Rund 19.000 Besucher in 22 Häusern

„Langen Nacht der Museen“: Die Trümpfe der Anderen

Restauriert und windstark: Katherina Schmoll aus dem Übersee-Museum zeigt bei der „Langen Nacht der Museen“ einen alten japanischen Papierfächer. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Eine Polonaise ins Dunkle: Die blinde Edna Bäkefeld führt fünf Besucher in ein Spielzimmer im Universum. Die Gruppe lässt mehrere Vorhänge hinter sich. Es ist vollkommen dunkel. Die Polonaise kommt zum Stehen. „Wir sind am Tisch. Jeder bekommt einen Stuhl“, sagt Bäkefeld.

Sie nimmt die Gäste bei der Hand und zeigt, wo die Lehne ist. Jetzt heißt es: „Mit den Händen sehen.“ Bäkefeld verteilt Spielkarten. „Anders sehen“ war das Motto bei der „Langen Nacht der Museen“ in Bremen, die am Sonnabend rund 19 000 Besucher in 22 Museen lockte.

Tasten ist Trumpf beim Kartenspiel. Links oben sind Tastmarkierungen auf den Karten. Ein Kreis heißt „Dame“, ein Senkrechter Strich „Herz“, ein senkrechter Strich über einem Kreis bedeutet „Herzdame“. Gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert. Mehrfach teilt Bäkefeld neue Karten aus. Mit einem Klopfen zeigt sie, wo sich ihre Hand gerade befindet. Man merkt nichts von den mehr als 1 100 Gästen im Universum.

Vor dem dunklen Spielraum sind Hilfsmittel ausgestellt, die Blinden den Alltag erleichtern. Darunter ist ein Überlaufschutz für Gläser. Das kleine Gerät wird auf den Glasrand gesteckt und piept, wenn die Flüssigkeitsoberfläche es erreicht.

Unter dem Motto „Anders schmecken“ lädt das Hafenmuseum im Speicher XI zum „Wunderessen“. 20 Besucher sitzen am Tisch. „Wir wollen herausfinden, wie Sachen schmecken, wenn wir einen Sinn ausschalten.

Augenbinde anlegen, gleich wird serviert: Besucher beim „Wunderessen“ im Hafenmuseum bereiten sich auf den dritten Gang vor. - Foto: Kowalewski

Zum ersten Gang gibt es Ohrenstöpsel“, sagt Kuratorin Anne Schweisfurth. Auf die Teller kommen Tortilla-Chips und Paprika. Sie schmecken normal, aber die Kaubewegung ist extrem laut. Die Paprika ist noch lauter als die Chips. „Daran merkt man, dass sie frisch ist“, sagt Schweisfurth nach dem Ess-Experiment.

Gang zwei: Auf einem Silbertablett werden Nasenklammern gebracht. „Bedenken Sie, damit bekommen keine Luft mehr durch die Nase“, sagt Schweisfurth. Auf den Teller kommen ein Pfefferminzblatt und etwas Ingwer. Der Ingwer schmeckt frisch, aber die erwartete Süße breitet sich nicht aus. Die Minze dagegen lässt sich nicht aufhalten. Ihre Schärfe kommt abgeschwächt durch – trotz Nasenklammer.

Dritter Gang: Augenbinde anlegen, tasten und schnuppern: Es riecht süßlich. Ein längliches Gebäckstück zeichnet sich zwischen den Fingern ab. Der Biss: Die Gäste erkennen Zucker, Fett, aber auch Nuss und auch Honig, Pistazien und Blätterteig. Es handelt sich um die türkische Süßware „Bakvala“.

Lange Nacht der Bremer Museen

2 000 Gäste besuchen derweil in der Museumsnacht das Übersee-Museum. Vor 20  von ihnen zeigen Restauratorinnen Tamara Exner und Katherina Schmoll den Profi-Blick: Sie restaurieren Papierexponate für die Sonderausstellung „Cool Japan“. Auf dem Arbeitstisch liegen Exponate aus der Zeit von 1603 bis 1868. Darunter: Ein Fächer, darauf gemalt ist ein Vogel, sitzend auf einem Zweig. Daneben: ein Buch mit vielen bunten Seiten. Ein Bogen ist entnommen. Prächtig gezeichnet: ein junger Mann, den Blick gen Himmel gerichtet. Die Exponate sahen nicht immer so gut aus: Fotos zeigen beseitigte Schäden an einem Blatt mit Frisurvorschlägen: Risse an der Seite, Flecken, davon ist nichts mehr zu sehen.

An einem Stück Zeitung von 1909, gefunden in einem Paar alter Schuhe, zeigt Schmoll, wie Knicke entfernt werden. Schmoll breitet das zerknitterte Papier aus, legt es auf ein Stück Flies und packt es ins Wasserbad. Nach zehn Minuten ist es glatt und lesbar.

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