Kreuzfahrtschiff „Astor“ für drei Winter verchartert

Transocean schließt Standort Bremen

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Der Standort Bremen von Transocean Kreuzfahrten am Stavendamm wird Ende April geschlossen. Das Unternehmen wird bei der Muttergesellschaft in München angesiedelt. ·

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Aus für den Kreuzfahrtspezialisten Transocean Kreuzfahrten in Bremen: Der Standort am Stavendamm wird Ende April geschlossen. Das Unternehmen wird seinen Sitz künftig bei der Muttergesellschaft Premicon in München haben.

Der Finanzdienstleister erhofft sich durch diesen Schritt Synergieeffekte. Die 46 Mitarbeiter erhalten ihre Kündigung. Unterdessen wurde das Flaggschiff von Transocean, die „Astor“, für mindestens drei Winter nach Australien verchartert.

Die 2010 für 16 Millionen Euro renovierte „Astor“ bleibt das Flaggschiff von Transocean Kreuzfahrten, wird aber für drei Winter nach Australien verchartert. ·

Die Stimmung bei Transocean am Stavendamm war gestern gedrückt, niemand wollte sich offiziell äußern. Die Mitarbeiter hatten am Mittwoch von der Schließung des Standortes Bremen erfahren. Nach Angaben von Premicon-Sprecherin Antje Schwuchow laufen Gespräche über mögliche Wechsel nach München und Hannover. Fest steht, dass Transocean-Geschäftsführer Michael Jost mit dem Standortwechsel ausscheidet. Alexander Nothegger, Vorstand Premicon, bleibt weiter Transocean-Chef. Stellvertreter wird Jens Huhse, der in München die Kreuzfahrtprojekte leitet. Premicon hatte den Bremer Kreuzfahrtspezialisten, der in den 50er Jahren gergründet wurde, 2009 nach der Insolvenz übernommen. Damals musste etwa die Hälfte der rund 100 Mitarbeiter gehen. Das Flaggschiff blieb der Kreuzliner „Astor“, der im Sommer 2010 nach einer Renovierung für rund 16 Millionen Euro auf der Lloyd Werft in Bremerhaven wieder auf Tour ging. Das Kreuzfahrtunternehmen, damals mit dem Namen Transocean Tours, war nach der Absage der Weltreise 2008 wegen eines Schadens an der Antriebsmaschine finanziell ins Schlingern geraten.

Sprecherin Antje Schwuchow betonte gestern auf Nachfrage, dass es sich lediglich um einen Wechsel des Unternehmenssitzes handele, die Marke Transocean jedoch bestehen bleibe. Premicon-Vorstand Nothegger habe nach der Übernahme Ende 2009 vergeblich versucht, Kooperationen mit deutschen Reiseveranstaltern einzugehen. Im schwierigen Kreuzfahrtgeschäft sei der Sommer bei den deutschen Gästen beliebt, der Winter jedoch schwer zu vermarkten. Mit nur einem Hochseeschiff, eben der „Astor“, habe man wenig Chancen, auf Dauer am Markt zu bestehen, sagte Schwuchow. So habe Premicon reagieren müssen. Ein Punkt sei die Verlagerung des Transocean-Sitzes von Bremen nach München, um Synergien zu schaffen. Zum anderen würden operative Aufgaben an Spezialisten vergeben. Reiseveranstalter Aovo Touristik in Hannover übernimmt unter anderem das Call-Center und stellt ein neues Buchungssystem bereit. Damit erhofft sich Premicon, das sich künftig mehr auf den touristischen Dienstleistungsbereich denn auf Schiffsfonds konzentriert, mehr Flexibilität, Service und Kosteneinsparung, wie es heißt.

Um den verlustreichen Winter zu umgehen, wurde das Vier-Sterne-Schiff „Astor“ vor wenigen Tagen für drei Winter an Cruise & Maritime Voyages (CMV) verchartert. Auch der Flusssektor soll künftig mit dem Londoner Unternehmen im europäischen Ausland vermarktet werden. „Sämtliche Umstrukturierungen und Kooperationen haben letztendlich das Ziel, Transocean für die Zukunft fit und wettbewerbsfähig zu machen“, betonte Alexander Nothegger. Die „Astor“ soll im nächsten Winter in Australien über die Meere schippern und direkt vor Ort vermarktet werden. Bordsprache wird dann Englisch sein. Ob das bisherige Team an Bord bleibt, ist offen. Es laufen Gespräche, sagte Schwuchow gestern. Deutsche Gäste könnten die „Astor“ natürlich ebenfalls für den Winter buchen. CMV kümmert sich auch um „Marco Polo“ und „Discovery“.

Für den Kreuzliner (176,50 Meter lang, 23,60 Meter breit), der Platz für 578 Passagiere und 278 Besatzungsmitglieder hat, beginnt am 9. April die Sommersaison. Dann geht es ab Bremerhaven auf Nordseereise gen Norwegen.

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