Tragödie in Tenever

Staatsanwalt fordert achtjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags für 27-Jährigen

Bremen - Von Steffen Koller. Schlussvorträge im Verfahren wegen des Todes einer 27-Jährigen: Die Staatsanwaltschaft hat am Montag vor dem Bremer Landgericht acht Jahre Freiheitsstrafe für den Angeklagten beantragt. Nach Auffassung von Anklagevertreter Björn Krebs hat der 27-jährige Mann seine Ehefrau am Neujahrsmorgen mit vier Messerstichen tödlich verletzt und sich so des Totschlags schuldig gemacht.

Von einer verminderten Schuldfähigkeit aufgrund massiven Alkohol- und Drogenkonsums könne keine Rede sein. Auch ein psychiatrischer Gutachter sah dies so. Der Angeklagte zeigte zwar Reue, räumte die Tat ein und alarmierte die Rettungskräfte – doch das waren aus Sicht von Staatsanwalt Björn Krebs auch alle entlastenden Punkte, die der Anklagevertreter am Montag in seinem Plädoyer aufzählte. Der Angeklagte habe mit bedingtem Tötungsvorsatz seine Ehefrau erstochen und auf die am Boden liegende Frau eingetreten, sagte Krebs. Weder liege ein minderschwerer Fall vor noch könne sich der Mann auf eine Notwehrsituation berufen. Der 27-Jährige hatte, das gab er während des Prozesses zu, nach einem Streit vorm Wohnhaus in Tenever auf seine Frau, die Mutter der gemeinsamen Kinder, eingestochen. Die Frau erlag am Tatort ihren Verletzungen.

Erschwerend komme hinzu, dass der Deutsche mit ghanaischen Wurzeln die Tat während einer laufenden Bewährung begangen hatte. 2016 wurde der Angeklagte bereits wegen Besitzes von Betäubungsmitteln (310 Gramm Cannabis) zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Außerdem ließen die Verletzungen der Frau darauf schließen, dass der Mann mit „erheblicher Wucht“ auf sein Opfer eingestochen habe. Einige Wunden waren bis zu 13  Zentimeter tief, verletzten Herz, Leber und Dickdarm der Frau. Zwar stand der Mann zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol, doch ein psychiatrischer Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte „voll schuldfähig“ gewesen sei. Während seiner Untersuchung habe er keine sogenannten Eingangsmerkmale für eine seelische Störung oder eine hirnorganische Fehlfunktion des 27-Jährigen feststellen können.

Laut Gutachter war es am Morgen des 1. Januar kurz vor 4 Uhr zunächst zu einem verbalen Streit gekommen, infolge dessen der Angeklagte seiner Frau das Messer entriss und ihr viermal in den Oberkörper stach. Zuvor hatten beide Cannabis, Kokain, Ecstasy und Alkohol genommen. So sei es zu „einer emotionalen Labilisierung des Angeklagten“ gekommen. „Er wollte einfach nur weg, sich der Situation entziehen, doch seine Frau stellte sich in den Weg.“ Dann kam es zur tödlichen Attacke.

Die Anwälte der Eltern der Getöteten, die als Nebenkläger vertreten sind, schlossen sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an. Am Dienstag, 29. Mai, folgt das Plädoyer der Verteidigung. Ein Urteil soll am Montag, 4. Juni, gesprochen werden.

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