Tuberkulose bei zwei jugendlichen Flüchtlingen / Sondersitzung der Deputation

Überall fehlt Wohnraum

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Die Zentrale Kommunale Erstaufnahmeeinrichtung an der Steinsetzerstraße kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zwei Jugendliche sind dort nun an Tuberkulose erkrankt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind in der Zentralen Kommunalen Erstaufnahmeeinrichtung (ZKE) an der Steinsetzerstraße in Habenhausen an Tuberkulose erkrankt. Das kam gestern in der Sondersitzung der Sozialdeputation zur Sprache, bei der es um die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge in Bremen ging. Wie berichtet, wird die ZKE gegenwärtig wegen eines Bettwanzenbefalls geräumt.

Nachdem Ärzte des Gesundheitsamts den Tuberkulose-Verdacht diagnostiziert hatten, kamen die beiden betroffenen Jugendlichen zur weiteren Untersuchung und Behandlung in die Professor-Hess-Kinderklinik am Klinikum Bremen-Mitte.

Sämtliche Jugendlichen aus der Steinsetzerstraße werden nun geröntgt, sagte Dr. Monika Lelgemann, die kommissarische Leiterin des Gesundheitsamts. „Die Jugendlichen werden begleitet, damit niemand verlorengeht auf dem Weg zum Röntgen.“ Untersucht werden auch jene Jugendlichen, die bereits aus Habenhausen in die Zeltunterkunft am Lidice-Haus auf dem Stadtwerder verlegt worden sind.

„Darüberhinaus ermittelt das Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Amt für Soziale Dienste alle weiteren Kontaktpersonen der Erkrankten, um deren potenzielle Ansteckungswahrscheinlichkeit zu beurteilen“, hieß es zudem in einer Erklärung des Gesundheitsressorts.

Um eine Ausbreitung der Bettwanzen zu vermeiden, müssen die Jugendlichen unter Anleitung duschen, bevor sie die ZKE verlassen, hieß es in der Deputationssitzung. Gepäckstücke werden chemisch behandelt.

Bremen verlegt seine Zentrale Kommunale Erstaufnahmeeinrichtung (bis August, wie es zunächst heißt) in die Eislaufhalle „Paradice“ in Walle. Sowohl die „provisorische“ als auch die dauerhafte Unterbringung der jungen Menschen stellt das Sozialressort zunehmend vor Herausforderungen. Allein gestern sind neun junge Menschen neu in Bremen angekommen. Es fehlt an Wohnraum. 20 unbegleitete Jugendliche kommen in Jugendhilfeeinrichtungen unter, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). In der ersten Juli-Woche sollen die 120 Zeltplätze am Fallturm bezugsfertig sein. In der Woche darauf ziehen 70 Jugendliche in die Tennishalle des TuS Komet Arsten, so Stahmann weiter.

Habenhausen soll in sechs bis acht Wochen saniert sein. Ob das in der Zeit tatsächlich klappt, steht in den Sternen. Das alte Zollamt mit Platz für etwa 90 Jugendliche soll Ende des Jahres fertig sein.

Sigrid Grönert (CDU) forderte, den Betreuungsschlüssel (von 1:6) einzuhalten. Stahmann: „Unser Jugendhilfesystem ist am Rande der Leistungsfähigkeit und weit darüber hinaus. Es wird nicht reichen, die Steinsetzerstraße anzupacken.“ Und weiter: „Wir sagen nicht ‚Nein‘ zu Turnhallen und anderen festen Gebäuden.“ Auch weiteres Engagement von Stadtteilen wie Borgfeld, Oberneuland und Schwachhausen sei willkommen.

Klaus Möhle (SPD): „Der neue Senat muss sich umgehend an ein Bauprogramm ‘ransetzen.“ Susanne Wendland (Grüne): „Das mit den Zelten ist für uns auch ein Problem. Aber wir sind gerade in einer Notsituation.“

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