Nachruf

Trauer um Kastendiek: „Er wird uns fehlen“

Jörg Kastendiek, CDU-Chef und langjähriger Abgeordneter, ist mit 54 Jahren an Krebs gestorben.

Im Alter von erst 54 Jahren ist der Bremer CDU-Landesvorsitzende Jörg Kastendiek am Montag gestorben. Kastendiek hinterlässt seine Frau Tanja und Sohn Lukas. „Er hat bis zum letzten Tag gekämpft“, sagte der stellvertretende Bremer CDU-Chef Jens Eckhoff am Dienstag. „Trotz seiner schweren Krankheit hat er die Partei vorbildlich und diszipliniert geführt.“

Bremen – Der Krebs war stärker. Kastendiek und Eckhoff, sie hatten sich einst – in den 80ern – gemeinsam ins Abenteuer Landespolitik gestürzt. Mit Gleichgesinnten wie Thomas Röwekamp machten sie sich als „Junge Gruppe“ daran, frische Ideen in die Politik zu bringen. Und in ihre Partei. Kastendiek, von Haus aus Bauingenieur und Baumanager, war 1980 in die Junge Union eingetreten, später dann in die CDU. Die Köpfe der „Jungen Gruppe“ sollten im Lauf der Jahre Ämter und Spitzenpositionen in der Partei erobern.

Kein Show-Politiker

Jörg Kastendiek war auf diesem Weg nie ein auf Außenwirkung bedachter Show-Politiker; er war kein Politikertyp, der auf Emotionen setzt. Er stand für das Sachliche. Und es war in der Bremer CDU mit ihren jahrelangen Personalquerelen nicht immer einfach, sachlich zu bleiben. Den Parteivorsitz übernahm er 2012, als die Auseinandersetzungen zwischen dem Röwekamp-Lager und dem Rita-Mohr-Lüllmann-Lager die Partei an den Rand des Abgrunds gebracht hatten. Es ist maßgeblich sein Verdienst, dass davon heute nicht mehr gesprochen wird, sondern stattdessen vom aussichtsreichen CDU-Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder die Rede ist.

Große Trauer unter bremischen Politikern

Kastendiek, Werder-Fan und oft im Stadion, war 1991 als junger Abgeordneter in die Bürgerschaft eingezogen. Er gehörte ihr seither fast durchgehend an, war dienstältester Parlamentarier der CDU-Fraktion. Ausnahme waren die Jahre 2005 bis 2007, als Kastendiek das Amt des Senators für Wirtschaft, Häfen und Kultur übernommen hatte – auch dies übrigens in einer schwierigen Situation. Kastendiek löste Peter Gloystein (CDU) ab, der zurückgetreten war, nachdem er auf dem Marktplatz einen Obdachlosen mit Sekt übergossen hatte. Kastendiek konzentrierte sich auch in diesem Amt auf die Sachthemen und trieb unter anderem den Hafenausbau in Bremerhaven voran.

Kastendieks Tod hat unter bremischen Politikern große Trauer ausgelöst. „Jörg Kastendiek wird uns fehlen. An jedem Tag, an jeder Stelle“, sagte Jens Eckhoff. „Sein viel zu früher Tod hinterlässt uns alle fassungslos.“ CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp: „Ich persönlich verliere mit Jörg Kastendiek nicht nur einen jahrzehntelangen politischen Weggefährten, mit dem ich gelacht, gestritten, gekämpft, gehofft, gewonnen und verloren habe. Er gehörte zu den wenigen politischen Begleitern, mit denen mich auch ein intensives Band der langjährigen persönlichen Freundschaft verbunden hat. Ich kann seinen Tod kaum fassen.“

„Wir haben einen engagierten Menschen verloren“

„Jörg Kastendiek hat sich an vielen Positionen um unser Land verdient gemacht“, sagte Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer. „Es hat mich sehr beeindruckt, wie er in den vergangenen Wochen und Monaten – schon schwer gezeichnet – hier weitergearbeitet und sich für Bremen und im Parlament engagiert hat. Er hat sich in den Wahlkampf gestürzt und auf den 26. Mai hingearbeitet – obwohl er gleichzeitig einen sehr viel schwereren Kampf führen musste. Das hat meine absolute Hochachtung“, so die Sozialdemokratin weiter.

„Wir haben einen engagierten Menschen verloren“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe: „Ich habe Jörg Kastendiek geschätzt. Als verlässlichen Kollegen, als jemanden, mit dem es Spaß machte, im Parlament kontrovers zu diskutieren, als jemanden, dem unser Bundesland etwas bedeutete, als jemanden, der für seine Überzeugungen eintrat.“

Kondolenzbücher liegen aus

Kastendiek habe sich „kenntnisreich für seine politische Überzeugung eingesetzt“, so Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne). Er war „ein streitbarer Parlamentarier durch und durch“, sagte Grünen-Fraktionschefin Maike Schaefer. „Die Bremische Bürgerschaft verliert einen ihrer klügsten Köpfe“, erklärte die FDP-Fraktionsvorsitzende Lencke Steiner. „Wir sind bestürzt und trauern.“ Kristina Vogt, Fraktionschefin der Linken: „Bei allen Fraktionen wurde er über alle Differenzen und politische Lager hinweg für seinen klaren und fairen Diskussionsstil und sein Ringen um die beste Lösung geschätzt.“

Kondolenzbücher für Jörg Kastendiek liegen im CDU-Haus (Am Wall 135) und im Haus der Bürgerschaft aus.

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