Platz für 750.000 Bücher / „Tag der Architektur“ gibt Einblicke

Ein Turm mit 940 Aluminium-Platten

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Der neue Bücherturm der Unibibliothek bietet Platz für 750 000 Bücher. „Würden man alle aneinanderreihen, ergebe dies eine Strecke bis nach Ganderkesee“, heißt es.

Bremen - Von Steffen Koller. Räume ohne Wände, Gebäude mit historischen Beständen, Zahnarztpraxen, Kindertagesstätten: Der „Tag der Architektur“ hat am Sonntag seltene Einblicke in die unterschiedlichsten Bauwerke Bremens geboten und mehrere hundert Menschen in insgesamt 15 Objekte gelockt. Von hermetisch abgeriegelten Büchertürmen bis hin zu Häusern, die pro Etage nur aus einem Raum bestehen, wurde den Besuchern einiges geboten.

Früher, da war dieses Objekt in der Neustadt ein typisches Altbremer Haus. Klein, verwinkelt, ganz putzig, doch irgendwie auch unpraktisch. Kaum Stellfläche, wenig Raum zur optimalen Nutzung. Die Architekten-Brüder Jan und Benjamin Wirth (Wirth Architekten) wollten das ändern und schmiedeten einen Plan. Dachschräge weg, Wände raus – und ein Haus schaffen, das größtmögliche Nutzfläche bietet. Herausgekommen ist das „Haus ohne Zimmer“. Besonders im ersten Obergeschoss des Hauses wird der Clou des Gebäudes sichtbar. 50 Quadratmeter stehen zur Verfügung, und diese sind optimal genutzt. Zwischen Schlafzimmer, zwei Arbeitsräumen und Bad prangt ein Würfel im Etageninneren. Dieser dient als Ankleideraum und „zoniert“, so der Fachbegriff, den Raum.

Insgesamt wurden „nur“ etwa 20 Quadratmeter an Wohnfläche dazugewonnen, erklärt Jan Wirth. Doch diese sind nun bestens zu nutzen. Keine Türen, die beim Öffnen irgendwo gegenstoßen, keine kleinteiligen Räume, die es unmöglich machen würden, größere Möbelstücke aufzustellen. Für Wirth ein „gutes Rezept, auch Familien wieder in die Neustadt zu bekommen“. Denn genau diese fänden optimal genutzten Wohnraum immer wichtiger. 2000 Euro pro Quadratmeter an Umbaukosten müsse man rechnen, erklärt Wirth weiter. „Und viel Handarbeit.“ In die schmalen Straßen passe kein Bagger, Kräne würden keine Stellfläche haben, erzählt der Architekt.

Schluss mit Wasserproblemen an der SuUB

Um Platzprobleme mussten sich die Architekten des neuen Bücherturms an der Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB) keine Sorgen machen, dafür stellte der 3,4 Millionen teure Bau die Experten vor ganz andere Herausforderungen. Jens Kruse (Haslob, Kruse & Partner Architekten), mitverantwortlich für die Gestaltung des 750.000 Bücher fassenden Gebäudes, und seine Kollegen hatten ein Element ganz besonders im Auge: Wasser. Mehrfach drang in das alte Büchermagazin Feuchtigkeit ein – „eine Tragödie“, wie Silke Huesmann, Bibliotheksmitarbeiterin und mitverantwortlich für die Planung, sich erinnert. Schließlich beheimatet das Gebäude zum Teil Schriften aus dem 14. Jahrhundert. Und so scheint es auch nicht verwunderlich, dass der neue Bücherturm, der mit 940 weißen Aluminium-Platten versehen ist, keine Fenster hat. Auf den Platten prangen reliefartig Wörter wie „Vers“ oder „Lyrik“ und unterstreichen so den Nutzen des Objekts. Für die nächsten zehn Jahre soll der Turm Stellfläche für Bücher bieten. Denn Huesmann weiß: „Trotz Digitalisierung wird das Magazin bald prallgefüllt sein.“

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