Träume von Europa

Hafenbar „Golden City“ kooperiert mit griechischen Künstlern

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Die Schauspielerin und Regisseurin Nomena Struß (l.) und „Golden-City“-Initiatorin Frauke Wilhelm sprechen via Skype mit den Partnern im griechischen Elefsina (siehe: Bildschirm). Keine Sorge – in der Hafenbar werden die Übertragungen aus Griechenland auf einem zwei Meter breiten Bildschirm gut zu sehen sein.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die temporäre Hafenbar „Golden City“ am Kopf des Europahafens geht in ihre fünfte Saison. In diesem Jahr überschreitet das Kulturprojekt von Frauke Wilhelm Bremens Grenzen – und kooperiert mit Künstlern in Griechenland.

Das maritime Eröffnungsspektakel beginnt am Sonnabend, 10. Juni, um 19 Uhr. Die Saison dauert dann bis zum 2. September. Die ersten fünf Wochen stehen unter dem Motto „Mystirio Kanali“. Das nämlich ist der Titel der deutsch-griechischen Kooperation. „Die ursprüngliche ,Golden-City‘-Idee war es ja, die alte Hafengeschichte Walles in die Überseestadt zurückzubringen“, sagt Frauke Wilhelm. 

Im vergangenen Jahr bildete ein Musiktheaterprojekt mit Flüchtlingen den Schwerpunkt – eine Reaktion auf das Leben der Menschen in den vielen Flüchtlingsunterkünften rund um den Europahafen. Dieses Jahr nun heißt der Schwerpunkt: Europa.

Höchst politisch, höchst aktuell. Und, so Wilhelm weiter, inspiriert von der „documenta 14“ mit ihrem Motto „Von Athen lernen“. „Daraus entstand die Idee, auf ,Golden-City‘-Art von Athen zu lernen.“ Mit einem griechisch-deutschen Austausch per Internet-Liveschaltung via Skype.

Geschaltet wird dann nach Elefsina (Eleusis). Die Hafenstadt mit 40.000 Einwohnern liegt gut 20 Kilometer nordwestlich von Athen. Auch hier gibt es eine von Künstlern betriebene temporäre Kneipe mit Bühne – das „O Fonias“. Auf Augenhöhe installierte Kameras übertragen das jeweilige Geschehen von Walle nach Elefsina und von Elefsina nach Walle: Interviews und Gesprächsrunden, Konzerte, Theaterstücke und Shows.

Parallelen zwischen Bremen und Elefsina

Frauke Wilhelm sieht etliche Parallelen zwischen Bremen (und speziell: Walle, Überseestadt) und Elefsina. Beide Orte wurden durch die Industrie geprägt, kämpfen mit dem Strukturwandel, erleben Migration und haben mit Identifikations- wie Identitätsverlusten zu tun. Elefsina brachte all diese Themen in seine Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt Europas ein, Motto: „Wir sind ein Europa im Kleinen.“ Elefsina gewann – und ist nun Kulturhauptstadt des Jahres 2021.

Die griechischen und die deutschen Partner haben sich bereits gegenseitig besucht, kennen sich also nicht nur über Skype. Gemeinsam wird man auch eine „Mystirio-Kanali“-Finalshow auf die Beine stellen. In Bremen am Mittwoch, 12. Juli, um 20 Uhr. Und in Elefsina am Sonnabend, 15. Juli, 20 Uhr.

Nun stehen Deutsche in Griechenland nicht durchweg in höchstem Ansehen – gerade wegen Europa, wegen der Finanz- und Europapolitik. „Die Austeritätspolitik ist gescheitert“, sagt auch Wilhelm mit Blick auf ihre Erlebnisse in Griechenland. „Dort ist alles verschleudert worden. Und nun funktionieren beispielsweise Krankenhäuser nicht mehr.“ Und: „Wie die Leute in Griechenland uns als Deutsche sehen, kann man nur erfahren, wenn man mit den Leuten zusammen ist.“ Man setze sich dabei auch „den Alltagsproblemen der anderen“ aus.

Bei der künstlerischen Arbeit werde das Gemeinsame gesucht: „Die Träume, die man gemeinsam haben kann.“ Das können durchaus Träume von Europa sein.

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