Richter: „Was Sie Ihren Kindern angetan haben, ist unglaublich“

Tödliche Stiche: 13 Jahre Haft

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Das Landgericht hat den Angeklagten im Mordprozess (Mitte) am Donnerstag wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft verurteilt. Rechts sein Verteidiger Helmut Pollähne, links im Bild ein Dolmetscher, der während des Prozesses übersetzte.

Bremen - Von Stellen Koller. 13 Jahre Haft wegen Totschlags: So lautete am Donnerstag das Urteil vor dem Landgericht Bremen gegen einen 37-jährigen Syrer, der im Oktober 2016 in Bremerhaven seine 22 Jahre alte Ehefrau getötet hatte. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann aus einem „Motivbündel“ heraus 23-mal auf die Frau einstach, sie würgte und auf sie einschlug. All das geschah laut Gericht vor den Augen der drei gemeinsamen Kinder.

Mit dem Urteil ging das Gericht unter Vorsitz von Richter Helmut Kellermann noch über der Forderung von Staatsanwalt Oliver Constien, der am Mittwoch zwölf Jahre wegen Totschlags gefordert hatte, hinaus. Für eine Verurteilung wegen Mordes, wie angeklagt, fehlte dem Gericht das Überwiegen eines niedrigen Beweggrunds, sagte Kellermann während der Urteilsbegründung. Der mittlerweile 37 Jahre alte Angeklagte hatte während der Beweisaufnahme eingeräumt, am 13. Oktober 2016 zur Wohnung seiner Ehefrau gefahren zu sein, um diese von der bevorstehenden Scheidung abzubringen. Dann kam es nach Überzeugung des Gerichts zum Streit, infolgedessen der Angeklagte die 22-Jährige zunächst würgte, ihr 23 Schnitt- und Stichverletzungen zufügte und sie anschließend mehrfach schlug.

Zwar schaffte es die Frau noch, sich zur Wohnungstür zu schleppen, vor der Nachbarn bereits durch laute Schreie alarmiert waren, doch kurze Zeit später starb die 22-Jährige.

Mehrere Beamte vertrugen den Anblick der getöteten Frau nicht

Der Anblick der Frau sei so schlimm gewesen, dass sogar herbeigerufene Polizisten für mehrere Wochen Urlaub eingereicht hätten, weil sie durch den Anblick und die damit verbundenen seelischen Belastungen nicht klargekommen seien. „Besonders verwerflich“ sei die Tat aber auch vor dem Hintergrund, dass die gemeinsamen Kinder im Alter von zwei, vier und sechs Jahren alles mit hätten ansehen müssen, sagte Kellermann und fügte an: „Was Sie Ihren Kindern angetan haben, ist unglaublich.“ Mit dieser Schuld müsse der Angeklagte jetzt leben, mit dem „unfassbaren Leid“, das er über seine Kinder gebracht habe.

Der Syrer, der nach Auffassung des Gerichts kurz nach der Tat eine Sprachnachricht an seinen Bruder schickte, in der er sagte, er habe seine Frau „geschlachtet“ und seine „Ehre gewaschen“, weinte während der Urteilsbegründung. Es war eine dieser Aussagen, die das Gericht dazu veranlasst hatte, auch eine Verurteilung wegen Mordes aus niederen Beweggründen zu prüfen, so Kellermann. Letztlich sei man aber zur Überzeugung gelangt, der Mann habe aus mehreren Motiven heraus gehandelt, wobei „Verzweiflung, Enttäuschung und Nicht-Akzeptanz über die Trennung“ überwogen hätten, sagte Kellermann. Eifersucht und Ehre hätten zwar auch eine Rolle gespielt, aber keine „so bedeutsame“.

Der Vorsitzende Richter nannte das Urteil „richtig, vertretbar und schuldangemessen“. Abschließende Worte wollte er nicht an den Angeklagten richten. „Das tue ich sonst oft. Bei Ihnen jedoch nicht.“

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