestelle Sielwall Ecke Fehrfeld mit ihren Handys Aufnahmen gemacht haben.“ Hinweise an die Bremer Kripo unter 0421/362-3888. Fotos oder Filmaufnahmen können per E-Mail an facebook@polizei.bremen.de geschickt werden.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) bezeichnete die Angriffe im Viertel als „hochkriminell“. Und die Gewerkschaft der Polizei sagte: „Dieser Angriff zeigt erneut, dass es Gruppen gibt, die ein klares Feindbild haben. Dieses Feindbild sind die Polizei, die Justiz und somit unser Staat." Polizeipräsident Lutz Müller erklärte: „Wer noch immer eine Gruppierung hofiert, die Menschenleben gefährdet und sich dabei auf eine politische Gesinnung beruft, wird selbst zum Brandstifter.“

Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) hatte den Haftbefehl gegen den 21-jährigen Valentin wieder in Vollzug gesetzt und damit die Entscheidung des Landgerichts aus dem November aufgehoben. Der Werder-Ultra sitzt nun wieder in Untersuchungshaft. Das OLG begründet seine Entscheidung damit, dass die „von dem Angeklagten ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit nicht durch weniger einschneidende Maßnahmen, insbesondere nicht durch Erteilung von Weisungen“, beseitigt werden könne. Die Taten des Angeklagten seien „regelmäßig entweder im voraus geplant gewesen oder zeichneten sich dadurch aus, dass die spontan angetroffenen Geschädigten in das Feindschema des Angeklagten und seiner Mittäter passten“, also einer „gegnerischen Fangruppe oder dem rechten politischen Spektrum“ angehörten.

Unter anderem verdächtigen Staatsanwaltschaft und Polizei Valentin, an der Randale nach dem Fußballspiel Werder gegen Hamburger SV im April beteiligt gewesen zu sein. Die acht Taten, die ihm zur Last gelegt werden, soll Valentin zwischen März 2014 und April 2015 begangen haben. Laut Anklage sei er „zum Teil mit erheblicher Rücksichtslosigkeit und Brutalität vorgegangen“. Das Amtsgericht Bremen hatte Ende Juni wegen Wiederholungsgefahr Haftbefehl gegen Valentin erlassen. Sein Anwalt hatte zunächst vergeblich versucht, ihn freizubekommen. Im November hatte dann das Landgericht den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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