Boulevardtheater Bremen feiert erste Premiere

Turbo für die Lachmuskeln

Das Ensemble des Boulevardtheaters Bremen brachte die Zuschauer bei der ersten Premiere im Haus immer wieder zum Lachen. Unser
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Das Ensemble des Boulevardtheaters Bremen brachte die Zuschauer bei der ersten Premiere im Haus immer wieder zum Lachen.

Erste Premiere in Bremens neuem Boulevardtheater im Tabakquartier, der zweiten Spielstätte des Weyher Theaters. Und: Trotz tragischer Hintergründe wurde die Premiere ein voller Erfolg.

Bremen – Das Boulevardtheater Bremen hat seine Arbeit mit einem regelrechten Turbo für die Lachmuskeln aufgenommen: „Und immer zahlt das Amt“ von Michael Cooney kam am Mittwochabend im unter Corona-Bedingungen ausverkauften Saal hervorragend an. Die Schauspieler sind eins mit ihren Rollen und zeigen die humorvolle, schnelle Handlung plastisch und klar.

Am Ende stehen die Zuschauer nach und nach auf, bis nach kurzer Zeit fast alle stehen. So muss eine Premiere sein! Der langjährige Dramaturg des Weyher Theater, Frank Pinkus, hätte sich sicher gefreut, wenn er das erlebt hätte. Der 62-Jährige war bei der Generalprobe für die erste Premiere in der Bremer Spielstätte auf der Bühne zusammengebrochen und gestorben. Die Premiere wurde verschoben. Pinkus" sehr zentrale Rolle in dem Stück übernahm Andreas Eckel. Und er füllt sie überzeugend aus.

Er spielt Norman Bassett, einen gemütlichen, vielleicht etwas schlichten älteren Herren, der in wenigen Tagen heiraten will. Er ist Untermieter bei Eric Swan (Kay Kruppa). Dieser steht absolut unter Strom, denn ihm rückt das Sozialamt auf den Leib, vertreten durch Mr. Jenkins (Marc Gelhart). Eric ist seit zwei Jahren arbeitslos. Damit seine Frau Linda Swan (Janina Zamani) das nicht merkt, erfindet er gegenüber dem Sozialamt ständig neue Personen im Haushalt und kassiert für diese so ziemlich jede Unterstützung ab, die das Amt anbietet.

Der Krankenstand unter den Erfundenen ist extrem hoch. Onkel George (Hermes Schmid) arbeitet im Krankenhaus und besorgt von dort passende Formulare, um das vorzugaukeln. Über Rezepte verschriebene Stützstrümpfe, Perücken und weiteres verkaufen Eric und Onkel George weiter.

Premiere im Boulevardtheater: Alles außer Kontrolle

Bassett muss erfahren, dass er keine Zeit hat, auf seine anstehende Hochzeit zu gehen, da er, zumindest nach Kenntnisstand des Amts, auf einer Beerdigung sein wird, seiner eigenen. Beim Amt sind zudem mehrere Bassetts gemeldet. Ja, Eric ist schnell darin, Notlügen zu erfinden. Er gibt sich gegenüber Mr. Jenkins als Rupert Thompson, ehemaliger Untermieter, aus. Leider will Jenkins nicht gehen, ohne eine fehlende Unterschrift von Eric Swan. Damit folgt er einer Anordnung seiner Vorgesetzten Mrs. Cowper (Maren Kannelon), wobei er, wohl ganz intuitiv, von „Mistress Cowper“ spricht. Diese wird später noch einen eindrucksvollen Auftritt haben.

Alles gerät außer Kontrolle, ständig müssen neue Rollen gefüllt werden. Ein Schauspiel im Schauspiel. So muss Bassett in die Rolle eines arbeitslosen, tauben Klavierstimmers schlüpfen (sein imaginärer Sohn). In seiner vermeintlichen Trauer bekommt er Unterstützung von einer unglaublich empathischen Familienhelferin (Antje K. Klattenhoff). Und irgendwann später taucht ein Mitarbeiter eines Beerdigungsunternehmens (Markus Weise) auf, der in dem ganzen Chaos mit stoischer Ruhe seiner Arbeit nachgeht.

