Aktion in Bremen

Drei „Stolpersteine“ werden verlegt

Bremer „Stolpersteine“ im Fußweg der Bürgermeister-Smidt-Straße erinnern an die Familien Salomon und Meyer. - Foto: Kuzaj
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Bremer „Stolpersteine“ im Fußweg der Bürgermeister-Smidt-Straße erinnern an die Familien Salomon und Meyer.

Bremen - " „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert der Künstler Gunter Demnig den jüdischen Talmud. Der gebürtige Berliner, der in diesem Jahr 70  Jahre alt wird, ist der Schöpfer der „Stolpersteine“. Und er hat mit den quadratischen Gedenktafeln das größte dezentrale Mahnmal der Welt geschaffen – mit europaweit rund 60 .000 Objekten, die an Opfer der NS-Herrschaft erinnern. Und: Demnigs Team ist bis Mai ausgebucht. In Bremen werden am Donnerstag drei weitere Stolpersteine verlegt.

Mit seinen „Stolpersteinen“ erinnert Demnig an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. „Stolpersteine“ sind zehn Zentimeter mal zehn Zentimeter mal zehn Zentimeter große Betonwürfel mit Messingtafeln, die in den Bürgersteig vor jenen Häusern eingelassen werden, in denen die Opfer zu Hause waren. Die Inschrift mit von Hand eingeschlagenen Lettern gibt Auskunft über Namen, Alter und Schicksal der Opfer.

Angaben des Initiativkreises Stolpersteine Bremen zufolge liegen in der Hansestadt derzeit 662 „Stolpersteine“. Und am Donnerstag, 2. Februar, kommen drei weitere hinzu. Der erste wird vor dem „Haus des Reichs“, dem Finanzamt am Rudolf-Hilferding-Platz verlegt. Er erinnert an den Finanzbeamten Friedrich Dreyer. Mit dabei ist Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne). Die Aktion beginnt um 12.30 Uhr.

Nürnberger Rassegesetze

Friedrich Dreyer, Jahrgang 1883, wurde am 1. April 1934 als Oberregierungsrat an das Landesfinanzamt Weser-Ems in Bremen versetzt, ein Jahr später beurlaubt und Ende 1935 in den Ruhestand versetzt. Dreyer wollte in die Schweiz ziehen, doch das Finanzamt lehnte es ab, sein Ruhegehalt dorthin zu transferieren. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Dreyer, der nach den Nürnberger Rassegesetzen als Jude galt, obwohl er evangelisch getauft war, musste nach der Reichspogromnacht zur „Wiedergutmachung“ eine „Judenvermögensabgabe“ in Höhe von 3. 500 Reichsmark. Dreyer gab auf – und nahm sich am 23. Dezember 1938 das Leben.

Ein weiterer Stein wird um 13 Uhr vor dem Haus Wulwesstraße 15 im Ostertor verlegt – zur Erinnerung an den Künstler Robert Stampa, geboren 1904 in Bremen. Der erwarb sich unter dem Künstlernamen Robert Dorsay als Sänger, Tänzer, Schauspieler und Conférencier in den 30er Jahren viel Anerkennung im Film und auf der Bühne. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Anfang 1943 wurde Dorsay ein abgefangener ironischer Brief an einen Freund zum Verhängnis, in dem er sich über Hitler und das Regime lustig machte. Stampa wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet, zum Tode verurteilt und im Herbst 1943 in Plötzensee hingerichtet.

Weiter geht es um 13.30  Uhr vor dem Haus Dielmelweg 6 (Hastedt). Dort wird ein „Stolperstein“ verlegt, der an den Kommunisten und Widerstandskämpfer Hermann Matthäi (Jahrgang 1907) erinnert, der im Juni 1935 verhaftet und in die Ostertorwache gesperrt wurde. Dort erhängte er sich am 8. Juli 1935. 

je

Volkrat Stampa, ein Vetter von Robert Stampa, hat das Leben des Künstlers recherchiert und das Buch „Robert Dorsay, Es ging um sein Leben“ veröffentlicht. Das wird am 2. Februar um 19  Uhr in der Landeszentrale für politische Bildung, Birkenstraße 20/21, vorgestellt.

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