Treffpunkt und Rückzugsraum

Treffpunkt für Jugendliche: „Andocken“ in der Bremer City

Heiße Getränke, Suppe, Computer und offene Ohren – derart ausgestattet, fahren die pädagogischen Mitarbeiterinnen Juliane Battenberg (l.) und Katharina Kliesch mit dem Bus von „Mobil andocken“ derzeit drei Stationen in Bremen und Bremen-Nord an. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Bunte Kissen und Decken liegen auf den Couches aus Paletten, auf dem Tisch ein Weihnachtsgesteck. Bücher und Spiele stehen im Regal, Grünpflanzen darauf. Gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre eben. Aber keine aus einer Wohnung, sondern eine, die Besucher des „Dock 11“ empfängt: junge Menschen von 18 bis 25 Jahren, die keine staatlichen Leistungen beziehen, obwohl sie darauf Anspruch hätten.

„Andocken“ heißt die neue Maßnahme, die sich seit August an „schwer erreichbare junge Menschen“ richtet. Oftmals ohne festen Wohnsitz und Ansprechpartner, benötigen sie Hilfe in den unterschiedlichsten Bereichen – von der Verschuldung bis zum fehlenden Schulabschluss, Ausbildungsplatz oder Job. Das Ziel: sie wieder an bestehende Unterstützungs- und Förderangebote anzubinden. Oder eben mit anderen Worten: anzudocken.

Finanziert wird das Angebot mitten in der Bremer City bis Juli 2020 vom Bremer Jobcenter, die Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wabeq) führt es in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Schule und Beruf (ZSB) und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Bremen durch.

Bunte Decken, ein Regal mit Büchern und Spielen sowie Couches aus Paletten machen den vorderen Teil des „Dock 11“ zu einem gemütlichen „Wohnzimmer“. - Foto: Reineking

Zur Maßnahme gehören neben dem Treffpunkt „Dock 11“ (hinter C&A und dem Lloydhof) ein speziell ausgestatteter Bus („Mobil andocken“). Derzeit fährt er dreimal pro Woche informelle Treffpunkte an: den Vegesacker Bahnhof, das Roland-Center in Huchting und das Straßenbahn-Depot in Gröpelingen. Mit an Bord: Getränke, heiße Suppen, Computer samt Drucker und freiem W-lan sowie offene Ohren der „Andocken“-Mitarbeiter.

Zurück zum „Dock 11“, zugleich Treffpunkt, Rückzugsraum und Beratungsstelle: Hier können die Besucher im „Wohnzimmer“ chillen, im Essbereich samt Tischen und Küchenzeile für kleines Geld Kaffee trinken und Snacks essen. Sich im Untergeschoss duschen, Wäsche waschen, Billard und Tischkicker spielen. Im obersten Stock finden sich Büros und Beratungsräume.

Acht bis zehn Teilnehmer, so Karin Hauffe von der Wabeq, kämen täglich in das „Dock 11“, das sich auf drei Etagen und 400 Quadratmetern in der Straße Wegesende 11 erstreckt. In den vergangenen Wochen hat sie das Projekt mit aufgebaut.

Jobcenter-Geschäftsführerin Susanne Ahlers am Freitagmittag im „Dock 11“. - Foto: Reineking

Wie viele junge Menschen insgesamt in Bremen zur Zielgruppe gehören, darauf wollten sich bei der offiziellen Eröffnung der Maßnahme am Freitagmittag weder das Jobcenter noch die Projektpartner festlegen. „Es ist eine Dunkelziffer, denn es handelt sich ja um junge Menschen, die das Jobcenter mit seinen Maßnahmen gar nicht erreicht“, so Hauffe.

Mit „Andocken“ wolle man sich den jungen Menschen nicht aufdrängen, so Hauffe, „es ist ein offenes und freiwilliges Angebot. Daher erfassen wir auch keine Namen der Besucher“. Habe man anfangs vor allem bei Netzwerkpartnern das Projekt vorgestellt und Flyer verteilt, kämen nun immer mehr in das „Dock 11“. „Es spricht sich rum, aber es braucht auch seine Zeit“, sagt Vivien Lehr, vom ZSB. „Der Anfang für eine Vertrauensbasis ist geschaffen.“

Und Jobcenter-Bremen-Geschäftsführerin Susanne Ahlers sagt: „Wenn die Maßnahme erfolgreich ist, gehe ich davon aus, dass wir das Projekt auch über 2020 hinaus fördern.“

www.andocken-bremen.de

www.wabeq.de

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