„Sommermomente“: 16 Mitarbeiter legen sich ins Zeug

Bremer Flughafen: Turnaround in 30 Minuten

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Der Plan für die Verteilung im Frachtraum der Maschine steht. Mit dem „Power-Stow“ geht es per Fließband durch die Luke und einmal um die Ecke. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Vor dem Start mit dem Flugzeug machen die Koffer der Passagiere im Airport Bremen schon eine kleine Reise. Dabei begegnen sie Menschen, die arbeiten, damit andere in den sonnigen Urlaub fliegen können.

Die Serie „Sommermomente“ begleitet das Gepäck und wirft zusätzlich einen Blick auf den Turnaround, einem eng getakteten Zeitabschnitt von durchschnittlich 30 Minuten, die Flugzeuge zwischen Start und Landung am Boden sind. Dann müssen sich 16 Airport-Mitarbeiter richtig ins Zeug legen.

Der Check-In ist schon vorher. Der Mann am Schalter prüft, ob der Gast auf den Flug gebucht ist. Er wiegt das Gepäck und versieht den Koffer mit einem Aufkleber, bedruckt mit relevanten Daten und Barcode. Darauf steht auch die Buchungsreferenznummer, die Passagier und Gepäck einander zuordnet, eine Nummernkolonne, die weltweit in den folgenden 72  Stunden kein weiteres Mal vergeben wird.

Alle Koffer kommen auf ein Band

Die Reise des Koffers führt auf einem Fließband durch einen Durchgang in der Wand. Auf der Rückseite ist die „Kofferhalle“ des Check-In-Bereichs in Terminal 1. Die Koffer aller Schalter kommen auf ein Band – egal, wohin die Reise geht. Der Koffer fährt durch ein großes Metallgehäuse. Er wird geröntgt. Das macht die Bundespolizei.

Über eine hohe Rampe geht es zum Sortierband. Dort fährt der Koffer im Kreis, bis einer der Männer ihn greift und anhand des Aufklebers auf den richtigen Gepäckwagen legt. Zur Zeit ist es recht ruhig. Zwei Männer reichen meistens. Manchmal werden auch vier gebraucht.

Abfahrt zum Flugzeug. Dort ist der Turnaround in vollem Gange. Der „Follow-Me-Wagen“ hat die Maschine an ihren Standplatz gelotst. „ST  8624“, ein Flug der Germania nach Mallorca, wird vorbereitet. Ein Mann kommt mit dem Tankwagen und klemmt den Schlauch am rechten Flügel an. Mitarbeiter haben Bremsklötze vor die Räder gelegt und vor den Triebwerken Pylonen aufgestellt. 

Ein Mitarbeiter des Boden-Verkehrsdienste schließt die Maschine an die Stromversorgung des Airports an. Der „Ramp-Agent“ koordiniert alle Abläufe am Boden und informiert den Piloten über die Zahl der Passagiere, das Beladungsvolumen und die Wetterlage. Ein Wagen liefert Frischwasser, ein weiterer saugt die Fäkalien aus den Toiletten ab. In der kurzen Zeit macht ein Catering-Team die Maschine klar für den nächsten Flug. Die mobile Gangway ist angedockt.

Richtige Gewichtsverteilung wichtig

Noch einmal packt ein Mann die Koffer und legt sie auf ein Fließband, den „Power-Stow“. Das Band läuft durch die Frachttür und reicht noch um die Ecke, was die Arbeit eines zweiten Mannes im Frachtraum erleichtert. Dieser positioniert die Fracht anhand der Berechnungen des „Weight-and-Balance-Agenten“, der die Gewichtsdaten vom Check-In erhalten hat. „Das Gewicht sollte so verteilt sein, dass die Maschine ohne Steuerung geradeausfliegt. Es geht darum, das Gepäck genau so zu positionieren, dass möglichst wenig vom Idealmaß abgewichen wird“, sagt Björn Schmitz, Leiter der Flugzeugabfertigung am Airport.

Nach Einstieg der Gäste prüft der Pilot, ob nichts an der Maschine defekt oder eingefroren ist. Das „Pushback-Fahrzeug“ hebt das Vorderrad des Flugzeugs an und schiebt es rückwärts in Richtung der Startbahn. „Flugzeuge verfügen über keinen Rückwärtsgang. Sie werden durch die Turbinen angetrieben. Eine Schubumkehr wäre zu aufwendig und würde auch viel zu viel Staub aufwirbeln“, sagt Schmitz. Das Fahrzeug dreht die Maschine noch etwas, dann wird das Vorderrad abgesenkt.

Der „Ramp-Agent“ zieht das Kommunikationskabel ab und auch den „Pin“, eine kleine Metallplakette. Damit ist die Kontrolle des Fahrwerks durch den Flugkapitän hergestellt. Der Agent hält die Plakette hoch, so dass der Kapitän sie sehen kann. „ST 8624“ rollt in Richtung Startbahn. Abflug nach Mallorca.

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