Künstler erhält Schadensersatz

Einfach weg: Tonnenschwere Skulptur verschwindet spurlos

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Rolf Nolden (l.) klagte auf Schadensersatz und bekam 30.000 Euro.

Bremen - Von Steffen Koller. Ein bislang wohl einmaliger Fall von verschwundener Kunst wurde am Mittwoch vor dem Bremer Landgericht verhandelt. Der Künstler Rolf Nolden stellte der Stadt Bremen 1994 eine Skulptur als Leihgabe zur Verfügung. Doch Bauarbeiter hielten die Metallplatten vermutlich für Schrott – und ließen sie einschmelzen. Der Künstler forderte Schadensersatz. Nun wurden ihm 30 000 Euro zugesprochen.

Zähneknirschend packte Rolf Nolden seine Sachen zusammen. Wirklich glücklich war der 64-Jährige nicht, als er kurz danach das Bremer Landgericht verließ. „Wir Künstler sind eh das schwächste Glied in der Kette. Fair ist das nicht“, sagte er. Zwar wurden ihm gerade 30.000 Euro Schadensersatz zugesprochen, doch es gehe Nolden um mehr, wie er mehrfach betonte. Es gehe ihm um die Würdigung seines Schaffens – und um den Umgang mit ihm in den vergangenen Jahren.

1994 stellte er der Stadt Bremen im Rahmen der Ausstellung „Im Strom“ am Weserwehr eine Stahlskulptur zur Verfügung. Das Werk mit dem Titel „Semizirkel“ bestand aus einzelnen Stahlsegmenten, die zusammen etwa fünf Tonnen auf die Waage brachten. Ende 1995 lief der Vertrag zwischen Künstler und Stadt aus, doch Nolden stellte sein Werk weiter zur Verfügung. Im Zuge von Bauarbeiten am Weserwehr 2010 schaute sich Nolden die Baustelle und sein dort eigentlich befindliches Werk an – und musste feststellen: Es war weg. Auf Nachfrage habe man ihm mehrfach mitgeteilt, dass die Skulptur eingelagert sei. Doch sie war unauffindbar. Bis heute ist sie spurlos verschwunden. Sehr wahrscheinlich wurde das Werk zusammen mit Schrottteilen, die zwischenzeitlich sogar auf der Skulptur lagerten, abtransportiert und eingeschmolzen.

60.000 Euro Schadensersatz – so lautete die eigentliche Forderung des 64-Jährigen. Geeinigt hat man sich auf 30.000 Euro. Zusätzlich übernimmt die Seite der Beklagten – das Bremer Kulturressort – zwei Drittel der Prozesskosten, die sich auf etwa 15.000 Euro belaufen sollen. Bereits seit August 2017 wurde vor der 1. Zivilkammer verhandelt, doch alle bisherigen Versuche, eine gütliche Einigung zu finden, schlugen fehl. Einen genauen Wert des Werkes konnte weder das Gericht ermitteln noch ein extra dafür eingesetzter Sachverständiger. Für die Kammer, so Vorsitzender Richter Andreas Helberg, sei der Fall „juristisches Neuland“, so etwas habe es in Deutschland noch nicht gegeben. Da das 18-seitige Gutachten „erhebliche Schwächen“ aufweise – unter anderem wurde Deutsche Mark mit Euro gleichgesetzt – und es nur zwei Vergleichsobjekte aus den 90er Jahren gebe, riet Richter Helberg Nolden „dringend“, das Angebot anzunehmen. Nolden, der mehrfach um Unterbrechung der Verhandlung bat, stimmte der Einigung letztlich zu, kritisierte aber: „Ich fühle mich etwas erpresst.“ Er habe nie einen Prozess gewollt, habe aber einen anstreben müssen, um an sein Recht zu kommen, sagte er. Er habe sich im Fall „nichts, rein gar nichts zu Schulden kommen lassen“ und stehe trotzdem „ein stückweit als Verlierer dar“.

Innerhalb der nächsten vier Wochen kann das Kulturressort den Vorschlag verbindlich annehmen oder Widerspruch einlegen. Dann könnte der Fall in die nächste Runde gehen.

So oder so: Rolf Nolden will der Stadt Bremen keine seiner Werke mehr leihen. „Definitiv nicht.“

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