Buch beleuchtet die Geschichte der „Seuten Deern“

Die Tragik des Flaggschiffs

In Schieflage: Ein verheerender Brand hat der „Seuten Deern“ im Frühjahr arg zugesetzt. Für die Sanierung stehen Planungsmittel in Höhe 1,4 Millionen Euro zur Verfügung, die sich Bund, Land und Stadt Bremerhaven teilen. Foto: ESSER

Bremerhaven - Von Ulf Kaack. Sie ist eines der Wahrzeichen der Seestadt, das Flaggschiff in der Flotte des Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) und ganz sicher auch eine besonders tragische Gestalt in der maritimen Geschichte: die Bark „Seute Deern“. Ein neues Buch beleuchtet die Historie des 100 Jahre alten Seglers bis hin zu den aktuellen Ereignissen.

Wohl kaum ein Mensch kennt die „Seute Deern“ besser als Dr. Dirk Peters. Der Industriearchäologe und Schifffahrtshistoriker arbeitete seit 1980 beim DSM, leitete dort bis zu seiner Pensionierung 2014 die Abteilung Schifffahrt im Industriezeitalter. „Die Seute Deern – Segler in Seenot“ lautet der Titel seines 96-seitigen Werks, das kürzlich im Oceanum Verlag erschienen ist.

Der Autor geht chronologisch vor, beginnend mit dem Bau 1919 als Viermast-Gaffelschoner „Elisabeth Bandi“ auf einer Werft in Gulport in Mississippi/USA am Golf von Mexiko. Von Beginn der Fahrtzeit an machte der Holzrumpf des Frachtseglers seinen Eignern extreme Probleme durch Verzug, Leckagen und Befall durch Schiffsbohrwürmer. Mehrfach wechselte das Schiff den Besitzer, kam schließlich nach Europa und 1938 in die Flotte der Hamburger Essberger-Reederei.

Nach dem Umbau zur Bark erhielt es den Namen „Seute Deern“ und sollte als frachtfahrendes Ausbildungsschiff verwendet werden. Das gelang wegen der Kriegsereignisse nur stark eingeschränkt in kleiner Fahrt auf der Ostsee. Nach der Kapitulation dann nur noch Stillstand: als schwimmende Jugendherberge, Restaurant und Hotel. 1965 schlug der Rumpf abermals leck und die Bark sank im Hafen von Emden. Sie wurde gehoben, restauriert und nach Bremerhaven geschleppt. Die Stadt Bremerhaven übergab die „Seute Deern“ 1972 dem DSM als Gründungsgeschenk.

Detailreich rekonstruiert Peters den in weiten Teilen steinigen Lebensweg des Großseglers, vermittelt dem Leser dabei seinen Wissensschatz anschaulich und spannend. Viele historische und zeitgenössische Fotos sowie Reprints von Dokumenten machen sein Buch zu einer ausgewogenen runden Sache. Durchaus kritische Aspekte tun sich dem Leser in den letzten Kapiteln auf, in denen es um den augenblicklichen Zustand der „Seuten Deern“ geht. Augenzeuge Helmut Seger schildert in einem Gastbeitrag den verheerenden Brand an Bord der Bark im Frühjahr 2019, der einen Millionenschaden verursachte. Schließlich kommt der Autor im Interview selbst zu Wort, berichtet von permanentem Wassereinbruch und ständig laufenden Lenzpumpen, einer Instabilität des Rumpfes und einer in allen Bereichen maroden Bausubstanz aufgrund eines Staus von Pflege- und Wartungsarbeiten. Eine komplette Sanierung ist aus seiner Sicht die einzige Rettungsmöglichkeit. Vorsichtig stellt er einen Kostenaufwand von mindestens 34 Millionen Euro in den Raum. Gleichzeitig zeichnet er ein realistisches Szenario zur Rettung des Dreimasters, benennt dabei die geforderten verantwortlichen Institutionen.

Das Buch „Die Seute Deern – Segler in Seenot“ von Dirk Peters ist als Softcover im Oceanum Verlag (Wiefelstede) erschienen. Dort kann es für 9,90 Euro plus Versandkosten bestellt werden.

Infos unter:

www.oceanum.de

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