Totschlag im „Overkill“ mit 51 Messerstichen: 34-Jähriger muss in die Psychiatrie

„Alkoholtoxische Demenz“

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Das Landgericht hat den 34-jährige Mammadou D. (Foto vom Prozessauftakt) gestern wegen Totschlags verurteilt. Der Ivorer wird wegen erheblich verminderter Schuldfähigkeit zur Tatzeit („Overkill“) in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Bremen - Von Steffen Koller. Mammadou D. (34) wurde gestern vor dem Landgericht Bremen wegen Totschlags an seiner Ex-Freundin für schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im Mai vergangenen Jahres die 48-Jährige mit 51 Messerstichen tötete. Aufgrund erheblich verminderter Schuldfähigkeit zur Tatzeit wurde die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

Grundlage für die Entscheidung des Gerichts war in erster Linie ein psychologisches Gutachten, das dem heute 34-Jährigen eine „alkoholtoxische Demenz“ attestierte. Der Mann habe über mehrere Jahre so viel Alkohol getrunken, dass er nicht nur in eine schwere Abhängigkeit verfiel, sondern auch sein Gehirn und die damit verbundenen kognitiven Fähigkeiten „in einem Ausmaß zerstörte, wie ich es selten erlebt habe“, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann zur Urteilsbegründung.

Insbesondere mit Blick auf „Ausmaß und Alter des Angeklagten“ sei dies ein besonderer Fall gewesen, über den das Gericht zu entscheiden hatte. Mammadou D., dessen „Täterschaft nie in Zweifel stand“, hat sich nach Erkenntnissen der Kammer am 17. Mai auf den Weg zu seiner damaligen Ex-Freundin nach Lesum gemacht. Schon bei der Fahrt mit der Bahn habe er eine Flasche Wodka getrunken, auf den letzten Metern, die der Angeklagte zu Fuß zurücklegte, soll er eine weitere Flasche getrunken haben – 3,5 Promille ergab ein Atemalkoholtest wenige Minuten, nachdem er die Frau mit 51 Messerstichen getötet hatte. Was konkret die tödlichen Stiche auslöste, ließ sich bis zum Ende der Beweisaufnahme nicht klären.

In einem rauschähnlichen Zustand, im psychologischen Fachjargon auch „Overkill“ genannt, stach D. in Hals, Oberkörper und Gesicht der Frau. Dabei traf er unter anderem Lunge und Herz der Getöteten, die noch am Tatort starb. „Sie hatte nie eine Chance zu überleben“, sagte Kellermann. D. nahm die Worte nach außen hin ohne ersichtliche Regung auf.

Bis heute will sich der Angeklagte an nichts erinnern können, auch gab es keine konkreten Zeugenaussagen. Für Außenstehende mag dies wie eine Schutzbehauptung klingen, doch der psychologische Sachverständigen kam zum Ergebnis, dass bei D. „erhebliche kognitive Schwächen“ vorhanden sind. Ganze Hirnregionen seien durch den Alkohol dauerhaft geschädigt. Das Gericht folgte in seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft, auch Nebenklage und Verteidiger sprachen sich vergangene Woche für eine Unterbringung aus.

Wie lange der 34-Jährige dort bleibt, hängt nun von der Großen Strafvollzugskammer ab. Diese prüft jährlich den Zustand des Mannes und gebe dann eine Empfehlung ab. „Da die Gefahr, dass der Angeklagte ähnliche Taten wieder begeht, sehr groß ist“, heißt es im Gutachten, sei die Chance auf ein absehbares Ende seiner Unterbringung sehr gering. Erfahrungsgemäß liege die Durchschnittsdauer eines Aufenthaltes bei etwas über sechs Jahren, sagte Kellermann. Es gebe aber auch Fälle, bei denen eine lebenslange Unterbringung erfolgt. Laut Gutachter ist es für den Angeklagten „schlicht nicht möglich, vom Alkohol wegzukommen“.

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