Opfer unter Druck gesetzt

Trickanrufe in Bremen: 55 Betrugsfälle seit April

Bremen - Die Bremer Polizei warnt vor einer neuen Betrugswelle. Allein von April bis jetzt haben die Beamten 55 Fälle notiert, bei denen Betrüger ältere Menschen am Telefon übers Ohr hauen wollten. Wie hoch in diesem Zeitraum die Dunkelziffer von nicht angezeigten Betrugsfällen ist, lässt sich nicht sagen. Die Diebe gaben sich stets als Polizeibeamte aus und hatten es jeweils auf die Wertsachen der Senioren abgesehen.

Polizeisprecher Nils Matthiesen nannte heute ein typisches Beispiel der Vorgehensweise: So wurde am Montagabend ein 60 Jahre alter Bremer von einem angeblichen Polizisten angerufen. Der Betrüger schilderte dem Mann, dass seine Personalien auf der Liste einer rumänischen Einbrecherbande vermerkt seien und er das nächste Opfer sein werde. Matthiesen: „Der 60-Jährige sollte seine Wertgegenstände herausgeben und wurde am Telefon mehr als zwei Stunden unter Druck gesetzt. Am Ende wurde er misstrauisch und legte auf.“ Das Display hatte die Notrufnummer 110 angezeigt. Der Polizeisprecher: „Die Betrüger nutzen mit dem Call-ID-Spoofing eine Methode, mit der Anrufe über das Internet unter einer vorgetäuschten Nummer erfolgen können.“ Der 60-Jährige tat schließlich doch das Richtige und wählte selbst die Nummer der Polizei.

Bei drei 80, 81 und 85 Jahre alten Frauen biss der Anrufer sozusagen auf Granit, als sie nach Safe und Bargeld gefragt wurden: Sie legten auf. Laut Polizei hat sich die Masche der Täter inzwischen herumgesprochen. „Nur“ in zwei Fällen hatten die Diebe Erfolg.

Die häufigste Masche der Betrüger: Sie rufen ihre Opfer oft in den Abend- oder sogar Nachtstunden an, so Matthiesen. Die Männer behaupten, dass Straftäter festgenommen wurden, bei denen man Unterlagen des Angerufenen aufgefunden hat. Diese deuteten auf eine bevorstehende Straftat hin. Die Betrüger fragen ihre Opfer laut Polizei nach Wertsachen, Schmuck und Bargeld, Sparguthaben, persönlichen Lebensumständen und Wohnort aus. Matthiesen: "Die Legendenbildung ist in diesem Zusammenhang ausgesprochen variabel, phantasievoll und für Außenstehende plausibel. Allen Varianten ist gemeinsam, dass der falsche Polizeibeamte ankündigt, dass die Gelder und Wertsachen von einem ,Kollegen' abgeholt und vermeintlich gesichert werden."

Und hier einige Tipps des Experten zum Verhalten: "Legen Sie bei Anrufen ein gesundes Misstrauen an den Tag! Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, egal wer Anrufer ist, vertrauen Sie nicht einer auf dem Display Ihres Telefons angezeigten Rufnummer. Es gibt Möglichkeiten, diese zu manipulieren. Beenden Sie das Gespräch." Weitere Tipps, wie man sich bei Trickanrufen verhält, gibt die Bremer Polizei unter Telefon 0421/362-19003. gn

Rubriklistenbild: © dpa

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