Tritt gegen den Kopf: 30-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Trübe Erinnerungen

Einem Mann werden im Gerichtssaal Handschellen abgenommen.
+
Drei Promille und kaum Erinnerungen: Der Angeklagte (gelber Pullover) räumte zwar den Angriff auf sein Opfer ein, warum er am Tattag so betrunken war, konnte er jedoch nicht sagen.

Gezielte Kopftritte im Promillerausch: Ein 30-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags in Bremen vor Gericht.

  • Zechgelage im Nelson-Mandela-Park.
  • Zeuge fehlt unentschuldigt.
  • Angeklagtem drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Bremen – Das Opfer saß am Boden, dennoch trat ihm ein 30-Jähriger mindestens einmal gezielt gegen den Kopf – mit lebensbedrohlichen Folgen. Seit Montag muss sich der mutmaßliche Treter wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Bremer Landgericht verantworten. Den Angriff gestand der Angeklagte zu Prozessauftakt. Eine zentrale Frage blieb unbeantwortet: Warum hatte der Angreifer knapp drei Promille Alkohol im Blut?

Eigentlich sollte der 23. Juli 2020 ein Tag wie jeder andere werden. Aufstehen, frisch machen, ab zur Arbeit – doch da erschien der Angeklagte an diesem Donnerstag nicht. Stattdessen besorgte er sich kurz nach 6 Uhr morgens zwei kleine Flaschen Wodka am Bremer Hauptbahnhof, trank davon etwa 100 Milliliter und verweilte in der Nähe des Anti-Kolonialdenkmals am Nelson-Mandela-Park. Zusammen mit einem Kollegen und Freund trank der Mann bis etwa 15 Uhr „ein paar“ weitere Bier, den Wodka will er nicht mehr angerührt haben. Nach einiger Zeit, so zumindest die verschwommene Erinnerung des Angeklagten, gesellten sich weitere Männer zu dem Duo, darunter auch das spätere Opfer.

Aussage zu Prozessauftakt

Womöglich kam es zum Streit zwischen dem Angeklagten und seinem Kontrahenten, auch das konnte der 30-Jährige nicht mehr so recht rekonstruieren. Ein Wort habe das andere gegeben, dann soll das Opfer dem Angeklagten einen Faustschlag versetzt haben. Was kurze Zeit später passierte – und auch durch ein Amateurvideo festgehalten wurde – beschrieb der Staatsanwalt in der Anklageverslesung als „lebensgefährdende Behandlung“: Während der Mann bereits benommen am Boden am sitzend ausharrte, trat der 30-Jährige ihm mindestens einmal gezielt gegen den Kopf. Von weiteren Schlägen und Tritten gegen den Kopf, wie in der Anklage beschrieben, ist auf dem Video zwar nichts zu erkennen, dennoch waren die Folgen für das Opfer gravierend: Neben einer beidseitigen Kieferfraktur erlitt der Mann einen Nasenbeinbruch sowie ein Schädelhirntrauma. Im Krankenhaus diagnostizierten Ärzte später zudem mehrere Hirnblutungen, die potenziell lebensbedrohlich gewesen sein sollen und ohne Behandlung zum Tod geführt hätten.

Verminderte Schuldfähigkeit

Diesen Umstand soll der Angeklagten zumindest billigend in Kauf genommen haben, ihm drohen bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags bis zu zehn Jahre Haft. Entgegen der Empfehlung seines Verteidigers äußerte sich der Mann zum Tathergang. Laut Untersuchung hatte der Angeklagte zum Tatzeitpunkt drei Promille Alkohol im Blut, die Staatsanwaltschaft geht deshalb auch von „erheblich verminderter Schuldfähigkeit“ aus. Wie es zu diesem hohen Wert kommen konnte, blieb jedoch völlig unklar. „Drei Promille, das bekommt man mit einem Glas Wodka und ein paar Bier nicht hin“, sagte der Vorsitzende Richter Björn Kemper. Licht ins Dunkel hätten womöglich für Montag geladene Zeugen bringen können. Doch zwei sagten kurzfristig ab, einer erschien erst gar nicht – und das unentschuldigt. Ihm drohen 150 Euro Ordnungsgeld oder drei Tage Haft.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

Meistgelesene Artikel

Angriff in der Neustadt: Jugendlicher will Bruder helfen und wird brutal zusammengeschlagen

Angriff in der Neustadt: Jugendlicher will Bruder helfen und wird brutal zusammengeschlagen

Angriff in der Neustadt: Jugendlicher will Bruder helfen und wird brutal zusammengeschlagen
Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück

Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück

Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück
Bremer Grüne wollen Führerschein für Haustierhalter

Bremer Grüne wollen Führerschein für Haustierhalter

Bremer Grüne wollen Führerschein für Haustierhalter
Fahrlehrerin erwischt ihn am Steuer: Fahrschüler fährt mit Auto zur Prüfung

Fahrlehrerin erwischt ihn am Steuer: Fahrschüler fährt mit Auto zur Prüfung

Fahrlehrerin erwischt ihn am Steuer: Fahrschüler fährt mit Auto zur Prüfung

Kommentare