Richterin: „Wie bei einem Freistoß“ 

Tritte gegen den Kopf: Angeklagter muss mehrere Jahre hinter Gitter

Drei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe, so lautete am Mittwoch das Urteil gegen den 30-jährigen Angeklagten (rechts). Er wurde des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Er trat seinem Opfer mehrfach „wie bei einem Freistoß“ gegen den Kopf, jetzt hat das Landgericht Bremen einen 30-Jährigen wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Die Kammer verhängte gegen den Mann am Mittwoch eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten und sprach bei der Urteilsverkündung von „bedingtem Tötungsvorsatz“.

Sein Opfer hatte keine Chance gegen den stämmigen Mann, der am Mittwoch nach außen hin unbeeindruckt das Urteil gegen sich aufnimmt. Mehrfach, so schilderte es die Vorsitzende Richterin Barbara Lätzel in der Urteilsverkündung, hatte der 30-Jährige gegen den Kopf seines Kontrahenten getreten. „Wie bei einem Freistoß“ legte sich der Mann den Kopf seines Opfers zurecht und sprang auf diesem herum. Dabei habe der Angeklagte mit „bedingtem Tötungsvorsatz“ gehandelt, urteilte die Kammer.

Man könne froh sein, dass sich der Mann „nur“ einen doppelten Kieferbruch und eine Nasenbeinfraktur zugezogen habe. „Hätten Sie eine weichere Schädelplatte getroffen – wir wollen uns gar nicht ausmalen, was passiert wäre“, sagte Richterin Lätzel in Richtung des Angeklagten.

Keinen Anlass für den Angriff

Dabei, so rekonstruierte es das Gericht aus Zeugenaussagen, habe es für den Angriff keinen wirklichen Anlass gegeben. Am Morgen des 4. März dieses Jahres – der Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt auf dem Rückweg aus einer Disco in Sebaldsbrück, hatte einige Bier getrunken und Cannabis geraucht – wurde er von einem Mann angesprochen, der mit dem Angeklagten vor einigen Jahren Streit gehabt habe. Über diese aus seiner Sicht falsche Behauptung sei der 30-Jährige im Anschluss so wütend geworden, dass er seinem Opfer Schläge und Tritte verpasste. Wie im Rausch sei der Angeklagte dabei vorgegangen. „Ihnen war es egal, ob der Geschädigte sterben würde“, ordnete Lätzel das Vorgehen ein.

Dem 30-Jährigen sei es auch nicht darum gegangen, den Streit aus der Welt zu schaffen. „Ihre Wut abzureagieren, stand im Vordergrund“, sagte Richterin Lätzel und ergänzte: „Sie tragen eine Menge Aggression in sich.“ „Wären Passanten nicht dazwischengegangen, Sie hätten nicht aufgehört“, war sich die Kammer überdies sicher.

Bereits mehrfach in Erscheinung getreten 

Strafverschärfend kam beim Urteil hinzu, dass der Mann in der Vergangenheit mehrfach wegen Körperverletzungsdelikten in Erscheinung getreten war und trotz Reue und einer Entschuldigung an sein Opfer vor Gericht „eine persönliche Verantwortung“ nicht erkennen ließ, so Lätzel. Anzeichen, der Mann sei aufgrund des Alkohol- und Drogenkonsums nicht in der Lage gewesen, sein Handeln zu steuern beziehungsweise das Unrecht seiner Tat einzusehen, sah das Gericht nicht.

Vielmehr handele es sich beim 30-Jährigen um „einen Menschen, der einer gewissen Hilfe bedarf, sonst rutschen Sie weiter ab.“ Der Mann, so die Vorsitzende, befinde sich am „Scheideweg“. „Das Urteil ist ein letzter Weckruf.“

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