Bremer Baustellen-Prozess: Ein Angeklagter in Haft

„Tritte und Schläge von überall“

Zum Prozessauftakt Anfang Februar kam Walid M. (Mitte) noch als freier Mann in den Gerichtssaal, eine gute Woche später, am Mittwoch, wurde er aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Rechts der zweite Angeklagte, Kemal M..
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Zum Prozessauftakt Anfang Februar kam Walid M. (Mitte) noch als freier Mann in den Gerichtssaal, eine gute Woche später, am Mittwoch, wurde er aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Rechts der zweite Angeklagte, Kemal M..

Überraschung im Baustellen- Prozess gegen Mitglieder eines Bremer Familienclans: Ein Angeklagter sitzt plötzlich in Untersuchungshaft.

  • Fortsetzung im Prozess um Schlägerei auf einer Baustelle.
  • Angeklagter wird aus U-Haft vorgeführt.
  • Bauarbeiter sagen als Zeugen aus.

Bremen – Zweiter Verhandlungstag, zweite Überraschung: Nachdem zum Auftakt im sogenannten Baustellen-Prozess zum Erstaunen vieler statt sechs nur zwei Angeklagte am Bremer Landgericht erschienen waren, folgte nun für Beobachter die nächste Verwunderung. Denn Walid M. (37), zusammen mit Kemal M. (38) wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt und vergangene Woche noch auf freiem Fuß, wurde am Mittwoch in Handschellen in den Sitzungssaal geführt. Grund: Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Zum Hintergrund konnte der Vorsitzende Richter Manfred Kelle nichts sagen, der Kammer seien die Vorwürfe „komplett unbekannt“. Dem Vernehmen nach sitzt der 37-Jährige wegen eines „großen Ermittlungsverfahrens“ in U-Haft, womöglich handelt es sich um Betrugsvorwürfe, die dem Mann zur Last gelegt werden. Somit, das machte Richter Keller deutlich, werde es im Prozess um eine Massenschlägerei auf einer Baustelle vom August 2013 auch vorerst schwierig, über eine eventuelle Einstellung des Verfahrens gegen Walid M. zu entscheiden – zumal die Sozialprognose des Angeklagten dabei eine entscheidende Rolle spielt. Diese Einigung stand seit Prozessauftakt im Raum (wir berichteten). Gegen umfassende Geständnisse der Angeklagten, die zu einem Bremer Familienclan gehören, könne sich die Kammer Bewährungsstrafen oder sogar die Einstellung des Verfahrens vorstellen, so der „Deal“.

Angeklagter über Ausmaß des Angriffs „überrascht“

Was für Walid M. zunächst wohl nicht mehr gilt, trifft dafür auf den anderen Angeklagten Kemal M. zu. Dieser hatte am Mittwoch über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Armin von Döllen, erklären lassen, dass er an der Schlägerei in der Neustadt, bei der mehrere Bauarbeiter verletzt wurden, beteiligt gewesen sei. Auch habe er zugeschlagen, jedoch nicht am Boden liegende Personen getreten. Die Sache tue ihm „ausgesprochen leid“, er selbst sei überrascht gewesen über das Ausmaß des Angriffs, bei dem einem Arbeiter von einem bis heute Unbekannten eine etwa 15 Zentimeter lange Schnittwunde am Rücken zugefügt worden war. Kemal M. sei mit weiteren Personen auf dem Weg zu einer in der Nähe gelegenen Moschee gewesen und habe eine Abkürzung durch den abgesperrten Baustellenbereich nehmen wollen, hieß es in der Erklärung. Daran hätten sich die Arbeiter gestört und die Männer angewiesen, außen herumzugehen.

Später erschienen nicht nur Kemal M. und mutmaßlich Walid M. an der Baustelle, sondern etwa 30 weitere Personen, die sich vermutlich vorher in der Moschee zum Gebet versammelt hatten, wie es hieß. Jedoch, das betonte Kemal M., sei es „keinesfalls“ zu einer Verabredung gekommen, die Arbeiter zusammenzuschlagen.

Was geschah im August auf der Bremer Baustelle?

Was genau am 8. August 2013 geschah, daran hatten auch zwei Arbeiter, die als Zeugen geladen waren, kaum noch Erinnerungen. Eine Identifizierung der Täter sei ihnen heute wie damals nicht möglich. „Zu lange her“, so die häufige Antwort auf viele Fragen des Gerichts. Den Männern sei von mehreren Personen ins Gesicht geschlagen und gegen den Kopf getreten worden. „Von vorne, von hinten, von der Seite – die Tritte und Schläge kamen von überall her“, sagte der 47-jährige Zeuge. Sein Sohn, damals Azubi und 16 Jahre alt, berichtete ähnliches.

Für Kemal M. könnte das Verfahren bereits am nächsten Verhandlungstag (Freitag, 12. Februar) beendet sein. Entweder spricht das Gericht ein Urteil oder trennt das Verfahren ab, hieß es. Viel mehr als eine einjährige Bewährungsstrafe erwartet ihn dann nicht, deutete der Richter an.

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