1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Trümmer auf der Straße: Orkan „Zeynep“ wütet in Bremen

Erstellt:

Von: Thomas Kuzaj

Kommentare

Der umgestürzte Kran hat in der Überseestadt Teile eines Bürohaus-Rohbaus zerstört.
Der umgestürzte Kran hat in der Überseestadt Teile eines Bürohaus-Rohbaus zerstört. © dpa/Hüneke

Bremen – Herabgefallene Dachziegel, umgestürzte Bäume, zerfetzte Markisen: Orkantief „Zeynep“ hat in ganz Bremen Spuren hinterlassen, vielerorts dauerten die Aufräumarbeiten am Sonntag noch an. Auch in der Überseestadt, wo der Orkan einen mehr als 50 Meter hohen Baukran umgerissen hatte. Der Kran stürzte in einen Rohbau am Europahafen.

Ganz genau betrachtet, knickte der Kran in zehn Metern Höhe praktisch ab. Metallteile fielen in den Zech-Neubau, Reste des Fahrerhauses blieben im vierten Stock hängen, große Trümmerstücke verteilten sich auf der Straße – es war pures Glück, dass niemand verletzt wurde. Feuerwehrsprecher Christian Patzelt beschrieb die Szenerie in der Überseestadt als „Feld der Verwüstung“. Den sprichwörtlichen Schutzengel hatte ein Lastwagenfahrer, der zum Zeitpunkt des Kran-Sturzes an dieser Stelle vorbeifuhr. Es blieb bei Schäden am Laster. Den Sachschaden an Kran und Rohbau siedelte Zech-Sprecher Holger Römer am Sonntagabend gegenüber unserer Zeitung im siebenstelligen Bereich an. Er dankte den Helfern, die bei Wind und Wetter „einen großartigen Job machen“.

In den Neustädter Häfen stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto. „Die Fahrerin konnte sich selbst aus dem Opel befreien und blieb unverletzt“, so Polizeisprecher Nils Matthiesen. Ein Baum stürzte auch zwischen den Anschlussstellen Vegesack-Mitte und Blumenthal auf die Autobahn 270. „Ein 19 Jahre alter Autofahrer musste stark abbremsen und streifte dabei das Hindernis“, hieß es.

Nordausgang des Bremer Hauptbahnhofs gesperrt

Der Nordausgang des Bremer Hauptbahnhofs war auch am Sonntag noch gesperrt.
Der Nordausgang des Bremer Hauptbahnhofs war auch am Sonntag noch gesperrt. © Kuzaj

Der Nordausgang des Hauptbahnhofs und der Willy-Brandt-Platz wurden abgesperrt, weil es zu Schäden am Dach gekommen war. Der Zugverkehr war am Sonntag noch stark beeinträchtigt. „Vermeiden Sie Reisen von und nach Bremen“, appellierte die Deutsche Bahn. Schwer erwischte „Zeynep“ den Bürgerpark, wo insgesamt gut 50 Bäume umgestürzt sind – darunter auch einige große, alte Eichen. Die umfangreichen Aufräumarbeiten im Park dauern an.

Die Böen hatten in Bremen und Bremerhaven Geschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometern pro Stunde erreicht. In Schwachhausen setzte ein Orkan-Stoß den Motor einer Dachterrassenmarkise in Gang. Die 30-Quadratmeter-Markise fuhr aus, Orkan „Zeynep“ riss sie aus der Verankerung, wie der Eigentümer auf Facebook berichtete.

Borgfeld: Trampolin fliegt in Fleet.
Borgfeld: Trampolin fliegt in Fleet. © Kuzaj

„Zahlreiche Bäume sind auf Häuser und Kraftfahrzeuge gekracht“, so Feuerwehrsprecher Patzelt. Bis Sonnabend um 6.30 Uhr bewältigten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk 275 sturmbedingte Einsätze. Bis 14 Uhr kamen dann weitere 215 Unwettereinsätze hinzu, so Feuerwehrsprecher Michael Richartz. Die Polizei bilanzierte laut Sprecher Matthiesen zunächst 114 Einsätze. Die Bremerhavener Feuerwehr registrierte in der „Zeynep“-Nacht und bis Sonnabend, 16 Uhr, 165 sturmbedingte Einsätze. „Ich danke allen Einsatzkräften sehr für die geleistete Arbeit“, schrieb Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) auf Twitter.

Evakuierungen vor der Bremer Hauptdeichschutzlinie

„Zeynep“ in Aktion: Wellen schlagen in Bremerhaven über die Kaimauern.
„Zeynep“ in Aktion: Wellen schlagen in Bremerhaven über die Kaimauern. © dpa/Bahlo

Vorsichtshalber waren in der Nacht zu Sonnabend die Pauliner Marsch, der Stadtwerder und der Rablinghauser Deich – vorwiegend Parzellengebiete und jene Bereiche, die vor der Hauptdeichschutzlinie liegen – evakuiert worden. Das geschah mit Blick auf Hochwasserprognosen und Überschwemmungsgefahr. Feuerwehr und Rotes Kreuz richteten eine Notunterkunft in der Schule am Leibnizplatz (Neustadt) ein. 15 Menschen nutzten diese Möglichkeit, so Matthiesen. „Glücklicherweise stieg der Pegel nicht auf die befürchtete Höhe. So wurden nur die Uferwege überflutet.“ Das übrigens unter anderem auch an der Schlachte in der Innenstadt.

Orkan in der Bremerhavener Kaiserschleuse.
Orkan in der Bremerhavener Kaiserschleuse. © dpa/Bahlo

Bis zu drei Meter Hochwasser, das war die Vorhersage gewesen. Die Wassermassen, die „Zeynep“ in die Weser drückte, sind am Ende dann unter einer Höhe von 2,60 Metern geblieben. Dass es somit weniger schlimm kam als befürchtet, das sahen auch Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne), die mit den Krisenstäben von Polizei und Feuerwehr zum Weserstadion gekommen waren.

Mehr „Land unter“ meldete unterdessen der Bremer Norden. Beim weit über Bremen hinaus bekannten Lokal „Grauer Esel“ am Vegesacker Hafen stand das Wasser bis zur Unterkante der Fensterbänke. Zudem war in Bremen-Nord das Dach eines Flachdachgebäudes großflächig abgedeckt worden.

Auch interessant

Kommentare