Hafenmuseum zeigt Sonderausstellung

Torfkähne aus dem Teufelsmoor ankern in Bremen

Torfkähne schippern auf einem Kanal.
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Armada mit braunen Segeln: Torfkähne auf dem Weg vom Teufelsmoor nach Bremen.

Die Kultivierung des einst unfruchtbaren Teufelsmoores durch Jürgen Christian Findorff steht im Fokus einer Ausstellung im Hafenmuseum. Es geht um Moorbauern und Torfkähne.

Bremen – Das Teufelsmoor zählt zu den beliebten Ausflugszielen rund um Bremen, ist immer wieder Schauplatz diverser Krimis und Spielfilme. In seiner ursprünglichen Form jedoch galt das Land, nordöstlich von Bremen zwischen Wümme, Hamme und Oste gelegen, als unfruchtbar und wertlos. Dies änderte sich mit der Kultivierung und Besiedlung durch „Moorkolonisator“ Jürgen Christian Findorff (1720 bis 1792) vor rund 250 Jahren.

Die Arbeitsgruppe Findorff-Siedlungen beim Landkreis Osterholz hat die Geschichte der Findorff-Siedlungen und ihre noch sichtbaren Spuren aufgearbeitet. Von Sonnabend, 30. Oktober, bis Sonntag, 14. November, feiert ihre 2016 erstmals gezeigte Wanderausstellung „Kulturerbe Findorff-Siedlungen“ ihre Bremen-Premiere – im Hafenmuseum Speicher XI in der Überseestadt. Bezüge zu Bremen, unter anderem zu den früheren Moorhäfen und Anlegestellen für die Torfkähne, seien in die Schau, die ein spannendes Stück Heimatgeschichte präsentiert, integriert worden, sagt Dr. Wolfgang Konukiewitz, einer der Ausstellungsmacher. „Der Besuch lohnt sich“, sagt Kuratorin Anne Schweisfurth. „Die Ausstellung enthält ganz viele Bilder und ganz viele Texttafeln.“

Der in Lauenburg geborene Findorff entpuppte sich schon in jungen Jahren als Multitalent. Findorff lernte Tischler und Zimmermann, wurde Kondukteur (Landschaftsvermesser) und war vielseitig einsetzbar. Er leitete den Bau der Worpsweder Zionskirche, entwarf Mühlen, Brücken und Rathäuser. Schließlich wurde Findorff als Moorkolonisator eingesetzt. In 40 Jahren kultivierte er 15.000 Morgen Moorland, gründete rund 60 Dörfer und schaffte für 1500 Siedlerfamilien eine Heimat. Als erste Findorff-Siedlungen gelten Neu St. Jürgen, Wörpedorf und Eickedorf, die heute zu Worpswede und Grasberg gehören. 1828 – weit nach Findorffs Tod – wurde mit Augustendorf die letzte Findorff-Siedlung gegründet. Findorff wiederum galt als „Vater aller Moorbauern“.

Ein Multitalent aus Lauenburg an der Elbe

Über viele Generationen erzielten die Moorbauern ihr Einkommen aus dem Torfabbau und der Landwirtschaft. Mit Bremen war das Moor durch die Torfkanäle mit seinen zahlreichen Häfen verbunden, die traditionellen Torfkähne erinnern an den beschwerlichen Transport des Torfs in die Stadt. In den Hoch-Zeiten von 1875 bis 1880 waren in der Saison 30 000 Torfkähne mit Brennstoff für die Städter unterwegs aus dem Moor hin zu den Torfhäfen vor allem in Findorff, sagt Konukiewitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Brennstoffknappheit herrschte, kam es nochmals zu einem Boom im Torfhandel. Davon erzählt die Ausstellung. Sie skizziert das Leben der Siedler im Moor, die Urbarmachung des Landes, die typischen Siedlungsstrukturen.

Besprechen im Hafenmuseum letzte Details: Anne Schweisfurth und Wolfgang Konukiewitz.

Und sie erzählt vom 1870 in Bremen gegründeten „nordwestdeutschen Verein wider das Moorbrennen“ sowie von der Entdeckung des Moores für Ausflügler aus der Stadt mit „reichlich Gelegenheit zum Botanisieren“, vom ersten „Touristen“ Lüder Halenbeck, von Jan Reiners und natürlich von Heinrich Vogeler und den Worpsweder Künstlern. Und vom Dichter Rainer Maria Rilke, der Vogeler einst schrieb: „Ein grausiges Land, in dem Ihr da lebt“. Auch der Moorexpress, der 1911 in Betrieb ging und zunächst vor allem Torf und Dünger auf Schienen transportierte und seit vielen Jahren im Sommer Ausflügler von Bremen über Worpswede nach Stade bringt, ist Thema der Ausstellung. Ein aktueller Abstecher informiert über die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz.

Jan Reiners, Vogeler und Rilke

Die Ausstellung im Hafenmuseum wird am Freitag, 29.  Oktober, um 18.30 Uhr eröffnet. Dabei spricht Jens Joost-Krüger von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) über das „Erlebnis Teufelsmoor“. Krüger war von 1996 bis 2003 Geschäftsführer der Worpsweder Touristikgesellschaft und der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser und gilt als „Entdecker des Teufelsmoores als Kulturerbe“. Ausstellungsbegleitend gibt es weitere Vorträge und Führungen. Das Hafenmuseum Speicher XI hat donnerstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Es gelten die 3G-Regeln.

Infos und Anmeldung: www.hafenmuseum-speicherelf.de

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