„Lange Nacht der Bremer Museen“

Zu Besuch beim Karibu

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Christoph Greim führt die zwölfköpfige Taschenlampen-Gruppe durch das Schaumagazin. Unter den Exponaten zwei Schädel. Den einen ziert aus medizinischen Gründen ein Loch, den anderen eines einer Spitzhacke.

Bremen - Von Annika Grunert. „Führung.“ Ruth Nüß läuft mit einem Schild durch den kompletten Ausstellungsraum im Übersee-Museum – gefolgt von mehr als 30 Leuten. Am Ende angelangt, geht es durch den Notausgang ins Treppenhaus und ab in den zweiten Stock: ins Präparatorium.

Dort erwartet die Besucher ein Karibu, ein nordamerikanisches Rentier, in seiner vollen Pracht. Allerdings sind nur noch die Hufe, die Haut und das Gehirn echt. Selbst das Geweih ist haargenau nachgebaut. Daneben steht ein halbfertiges Schwein, auf dem Tisch liegen Marder- und Frettchenpelze, an den Wänden stehen Regale und Kühlschränke. Hier ist der Arbeitsplatz der Präparatorin.

Nüß erklärt kurzweilig und spannend, wie die Tierexponate hergestellt werden: Recherche, Haut abziehen, Knochen reinigen, modellieren und zusammenbauen, schließlich das Anziehen des Fells.

Dauerausstellungen, Führungen, Musik und Lesungen standen in der Nacht von Sonnabend zu gestern auf dem Programm. In der Zeit von 18 bis 1 Uhr öffneten 19 Museen und Ausstellungshäuser ihre Türen. Unter dem Titel „Begegnungen“ fand zum nunmehr 15. Mal die „Lange Nacht der Bremer Museen“ statt. Etwa 18500 Besucher sind gekommen – mehr als in den vergangenen Jahren.

In Hastedt geht es unter Tage. Unter dem Schulhof des Schulmuseums befindet sich ein Erdbunker. Als 1996 drei neue Bäume gepflanzt werden sollten, wurde der Bunker zufällig entdeckt. Da es keinerlei Aufzeichnungen über das Gemäuer gab, wurden Anwohner befragt.

Deren Geschichten und Fotos aus Zeiten des Zweiten Weltkrieges zieren die Bunkermauern dreier Röhren. Während diese lediglich trockengelegt wurden, sind die anderen zwei Röhren restauriert worden. In den schmalen Gängen sind nachgebaute Holzliegen angebracht, auf denen früher die Bremer auf das Ende der Luftangriffe warteten. Zwei kleine Räume sind mit großen Eimern ausgestattet, die als Toilette dienten. Etwa 200 Menschen sollten hier Schutz finden. Doch der Bunker hätte vermutlich keinem Treffer standgehalten, wie Jannek Sachweh vom Schulmuseum sagt. Die Konstruktionen waren veraltet und schützten nicht sicher vor Bomben. So wurde ein Erdbunker in Bremen durch Luftangriffe zerstört. 49 Zwangsarbeiter kamen dabei im Oktober 1944 zu Tode.

An erfreulichere Zeiten erinnert das „Wuseum“: 115 Jahre Vereinsgeschichte von Werder Bremen. Bilder und Zeitungsartikel erinnern an die Anfänge und Erfolge des Fußballvereins. Die verschiedensten Trikots und Pokale sind in den Schaufenstern zu sehen. Auch die Entwicklung des heutigen Logos lässt sich verfolgen. Das gesamte Museum ist komplett auf Werder eingestellt.

Das zeigt auch ein „Trabi“ am Ende des Raumes. Weiß lackiert mit grünen Spiegeln sowie grüner Stoßstange, übersät mit dem grünen Werder-Logo, dürfte er so manches Fan-Herz höher schlagen lassen. Den Trabant stellt Uwe Bock aus Twistringen dem „Wuseum“ zur Verfügung. Er steht für die deutsch-deutschen Verbindungen.

Um Mitternacht lädt das Focke-Museum in Schwachhausen zu einer etwas anderen Führung ein: Zwölf Besucher laufen mit Taschenlampen durch das Schaumagazin. Lichtkegel fallen auf Spielzeug, Skulpturen und Möbel. Der wissenschaftliche Volontär Christoph Greim führt die Besucher durch die Gänge. Passend zur Geisterstunde präsentiert er gruselige Geschichten und Waffen: Pistolen, Pickelhauben und Daumenschrauben. Interessante Fakten – gepaart mit nicht ganz ernstzunehmenden Erzählungen – begeistern die Gruppe.

So berichtet Greim von im Museum verloren gegangenen Kindern, die heute als Puppen die Magazine zieren oder vom Museumswächter, der sich absichtlich in den Fuß schoss, um seine Rente einzuläuten. Und so geht mit viel Witz die „Lange Nacht der Museen“ zu Ende.

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