Falsche Weihnachtsgeschenke

Tierheime stoppen Vermittlung: „Kein Tier gehört unter Weihnachtsbaum“

In Tierheimen gilt Vermittlungsstopps zu Weihnachten. Denn viele Tiere werden sonst erst zum Weihnachtsgeschenk – und wieder heimatlos, wenn sie lästig werden.

Bremen/Hamburg – Wie in jedem Jahr gibt es auch an diesem Weihnachtsfest in vielen Tierheimen einen Vermittlungsstopp. Denn ein Tier ist nicht das passende Weihnachtsgeschenk, werden Tierschützer nicht müde zu sagen. Da wird der Welpe und das Kätzchen unterm Tannenbaum geknuddelt, aber nach Neujahr will keiner mehr mit dem Hund Gassi gehen oder das Katzenklo säubern. Deswegen pausieren Tierheime regelmäßig zum Jahresende die Vermittlung. Auch in Bremen und Hamburg im Norden Deutschlands ist das in diesem Jahr so.

Tierschutzverein:Bremer Tierschutzverein von 1894
Vorsitzende:Brigitte Wohner-Mäurer
Webseite:www.bremer-tierschutzverein.de

Tierheime stoppen Vermittlung vor Weihnachten: „Kein Tier gehört unter Weihnachtsbaum“

Natürlich will man so auch verhindern, dass Tiere zu Weihnachtsgeschenken werden, denn: „Kein Tier gehört unter den Weihnachtsbaum“, heißt es auf der Webseite des Bremer Tierschutzvereins dazu. Kennenlernen können Interessierte die Tiere in Bremen mit Termin weiterhin, nur können die Tiere aktuell nicht mit nach Hause genommen werden.

Haustiere sind keine Weihnachtsgeschenke: Viele Tiere landen nach dem Fest im Tierheim

„Was wir nach Weihnachten und dann auch Richtung Ostern merken: Wenn sich Leute irgendwo Tiere gekauft haben, zum Beispiel über Ebay oder im Zoohandel, werden die Tiere öfter abgegeben. Dann sieht man schon: Das Weihnachtsgeschenk war nicht so passend“, sagt Gaby Schwab, Sprecherin des Bremer Tierheims, im Interview mit „buten un binnen“.

Für Gaby Schwab, Sprecherin des Bremer Tierheims, ist die Sache klar: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum! (Archivbild)

Aber nicht nur Weihnachten macht den Tierheimen derzeit zu schaffen, auch durch die Corona-Pandemie werden aktuell viele Haustiere verschenkt, die letztendlich im Tierheim landen. Denn in Zeiten von 2G-Regeln, Lockdown und Kontaktbeschränkungen aufgrund von Corona, kommen viele Menschen an ihre Grenzen und gerade Singles drohen dadurch zu vereinsamen.

Als Folge geraten viele deutsche Tierheime an ihre Grenzen. „Seit dem Sommer müssen immer wieder einzelne Tierheime Aufnahmestopps verhängen, in Teilen Deutschlands spitzt sich die Lage zu“, sagte Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund dazu. Während die Vermittlungslage bis Anfang 2021 relativ normal oder aufgrund der hohen Nachfrage nach Tieren sogar besser gewesen sei, habe sich dies mit Ende des zweiten Lockdowns im Frühjahr 2021 umgekehrt.

Wenn sich Leute irgendwo Tiere gekauft haben, zum Beispiel über Ebay oder im Zoohandel, werden die Tiere öfter abgegeben. 

Gaby Schwab, Sprecherin des Bremer Tierheims

Die Nachfrage sei nicht mehr so groß, während gleichzeitig zahlreiche Abgabetiere, Fundtiere und beschlagnahmte Tiere hinzukämen. „Manche Tierheime haben zwar nach wie vor höchstens mit Einzelfällen von Abgaben und kaum veränderten Beständen zu tun, andere Tierheime hingegen haben gerade ganz massiv zu kämpfen“, sagte Pommerening.

Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein von 1841, der das Tierheim Süderstraße trägt, sagt: „Es haben sich definitiv mehr Menschen Tiere angeschafft.“ Weil die Vermittlung gut klappe, seien die Zahlen im Tierheim trotz vieler Aufnahmen bisher nicht so hoch. Da es teilweise nicht mehr so einfach möglich war, einfach im Tierheim vorbeizukommen, habe man bei der Vermittlung mehr auf das Internet gesetzt. „Wir haben auch die Tiervorstellungen auf unserer Webseite stark ausgebaut“, sagte Fraaß. Das sei gut angenommen worden.

Besonders große Hunde und Katzen, aber auch Kleintiere wurden nach Angaben des Tierschutzbundes häufig von Menschen, die die Tiere wohl unüberlegt während der Lockdowns über Vermittlung im Internet, aus dem Zoofachhandel oder vom Züchter zu sich holten, an die Tierheime abgegeben. Hinzu kämen Fundtiere, deren genaue Herkunft zwar unklar sei, deren Alter aber ebenfalls auf einen Corona-Hintergrund hindeute. Auch beschlagnahmte Tiere, insbesondere Hundewelpen, aus dem zuletzt florierenden illegalen Handel fänden häufig ihren Weg in die Tierheime.

Haustiere sind keine Weihnachtsgeschenke: „Welpen-Mafia“ treibt illegalen Handel mit jungen Hunden

Fraaß sprach von einer „Welpen-Mafia“, die den illegalen Handel mit jungen Hunden betreibe. Früher habe man ungefähr ein halbes Dutzend solcher Tiere im Jahr bekommen, jetzt seien es eher hundert. Kranke oder störende Hunde würden von den Händlern auch teilweise einfach im Müll entsorgt oder vergraben.

In Teilen Deutschlands scheint es zudem nach Informationen des Tierschutzbundes viel mehr Straßenkatzen zu geben, das Katzenelend nehme vielerorts dramatisch zu. Einer Erhebung im Auftrag des Industrieverbands Heimtierbedarf und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands zufolge gab es von 2019 zu 2020 eine Zunahme von knapp einer Million Katzen in deutschen Haushalten.

Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein von 1841, der das Tierheim an der Süderstraße in Hamm, trägt: „Es haben sich definitiv mehr Menschen Tiere angeschafft.“

„Wenn diese nun vermehrt ausgesetzt oder sich selbst überlassen werden oder trotz Freigang schlicht nicht kastriert wurden, können sich die Tiere unkontrolliert vermehren“, sagte Pommerening. Viele Tierheime berichteten von einer regelrechten Katzenschwemme.

In Hamburg gebe es dieses Problem auch, sagte Fraaß. Zudem sei das ältere Katzenhaus des Tierheims einsturzgefährdet und deswegen nicht nutzbar. Das verschärfe die Situation.

Weihnachten bereitet dem Tierschutzbund Sorgen: „Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum“

Auch die Feiertage machen dem Tierschutzbund Sorgen: „Leider erleben wir alle Jahre wieder, dass Tiere zum Weihnachtsfest verschenkt werden“, sagte Pommerening. „Aus Tierschutzsicht muss klar gesagt werden: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum.“ Auch von Spontan- und Überraschungskäufen rate man dringend ab. Viele Tiere endeten dann im Tierheim.

Oft landen Tiere, die zuvor verschenkt wurden, hinterher im Tierheim. (Archivbild)

Die Gründe seien vielfältig: „Unerwartete Kosten oder die bis dahin unbekannten Ansprüche des Tieres lassen die Freude über ein neues Familienmitglied teils schnell vergehen.“ Oft bemerkten Eltern auch zu spät, dass ein Großteil der Versorgung an ihnen hängen bleibe, sagte Pommerening.

Grundsätzlich gelte: Eine Adoption oder der Kauf eines Tieres sollte immer gut überlegt sein. Wer dann noch entschlossen sei, finde im Tierheim viele Tiere, die auf ein neues Zuhause warteten und Pflegerinnen und Pfleger, die beraten könnten. Dem Deutschen Tierschutzbund sind nach eigenen Angaben 16 Landesverbände und rund 740 örtliche Tierschutzvereine mit 550 vereinseigenen Tierheimen und Auffangstationen angeschlossen. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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