Motiv bleibt unklar

Prozessauftakt um Messerstecherei in „Waterfront“: Trio schweigt

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Agron S. (links) und Ditron S. halten sich zu Prozessauftakt Mappen vor ihre Gesichter. Die Männer sind wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Weiter im Bild: Rechtsanwalt Erich Joester (hintere Reihe, links) und sein Kollege Stephan Weinert. - Foto: Koller

Bremen - Im Mai sorgte eine Messerstecherei im Einkaufszentrum „Waterfront“ für einen Großeinsatz der Polizei, seit Montag müssen sich die mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Bremen verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt den Männern im Alter von 25, 26 und 27 Jahren gemeinschaftlich versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung zur Last. Die Anklagevertretung ist sich sicher: Das Trio wollte einen Mann töten.

Es ist Sonnabend, der 20. Mai dieses Jahres. Mehrere Männer stehen gegen 19.40 Uhr vor dem Eingang eines Bekleidungsgeschäftes im Shopping-Center „Waterfront“ in Gröpelingen. Kurz vor Ladenschluss kommt es zu einem lautstarken Streit, wenige Augenblicke später entwickelt sich der verbale Schlagabtausch zu einer handfesten Messerstecherei. 

Laut Staatsanwalt Jan Möhle waren es die Angeklagten Agron S. (27) und Driton S. (25), die im Verlauf der Auseinandersetzung auf einen 29-Jährigen einstachen. Agron S. soll dabei zunächst zum Stich in Richtung Bauchbereich seines Kontrahenten angesetzt, letztlich aber nur den Arm getroffen haben. Ditron S. hingegen stach laut Staatsanwalt Möhle dem Mann zweimal in den Bauch, verletzte dabei aber keine inneren Organe. Der 26-jährige Abdullah C. soll dem Mann einen Kopfstoß verpasst haben, er sitzt im Gegensatz zu den beiden anderen Angeklagten aktuell nicht in Untersuchungshaft.

Als das mutmaßliche Opfer in ein Geschäft flüchtete, sollen die Männer es verfolgt und weiter versucht haben, auf den 29-Jährigen einzustechen. Erst als dieser selbst einen Teleskopschlagstock und ein Messer aus seinem Hosenbund zog, hätten die Angreifer von ihm abgelassen, heißt es in der Anklage. Staatsanwalt Möhle führte zu Prozessbeginn weiter aus, dass die Angeklagten „aufgrund eines gemeinsamen Tatplanes“ gehandelt hätten. Die Männer hätten sich „vorher geeinigt“, den Mann zu töten, so Möhle. Da in der Zwischenzeit mehrere Zeugen den Sicherheitsdienst informierten und dieser den Alarm auslöste, flüchteten die Männer zunächst unerkannt. Wenige Tage später stellten sie sich der Polizei und wurden festgenommen.

Fortsetzung am 22. November

Staatsanwalt Möhle sprach am Montag davon, dass die Männer – die sich nach ersten Erkenntnissen wohl kannten – nur geflohen seien, weil sie davon ausgehen mussten, ihr Opfer vor Eintreffen der Polizei nicht mehr töten zu können. Die Angeklagten müssten sich nun dafür verantworten, versucht zu haben, „einen Menschen zu töten, ohne Mörder zu sein“. Die Männer selbst ließen durch ihre Anwälte erklären, man wolle „derzeit“ keine Angaben zur Sache machen. So bleibt auch das mögliche Motiv für die Attacke sechs Monate danach völlig unklar. Wegen der Messerstecherei musste das komplette Einkaufszentrum damals geschlossen, rund 1 000 Besucher mussten evakuiert werden. Ein Großaufgebot der Polizei riegelte das Areal ab, vernahm Zeugen und sicherte Spuren. Durch die sozialen Medien kursierten mehrere, teils wilde Gerüchte. Sie reichten vom Amoklauf bis zur Bombendrohung. Der Prozess wird am Mittwoch, 22. November, fortgesetzt.

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