Boulevardtheater bringt das Publikum zum Lachen

Auch Linda Swan hat längst bemerkt, dass etwas im Verborgenen läuft. Sie hat eine Kiste entdeckt, unter anderem mit Perücken, einer Strumpfhose und einem Riesen-BH – und professionelle Hilfe kommen lassen: Partnerschaftsmoderator Dr. Chapmann (Joachim Börker), der in seinem Beruf offensichtlich eine ausgesprochen lebendige Erlebniswelt findet. Eine herrliche Rolle! Börker bei der Umsetzung zuzuschauen, macht einfach Freude. Seine Analysen gehen tief in Erics vermeintliches Sexualleben. Aber Transvestit zu sein, ist ja nicht gegen das Gesetz. Und diesen Gedanken hat Chapmann im Hinterkopf beim Gespräch mit dem vermeintlichen Lustpartner Onkel George. Der aber hat natürlich die wahren Hintergründe zu den verdächtigen Fundstücken vor Augen und ist überrascht: „Nicht gegen das Gesetz? Warum macht es dann nicht jeder?“ Kurz darauf sagt er: „Das hätte ich früher wissen sollen. Ich hätte meine ganze Familie reingezogen.“ Dialoge voller Missverständnisse entstehen, entfalten ein Eigenleben – und geben dem Publikum immer wieder Anlass zum Lachen.

Zuschauer zollen dem Ensemble Respekt

Die Zuschauer sind vom Stück und der Leistung der Darsteller begeistert, sprechen aber auch über den tragischen Tod von Frank Pinkus. „Hut ab!“, sagt Stefan Heinrich (57), der auch häufig die Weyher Spielstätte besucht. Das Ensemble habe trotz des Verlustes sehr professionell agiert.

„Und immer wieder zahlt das Amt“ ist (mit Unterbrechung) bis zum 14. November im Boulevardtheater (Am Tabakquartier 8) zu sehen. Die nächsten Termine: Freitag und Sonnabend, 1./2. Oktober, 20 Uhr, Sonntag, 15 Uhr. Es gilt die 3G-Regel. Tickets ab 32 Euro sind an den Theaterkassen in Bremen und Weyhe sowie online unter „www. boulevardtheater-bremen.de“ erhältlich.

Blick ins Tabakquartier: rechts das Boulevardtheater, das am Mittwoch seine erste Premiere feierte, links das Parkhaus. Projektentwickler Justus Grosse investiert im Quartier 600 Millionen Euro.

Tabakquartier: 600-Millionen-Euro-Projekt

Das Boulevardtheater Bremen, zweite Spielstätte des Weyher Theaters, befindet sich mitten im Tabakquartier und hat 374 Plätze. Mit einer Gesamtbauzeit von etwa 14 Monaten ist das neue Theater- und Komödienhaus in der einen Hälfte der denkmalgeschützten ehemaligen Lagerhalle „Halle 1“ der Tabak- und Zigarettenfabrik Martin Brinkmann unter der Projektentwicklung von Justus Grosse (Bremen) entstanden. Industriearchitektur und moderne Theatertechnik treffen hier aufeinander. In den zweiten Teil der Halle ziehen ab Anfang 2022 die Bremer Philharmoniker mit ihrem neuen Übungssaal ein. Die Umbaukosten der „Halle 1“ belaufen sich nach Angaben einer Grosse-Sprecherin auf rund 10,2 Millionen Euro. Eingefädelt hat den kulturellen Deal Clemens Paul, einer der Grosse-Chefs und Fan des Weyher Theaters. Er freut sich, wie er betonte, über den neuen kulturellen Schwerpunkt des Tabakquartiers, das für Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur steht. Die Gesamtinvestition fürs Quartier liegt den Angaben zufolge bei rund 600 Millionen Euro. (gn)

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