Tierheim fordert wegen sinkender Spendenbereitschaft bessere Finanzausstattung

Pauschal ist günstiger

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Zwei Mitarbeiter des Tierheims sichten und untersuchen Katzen: Dieser Fall von absurder Sammelleidenschaft aus dem Mai 2014 mit 105 Katzen ging durch die Medien – und kostete das Tierheim viel Geld.

Bremen - Von Vincent Buss. Das Bremer Tierheim klagt über mangelnde Finanzierung der Aufgaben, die es für die Stadt übernimmt. Damit folgt es dem bundesweiten Trend: Nach Darstellung des Deutschen Tierschutzbundes ist knapp die Hälfte aller Tierheime in ihrer Existenz bedroht, weil durch sinkende Spendenbereitschaft Geld fehlt.

Mehr als 500 privat betriebene Tierheime sind dem Tierschutzbund angeschlossen. Sie haben häufig Verträge mit den Gemeinden, denn die besitzen keine eigenen Einrichtungen für Tiere. „Fakt ist“, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Tierschutzbundes, „dass die Tierheime im Schnitt 80 Prozent ihrer Aufgaben für die öffentliche Hand wahrnehmen, aber nur 20 Prozent davon erstattet bekommen.“

Die Stadt Bremen zahlt dem örtlichen Tierheim seit 2013 eine jährliche Pauschalentschädigung von knapp 400 000 Euro – und kommt damit günstig weg: Das zuständige Innenressort lehnte den Hamburger Ansatz ab, Tagessätze für aufgenommene Tiere zu überweisen. Denn das hätte fast doppelt so viel gekostet. Auch Tierhotels oder ein stadteigenes Tierheim wären teurer gewesen. „In der Bremer Einrichtung arbeitet die Hälfte der rund 80 Mitarbeiter ehrenamtlich“, sagt Wolfgang Apel, Vorsitzender des Tierheims.

Tierschutzbund wie Tierheim fordern deshalb kostendeckende Zahlungen statt fixe Beträge für die Übernahme kommunaler Pflichten. Denn der gezahlte Betrag decke die Kosten für die kommunalen Aufgaben nicht. In den Vertragsunterlagen zur Pauschalentschädigung steht, dass das Bremer Tierheim den Restbetrag – fast eine Million Euro – „durch das Einwerben von Spenden, Sponsoringzahlungen und Nachlässen erwirtschaftet“. Das war bisher auch der Fall. Man könne man aber nicht davon ausgehen, dass auch künftig genügend gespendet wird, meint Apel.

Im Auftrag der Kommunen kümmern sich Tierheime um sogenannte Fundtiere. Wie verlorene Gegenstände in Fundbüros, kann der Besitzer sie innerhalb einer Frist zurückverlangen. „Natürlich kann man dem Tier aber nicht ansehen, ob es ausgesetzt oder herrenlos ist“, erklärt Schmitz. Der Tierschutzbund fordert von den Kommunen, grundsätzlich für jedes gefundene Tier zu zahlen. So läge die Beweislast, dass es sich um ein Fundtier handelt, nicht bei den Tierheimen.

In Bremen gibt es Apel zufolge keine Probleme bei der Anerkennung der Fundtiere. Laut Olaf Bull von der Innenbehörde liegt das daran, dass sich beide Seiten auf eine Pauschale geeinigt hätten. Apel bestätigt das, hält die Pauschale aber für zu niedrig.

Auch Veterinärämter nutzen die Kapazitäten der privaten Einrichtungen. Werden Tiere in Fällen von „Animal Hoarding“ oder illegalem Tierhandel beschlagnahmt, landen sie meist in Heimen. Ausreichende finanzielle Hilfe bekommen die dafür selten. „Oft werden die Tierheime aufgefordert, sich das Geld von den Haltern zu holen“, sagt Schmitz, „die Züchter illegal importierter Welpen sind aber im Regelfall nicht greifbar, und die wenigsten Tiersammler können die Unterbringung bezahlen.“

So wie ein Bremer Ehepaar, dem das Veterinäramt im vergangenen Jahr 105 Katzen abnahm und diese ins Tierheim brachte: Mehr als 200 000 Euro kostete das laut Apel. Veterinäramt und Tierheim in Bremen wollen deshalb einen Vertrag aushandeln, der die Finanzierung solcher kostspieligen Einsätze regelt.

Übrigens, alle Jahre wieder – das Bremer Tierheim ist seit Anfang der Sommerferien gut gefüllt. Das bestätigte Pressesprecherin Gaby Schwab im Gespräch mit unserer Zeitung. Mehr als 600 Tiere sind zur Zeit in der Einrichtung, davon rund 300 Katzen, 60 Hunde und mehr als 100 Kleintiere. Die Verhältnisse sind damit „ähnlich wie im vergangenen Jahr“, sagte Schwab, die die Kastrationspflicht für „Freigängerkatzen“ ausdrücklich begrüßte.

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