Bremen: „Vector Foiltec“ entwickelt Spuckschutzwand

Thekenaufsatz statt Stadiondach

Einfache Montage, effizienter Schutz: Insbesondere Theken aus Glas haben bei den leichten Aufsätzen, die das Bremer Unternehmen „Vector Foiltec“ entwickelt hat, wenig Probleme. 
Foto: VECTORFOILTEC
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Einfache Montage, effizienter Schutz: Insbesondere Theken aus Glas haben bei den leichten Aufsätzen, die das Bremer Unternehmen „Vector Foiltec“ entwickelt hat, wenig Probleme. Foto: VECTORFOILTEC
  • Steffen Koller
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Bremen – Die Idee, sie kam beim Mittagessen. Ein Geistesblitz beim Kantinengang, wenn man so will. Die Bremer Architekturfirma „Vector Foiltec“ ist eigentlich für Konstruktionen im XXL-Format bekannt, ganze Stadiondächer, Kuppeln und Fassaden haben die Experten für Folientechnik gebaut. Doch das Unternehmen kann auch klein, wie die neu entwickelten „Texlon Safety Shields“ beweisen.

Corona verändert die Welt. Und den Kontakt zu Menschen gleich mit. An Schutzmasken und Mindestabstand haben sich viele schon gewöhnt, doch körperliche Nähe ist nicht bei allen Wegen zu vermeiden. Ob beim Bäcker, Fleischer, im Büro oder an der Rezeption – gerade dort rücken Menschen meist eng zusammen. Sie sprechen miteinander, geben Bestellungen auf oder diskutieren an einem gemeinsamen Schreibtisch. Speichel und Viren haben so leichtes Spiel, von einem zum anderen zu gelangen. Die von „Vector Foiltec“ gefertigten „Safety Shields“ sollen das verhindern, erklärt Marketingmanagerin Alena Behrmann. Die Schutzwände, die es in drei verschiedenen Modellen gibt, hätten dabei gleich mehrere Vorzüge im Vergleich zu herkömmlichen Scheiben aus Glas oder Acrylglas.

Zum einen der „klare Gewichtsvorteil“, so Behrmann. Thekenaufsatz und Tischaufsteller kommen mit jeweils unter zwei Kilo aus, auch die Aufstellwand wiegt mit 4,5 Kilo nicht wesentlich mehr. So ließen sich zum Beispiel die Aufsätze auf jegliche Art von Theken stellen, ohne dass Bruchgefahr bestehe. Keine lästigen Bohrlöcher in der Decke, keine komplizierte Montage.

Einfach zu desinfizieren

Außerdem, so Behrmann, seien die Wände „extrem resistent gegen jede Art von chemischen Reinigern“. Das bei „Vector Foiltec“ verarbeitete Material Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE) finde sonst Verwendung in Fassadenkonstruktionen, jetzt dient es als Grundbaustein der Spuckschutzwände. Die Oberfläche sei demnach einfach zu desinfizieren und unempfindlich für chemische Reiniger. „Die Folie bleibt stets transparent“, sagt Behrmann. Zudem hätten Tests ergeben, dass Wand und Aufsteller „keinerlei Veränderung in der Akustik“ verursachen würden. Ein Vorteil gerade in Bereichen, in denen die Kommunikation nicht beeinträchtigt werden soll.

Idee kommt beim Mittagessen

Vor einigen Wochen sei Geschäftsführer Philipp Lehnert die Idee gekommen, beim Mittagessen überlegte er zusammen mit Kollegen: „Wie können wir sinnvoll helfen?“, berichtet Behrmann. Innerhalb von nur wenigen Tagen entwickelten zehn Mitarbeiter in einer extra dafür eingerichteten „Corona Innovation Group“ die ersten Entwürfe, zwei Wochen danach stand bereits der Online-Shop. Dabei hatten die Entwickler stets den Gedanken im Hinterkopf: „Es muss einfach sein“. Drei Wochen nach der Idee erfolgte die erste Auslieferung, mittlerweile erhalte das Unternehmen für die Spuckschutzwände „durchweg positives Feedback“.

Aktuell beliefere „Vector Foiltec“ vorrangig Bremer Unternehmen, auch „größere Konzerne“ hätten bereits angefragt. Grundsätzlich werde aber auch europaweit versandt, machte Behrmann klar. Für die Zukunft könnten weitere Innovationen folgen, zur Zeit würden neue Ideen „heiß diskutiert“.

Von Bremen nach Peking

Mehr als 1 500 internationale Projekte hat die Firma „Vector Foiltec“ seit seiner Gründung 1982 umgesetzt. Zu den prominentesten Arbeiten zählen dabei unter anderem die Fassaden des New Yorker Kulturzentrums „The Shed“, die Kuppeln des „Eden Projects“ im englischen Cornwall und des Nationalen Schwimmzentrums in Peking anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2008. Letzteres Gebäude gilt mit einer Fläche von 100 000 Quadratmetern als die größte Folienkonstruktion der Welt. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 300 Mitarbeiter, etwa 80 davon arbeiten am Stammsitz in Lesum (Bremen-Nord).

Von Steffen Koller

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