Das Tor und die Türme

„Verschwunden“: Die Bremer Kaffeefirma Schilling in der alten Weserburg

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Die Hagensburg in ihren frühen Tagen – als sie noch nicht Weserburg hieß. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Erst hieß sie Hagensburg, dann Weserburg. Die Weserburg auf dem Teerhof gibt es noch heute – das Museum für moderne Kunst ist aber eine andere Weserburg als die ursprüngliche. Die nämlich ist heute Thema unserer Serie „Verschwunden“. Und mit ihr die Bremer Kaffeefirma Schilling.

Die Geschichte beginnt allerdings nicht mit Kaffee, sondern mit einem Tabakunternehmen. Die Tabak- und Zigarrenfirma Hagens hatte sich anno 1897 von dem Architekten Johannes Rippe ein spektakuläres Bauwerk auf den Teerhof setzen lassen. Zwei neogotische Tortürme sorgten an der Kaiserbrücke – heute: Bürgermeister-Smidt-Brücke – für Aufsehen. Denn durch Tor und Türme wirkten die sich anschließenden Kontor- und Lagerbauten tatsächlich wie eine Burg.

Der Bremer Architekt Johannes Rippe (1838 bis 1908) war für seinen neogotischen Backsteinstil bekannt. Von ihm stammen unter anderem auch die Friedenskirche an der Humboldtstraße (1869), die Strafanstalt in Oslebshausen (1874) und die Jakobikirche am Kirchweg in der Neustadt (1876).

Seine Hagensburg auf dem Teerhof wurde zur Weserburg, als die Bremer Kaffeefirma Schilling & Sohn das Bauwerk 1923 kaufte. Das Unternehmen hatte zuvor Kontore und Lager an verschiedenen Adressen in der näheren Umgebung des Teerhofs gehabt. Schilling war zu einer Großrösterei mit Versandgeschäft gewachsen. Die Weserburg war ein ebenso praktikabler wie stolzer Firmensitz.

Bombenangriff zerstört Bauwerk 

Nach einem Bombenangriff am 6. Oktober 1944 war die Burg nur noch eine Ruine. Das Bauwerk des Architekten Johannes Rippe war damit verschwunden. Wenige Jahre nach dem Krieg – 1949 – wurde die Weserburg wieder aufgebaut, allerdings in deutlich schlichterer Form.

Auch die Kaffeerösterei Schilling nahm ihren Betrieb wieder auf. Doch das Versandgeschäft hatte sich verändert, zudem entwickelten andere Kaffeeunternehmen mit ihren Marken neue Werbe- und Verkaufsstrategien. Eduard Schilling, der letzte Chef (und obendrein ein Werder-Sponsor) starb im November 1971. Das Kaffeeversandgeschäft wurde schließlich an ein Utbremer Unternehmen verkauft – so lebte der Name „Schilling“ noch einige Zeit weiter. Die eigentliche Schilling-Geschichte aber war im Jahr 1973 beendet – 50 Jahre, nachdem das Unternehmen die Hagensburg gekauft und zur Weserburg gemacht hatte.

Die Stadtgemeinde Bremen hatte die Weserburg 1973 gekauft. Die Kulturszene etablierte sich in dem Gebäude – so beispielsweise die 1980 gegründete Gesellschaft für aktuelle Kunst (GAK). Und schließlich kam die Idee auf, hier ein Sammlermuseum für zeitgenössische Kunst einzurichten. Wie üblich, verging dann noch einige Zeit, bis es wirklich so weit war – das Neue Museum Weserburg öffnete 1991.

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