Tempo, Kleenex & Co.

Verpackungskünstler: Bremer Unternehmen Senning baut Maschinen für Global Player

Annette Bengs, Enkelin von Firmengründer Christian Senning, steht vor einer Showroom-Vitrine. In dieser und in Bengs&#39 Händen befinden sich Tissue-Produkte, eingepackt durch Maschinen von Senning. Links in ihrer Hand: Servietten, eingepackt in Kraftpapier. Foto: KOWALEWSKI
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Annette Bengs, Enkelin von Firmengründer Christian Senning, steht vor einer Showroom-Vitrine. In dieser und in Bengs' Händen befinden sich Tissue-Produkte, eingepackt durch Maschinen von Senning. Links in ihrer Hand: Servietten, eingepackt in Kraftpapier.

Tempo-Taschentücher kommen nicht aus Bremen, die Verpackungsmaschinen aber sehr wohl. Die Firma Senning aus Oslebshausen ist ein „Hidden Champion“.

Bremen - 8.000 Taschentücher schneidet, faltet und verpackt die Fertigungslinie S. PM 820 der Bremer Christian Senning Verpackungsmaschinen pro Minute. Ein neuer Weltrekord! Wohl jeder hat schon Taschentücher, Servietten oder Wischtücher und andere Tissue-Produkte aus saugfähigem Hygienepapier gekauft, an deren Verpackung oder auch Herstellung Maschinen der Firma in Oslebshausen beteiligt waren – das Bremer Unternehmen ist ein „Hidden Champion“, also sehr bedeutend, aber der großen Öffentlichkeit nicht unbedingt bekannt.

Das Papier und die Folie für die Verpackungen werden auf großen Rollen in die S. PM 820 eingelegt. Zwei bis vier Lagen Tissue können übereinanderliegen, die Stärke eines guten Taschentuchs. Die werden sogleich verprägt, damit sie als Tuch zusammenhalten. Hierdurch ergibt sich das typische Muster auf den Rändern eines jeden Papiertaschentuches. Je nach Art der Verprägung und Wahl des Tissuematerials ist das Endprodukt mehr oder weniger weich und füllig. Ersteres steht für höchste Qualität – die sich nicht zuletzt an der Nase des Endverbrauchers angenehm bemerkbar macht.

Tempo-Taschentücher werden mit Maschinen aus Bremen verpackt

Die Reise der Tücher durch die S.PM 820 geht indes weiter. Die verprägte Tissuebahn wird gefaltet und auf Tuchlänge geschnitten, abgestapelt und in Folie verschweißt. Zum Schluss bringt der Etikettierer den Klebeverschluss auf und macht die Verpackung so wiederverschließbar. All das passiert vollautomatisiert. Nur so sei die Taschentuchproduktion in Hochlohnländern wirtschaftlich, heißt es. Bis zu acht Fertigungslinien findet man an einem großen Standort. Die Maschinen von heute, so erfährt der Besucher vor Ort, sind etwa viermal so schnell wie die aus den Anfangstagen des Unternehmens. Hat Senning eine Maschine entwickelt, gebaut und ausprobiert, geht sie an Unternehmen, die Taschentücher, Papiertücher und anderes mehr herstellen. Tempo-Taschentücher werden ebenso wie Zewa Softies und Gesichtstücher von Kleenex mit Maschinen aus Bremen verpackt.

Die Firma in Oslebshausen mit heute 90 Mitarbeitern wurde 1949 gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte Schiffsingenieur Christian Senning (Jahrgang 1905) ein neues Betätigungsfeld. „Die zivile Schifffahrt war nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stark eingeschränkt“, sagt Enkeltochter Annette Bengs (56), heute Geschäftsführerin von Senning. Ihr Großvater begann, Maschinen für andere zu reparieren und zu konstruieren. Es entstand zum Beispiel eine Maschine zum Entgräten von Fisch. Besonders gefragt waren Verpackungsmaschinen für Tee, Süßigkeiten und Medikamente.

Unter den Blicken von Servicetechniker Michael Zielinski läuft ein Stapel Servietten in einer Verpackungsmaschine in eine Kunststofffolie, die sogleich verschweißt wird. Die Maschine aus Bremen wird in die USA exportiert.

In Zeiten des Wirtschaftswunders stiegen Wohlstand und Konsum sowie der Wunsch nach Bequemlichkeit. Taschentücher, aber auch Servietten, als Einwegprodukt hergestellt aus Papier, setzten sich durch. „Das erste, was ich bügeln konnte, waren Taschentücher. Heute will das keiner mehr“, sagt Bengs.

Senning spezialisiert sich in den 1970ern auf Tissue-Produkte

In den 70ern spezialisierte sich das Unternehmen auf Tissue-Produkte. Heute sind Maschinen von Senning aus der internationalen Tissue-Industrie nicht mehr wegzudenken. „Von 15 Global-Playern beliefern wir 13“, sagt Bengs. Der Exportanteil liege bei 85 Prozent. Ein bis zwei große Linien und zehn bis 20 Maschinen baut das Unternehmen jährlich in den eigenen Fertigungshallen.

So arbeitet auch Servicetechniker Michael Zielinski (56) aus Bremen an einer Maschine zum Verpacken von Servietten, die bald in die USA geht. Zielinski schaut genau hin, während eingelegte Serviettenstapel in die Verpackungsfolie laufen. Diese legt sich um die einzelnen Stapel und wird verschweißt. Zielinski ist für Senning international unterwegs. Der Service vor Ort beim Kunden ist ein wichtiger Geschäftsbereich geworden.

Tissue-Verpackungen: In den 1980ern setzen sich Kunststoffverpackungen durch

Eine große Showroom-Vitrine zeigt, was Maschinen von Senning schon alles an Tissue-Ware verpackt haben. Bengs zeigt einen Doppelpack Taschentücher, der nicht nur ungewohnt aussieht, sondern sich auch so anfühlt. „Bis in die 70er wurden Taschentücher nicht in Kunststoff, sondern in Pergamin eingepackt. Das ist eigentlich umweltbewusst.“ Pergamin, ein durchsichtiges Papier, ist allerdings nicht wasserfest.

In den frühen 80ern setzten sich Kunststoffverpackungen durch. Senning entwickelte in dieser Zeit wiederverschließbare Verpackungen, die an der langen Seite aufgerissen werden. Bengs vermutet, dass die Papierverpackung zurückkehrt, zumindest in Teilbereichen. Sennings Maschinen können nach einer Umrüstung auch damit arbeiten.

Info

Adresse: Kalmsweg 10, Bremen, www.senning.de

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