EU-Studie soll Politikinteresse junger Menschen erforschen / Befragung beginnt

Tradition und Engagement

Vorbereitung auf die „Myplace“-Befragung – von links gesehen: Niels Winkler und Markus Habig vom Statistischen Landesamt, Dr. Jochen Tholen sowie Dr. Alexandra Hashem-Wangler und Britta Busse vom Institut Arbeit und Wirtschaft von Uni und Arbeitnehmerkammer. ·
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Vorbereitung auf die „Myplace“-Befragung – von links gesehen: Niels Winkler und Markus Habig vom Statistischen Landesamt, Dr. Jochen Tholen sowie Dr. Alexandra Hashem-Wangler und Britta Busse vom Institut Arbeit und Wirtschaft von Uni und Arbeitnehmerkammer. ·

Bremen - Von Thomas KuzajWie bilden junge Menschen sich eine politische Meinung und auf welche Weise äußern sie diese? Eine Frage, die im Rahmen des EU-finanzierten Projekts „Myplace“ bis Mai 2015 europaweit erforscht werden soll. Ab Montag werden in Bremen und Bremerhaven 1 200 Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren dazu befragt.

„Deutschland, Spanien, Griechenland – die Gesellschaften interessieren sich wieder für junge Menschen“, sagt Dr. Jochen Tholen vom Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Bremer Universität. Das IAW leitet das Projekt im Bundesland Bremen. Befragt werden für „Myplace“ junge Menschen in insgesamt 14 Ländern.

Deutschland ist dabei das einzige Land mit zwei Befragungsorten – Tholen sagt, er habe darauf bestanden. Durch die Studie soll nämlich auch herausgefunden werden, in welchem Maß soziale und politische Einstellungen junger Menschen durch Traditionen beeinflusst (oder gar geprägt) werden.

Tholen: „Wie bildet sich eine politische Meinung? Erster Bezugspunkt ist die Familie. Etwa der Großvater, der den Gewinn der Fußball-WM 1954 miterlebt hat. So werden Traditionen weitergegeben.“ Das wirkt sich aus. Beispiel: Inflationsängste. Tholen: „In England spricht kein junger Mensch von Inflation. Bei uns ist die Angst davor sehr groß. Das liegt an den Familien. Wir hatten in Deutschland zwei große Geldentwertungen, 1923 und 1948. Die Leute verloren ihr Erspartes. Das ist durch die Familien einfach weitererzählt worden.“

Vor dem Hintergrund solch generationenübergreifender Prägungen werden für „Myplace“ in Deutschland Jugendliche an zwei Orten befragt – im Westen (Bremen und Bremerhaven) und im Osten (zuständig: die Universität Jena).

Die breitangelegte Befragung ist ein Teil des „My place“-Projekts, zu dem weitere Erhebungsformen gehören, so zum Beispiel die Langzeitbegleitung junger Menschen, die sich in Gruppen oder Organisationen engagieren. In den Interviews geht es jetzt unter anderem um Formen des Engagements, wobei der Begriff weit gefasst ist – von der Vereinsmitgliedschaft bis zum Flashmob.

Die Befragung der 1 200 Jugendlichen in Bremen und Bremerhaven soll bis Mitte Dezember dauern und liegt in den Händen des Statistischen Landesamts. Es schickt 40 geschulte Interviewer los, die zur Verschwiegenheit verpflichtet wurden. Die Befragungen sollen jeweils etwa 45 Minuten dauern. Ausgewählt werden die Jugendlichen aus dem Melderegister. Nach dem Zufallsprinzip, wie es hieß. So soll vermieden werden, dass nur diejenigen mitmachen, die sich ohnehin engagieren.

http://www.iaw.uni-bremen.de

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