Trickreiter lässt in der Stadthalle die Ungarische Post abgehen

Träumerisch und fulminant

Die Ungarische Post mit Laury Tisseur: Sie stammt direkt aus der showeigenen Talentschmiede, der „Apassionata“-Akademie im südfranzösischen Nîmes. Hier unterrichtet unter anderem der Altmeister des Trickreitens, Erik Hasta Luego, junge Talente. ·
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Die Ungarische Post mit Laury Tisseur: Sie stammt direkt aus der showeigenen Talentschmiede, der „Apassionata“-Akademie im südfranzösischen Nîmes. Hier unterrichtet unter anderem der Altmeister des Trickreitens, Erik Hasta Luego, junge Talente.

Bremen - Von Ulf Kaack. Gleich zweimal war gestern die träumerische und gleichsam fulminante Pferde-Show „Apassionata“ in der gut besuchten Stadthalle zu sehen. Eine Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch.

Seit über einem Jahrzehnt folgt die Machart von „Apassionata“ ein und demselben Strickmuster: eine phantasiereiche, ansonsten aber recht dünne Geschichte, die sich der gegebenen Dramaturgie unterordnet. Denn es geht vor allem um eines: gewaltige Bilder. Pferde von traumhafter Ästhetik und die Akrobatik der Reiter werden nach dem Vorbild von Las-Vegas-Shows mit einem Hauch von Zirkus- und Musicalatmosphäre in Szene gesetzt.

„Zeit für Träume“ lautet der Titel der elften Show des multinationalen Ensembles. Kern ist das fast schon esoterisch anmutende Märchen über die Freundschaft der beiden Protagonisten Tanya und Michael. Als sie das mysteriöse Buch der Träume finden und aufschlagen, begeben sie sich auf eine Reise um die Welt, in der die Grenzen von Raum und Zeit verschwinden, so die Intuition des Drehbuchautors.

Station machen die beiden unter anderem im Reich Neptuns, am Strand, im Candyland der Süßigkeiten und in den USA der 50er Jahre. Doch dienen diese Orte vor allem als opulente Kulissen für die eigentlichen Stars des Abends: Alter Real, Bretonen, Friesen, Lusitanos, Menorquiner, Pura Raza Española sowie Shetlandponys, Esel und Maultiere für die clownesken Darbietungen.

Atemberaubend die hohe Kunst der Dressur, die Christophe Hasta Luego mit seinem weißen Lusitano dem staunenden Publikum darbot. Seinem Spitznamen „Känguru“ wurde das Tier durch seine Spritzigkeit und Leichtfüßigkeit nur allzu gerecht. Nicht weniger eindrucksvoll die Freiheitsdressur von seinen fünf erdfarbenen Lusitanos, mit denen Hasta Luego ganz ohne Zügel, Longe oder Peitsche perfekt zusammenarbeitete. Mensch und Tier verschmolzen durch tänzerisches Zusammenspiel zu einer magischen Einheit, verbunden durch den zutiefst respektvollen Umgang miteinander. Berührende Momente voller Harmonie und Schönheit. Rasant wurde das Szenario immer dann, wenn die Trickreiter die Manege für sich in Besitz nahmen. Atemberaubende Akrobatik auf, neben und unter den Pferden in vollem Galopp. Ganz nebenbei wurde aufgezeigt, dass auch Surfen und Skilaufen hinter den Tieren im Manegensand kein Ding der Unmöglichkeit ist.

Glanzpunkt des Abends war – gemessen an der Intensität des Beifalls – die meisterlich dargebotene Ungarische Post. Auf dem Rücken zweier Cremellos balancierend, lenkte Trickreiter Laury Tisseur virtuos bis zu sechs weitere Tiere an verlängerten Zügeln und absolvierte in dieser Formation mehrere Hindernissprünge.

Bei allem bedienten sich die Macher einer bunten Illumination mit Licht- und Lasereffekten, ganz wie bei einem Popkonzert. Dazu plakative Bühnenbilder aus dem Reich der Fantasymalerei. Die aus der Konserve vorgetragene Musik war eine Melange aus Klassik mit wagnerschen Akzenten und Mainstream-Pop. Ein massenkompatibles Konzept, das auch nach über einem Jahrzehnt noch ungebremsten Erfolg hat.

Ohne Zweifel agiert die Pferdeshow auf allerhöchstem Niveau. Dagegen bewegte sich das dramaturgische Umfeld in seiner Klischeehaftigkeit nur zu oft im Bereich eines verkitschten Entertainments. Ein bisschen weniger Unterwürfigkeit gegenüber Zeitgeist und Kommerz hätte der Qualität des Spektakels ganz sicher in noch höhere Sphären verholfen.

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