Urteil in Bremen

Tödlicher Grillabend: 34-Jähriger muss nach Prügelorgie lange hinter Gittern

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Sieben Jahre Haft – so lautete das Urteil gegen den Angeklagten (r.). Neben ihm: seine Verteidigerin Barbara Kopp.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie tranken, sie grillten – am Ende war ein Mann tot. Das Landgericht Bremen hat am Freitag einen 34-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Der Mann hatte im September 2019 auf einen „Saufkumpan“ so heftig eingeschlagen und getreten, dass der Mann noch am Tatort starb. Für die Kammer unter Vorsitz von Richter Jens Florstedt stand nach einer nur wenige Wochen dauernden Beweisaufnahme fest, dass der Pole im September vergangenen Jahres bei einer Grillparty in Vegesack so heftig auf einen Mann eingeschlagen hatte, dass dieser tödlich verletzt wurde.

Tödliche Prügelattacke in Bremen: banaler Auslöser

Auslöser war nach Auffassung des Gerichts, dass der Angeklagte dachte, das spätere Opfer hätte seine Tasche gestohlen. Der Mann äußerte sich selbst nicht vor Gericht, hatte jedoch bei seiner polizeilichen Vernehmung davon gesprochen, dem Mann mit mindestens sieben Fausthieben und Tritten das Gesicht „zerschlagen“ zu haben. Den Verletzungen des Mannes zu urteilen, tat der 34-Jährige dies auch. Mit einem schweren Schädelhirntrauma, mehreren Gesichtsfrakturen und Prellungen fanden Ersthelfer den leblosen Mann auf dem Boden des Gartens. Reanimierungsversuche der Sanitäter und des Angeklagten blieben erfolglos.

Noch während die Helfer versuchten, das Leben des Mannes zu retten, hätten die weiteren Gäste „keine vier Meter entfernt einfach weitergetrunken“, sagte Richter Florstedt. Dass das Opfer zuvor mehrere Minuten leblos am Boden lag, hätten die Anwesenden ebensowenig mitbekommen. Was wohl auch am Alkohol lag. Nach der Berechnung eines Gutachters hatte der Angeklagte zur Tatzeit etwa 4,3 Promille Alkohol im Blut. Die Hände des 34-Jährigen seien beim Eintreffen der Beamten blutverschmiert und geschwollen gewesen, was auf die mit „Wucht, Wut und äußerster Aggression“ durchgeführten Schläge zurückzuführen sei. Trotz der starken Alkoholisierung des Angeklagten entschied das Gericht auf keinen minderschweren Fall und verurteilte ihn zu sieben Jahren Haft.

Urteil nach tödlicher Prugelattacke in Bremen - Mann muss in Klinik

Nach einem Vorwegvollzug von einem Jahr und neun Monaten in einer Justizvollzugsanstalt muss der 34-Jährige die Reststrafe in einer Entzugsklinik absitzen. Das Gericht ordnete eine entsprechende Unterbringung an. „Sie sind alkoholkrank“, so Richter Florstedt. „Diese Krankheit muss behandelt werden, sonst drohen weitere schwere Straftaten von Ihnen.“ Zudem, das kündigte der Richter an, drohe dem Mann die Abschiebung in sein Heimatland Polen.

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