Eiskern-Studie: Grönlands Eisschild schrumpfte in der „Eem-Warmzeit“ nur minimal / Mögliches Zukunftsszenario

Tischdecke mit aufliegender Serviette

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Blick in das Eislabor auf Grönland, in dem Eiskerne gewonnen werden.

Bremerhaven - Wie warm war es vor 130 000 Jahren in Grönland? Eine Frage aus der Welt der Klimaforschung. Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) können sie jetzt beantworten.

Sie gehören zu einem internationalen Team, dem es zum ersten Mal gelungen ist, die Schichtung des grönländischen Eisschildes aus der „Eem-Warmzeit“ vollständig zu rekonstruieren.

Das teilte das AWI gestern mit. Die „Eem-Warmzeit“ liegt, von heute aus betrachtet, 130 000 bis 115 000 Jahre zurück. „Unsere Daten zeigen, dass es während der ‚Eem-Warmzeit‘ in Nordgrönland bis zu acht Grad Celsius wärmer war als heute“, sagt Professorin Dorthe Dahl-Jensen von der Universität Kopenhagen, die Projektleiterin.

Bei diesen Lufttemperaturen schrumpften die Eismassen – im Vergleich zu heute – deutlich weniger als vermutet. Der grönländische Eisschild hatte demzufolge auch einen viel kleineren Anteil am damaligen Anstieg des Meeresspiegels als bisher angenommen. Sollte der aktuelle Temperaturanstieg in Grönland anhalten, gelten die Reaktionen des Eisschildes im Zuge der „Eem-Warmzeit“ als ein mögliches Zukunftsszenario für die Eismassen der Insel, heißt es beim AWI.

Dass der grönländische Eispanzer auf den Temperaturanstieg nicht so empfindlich reagiert habe wie bisher gedacht, sei – so Dorthe Dahl-Jensen – die gute Nachricht der Studie, die ab heute im Fachmagazin „Nature“ zu lesen ist.

Und die schlechte Nachricht: „Wenn der grönländische Eisschild damals nicht vollständig verschwunden ist, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Eismassen der Antarktis hauptverantwortlich dafür waren, dass der Meeresspiegel während des ‚Eems‘ vier bis acht Meter höher war als heute.“

Wissenschaftler aus 14 Ländern hatten den unteren Teil eines 2 540 Meter langen Eisbohrkerns untersucht – und erstmals seine in der Tiefe durcheinandergebrachte Schichtung rekonstruiert. Da musste tüchtig entschlüsselt und entwirrt werden.

Denn die Schichten des „Eem“-Eises und die Schichten aus dem Übergang in die letzte Eiszeit hatten sich „wie eine zusammengeschobene Tischdecke mit aufliegender Serviette ineinander gefaltet“, sagt Dr. Ilka Weikusat vom AWI, eine Expertin für Eisdeformation und Mikrostrukturen. · kuz

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