Theaterwerkstatt der Hochschule Bremen inszeniert das „Schiff der Träume“

Leidenschaft auf der Bühne

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Letzte Proben in der „Spedition“ am Güterbahnhof: Studenten bringen im Rahmen der Theaterwerkstatt der Hochschule Bremen die Dramen auf dem Mittelmeer und die gesellschaftliche Ablehnung von Flüchtlingen auf die Bühne.

Bremen - Von Viviane Reineking. Im Backstage-Bereich herrscht Stimmengewirr. Kurdische, arabische und deutsche Sprachfetzen mischen sich mit dem chorischen Sprechen von Studenten, die in einer Ecke noch einmal ihren Text durchgehen. Auf einmal dann wird es still: Der Probedurchlauf für das Theaterstück „Schiff der Träume – Heimat ist woanders“ in der „Spedition“ am Güterbahnhof beginnt.

In ihrem neuen Projekt hat sich die Theaterwerkstatt der Hochschule Bremen des aktuellen Flüchtlingsthemas angenommen. Aufgeführt wird es heute, Sonnabend, sowie morgen, Sonntag, um 20 Uhr in der „Spedition“ (Beim Handelsmuseum 9). 15 Studenten, acht Migranten und fünf Personen im Hintergrund wirken hier mit.

Inszeniert hat das Stück Holger Möller. Seit die Theaterwerkstatt vor 15Jahren an der Hochschule gegründet wurde, ist er mit von der Partie, hat zudem 30 Jahre lang an Schulen Theater und Darstellendes Spiel unterrichtet. Jeweils über ein Studienjahr wird ein Stück erarbeitet. Neben Studenten der Hochschule und der Fachhochschule Ottersberg sind aber auch erfahrene Theaterbegeisterte dabei. „Der Reiz des Theaters besteht für mich darin, die Studenten an ihre Grenzen heranzubringen, etwas Neues erfahrbar zu machen. Das ist ein Prozess, der natürlich auch mal Reibung verursacht“, so der Theatermacher. Während der wöchentlich stattfindenden Proben haben die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Ausdruckskraft von Körper und Sprache kennenzulernen und weiterzuentwickeln. Bereits im vergangenen Herbst habe festgestanden, dass man nicht nur ein Stück über Flüchtlinge, sondern vor allem eines mit Flüchtlingen auf die Bühne bringen wolle. „Deshalb haben wir viele Migranten eingeladen, aber festgestellt, dass sie nicht gerne über sich selbst erzählen“, so Möller. Vorgestellt hat er das Projekt zum Beispiel an der Berufsschule für Metalltechnik in Oslebshausen, wo auch afrikanische Jugendliche unterrichtet werden. Letztlich sei nur einer dabei geblieben: der 19-jährige Alpha. Viele hätten sich nicht getraut, vor großem Publikum zu spielen, anderen sei das Thema zu nah an ihrer eigenen Geschichte dran gewesen.

Anfang des Jahres habe es dann in den Räumlichkeiten am Güterbahnhof eine Performance einer Absolventin der Fachhochschule Ottersberg mit syrischen Jugendlichen gegeben. „Diese sind jetzt bei uns mit einer Leidenschaft und Bereitschaft dabei, die das Stück in den vergangenen Wochen unheimlich belebt hat“, so Möller.

Zugang zum Stück lieferten unter anderem die teils ironischen Texte der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek. Eingeflossen ist aber auch, dass sich Bremer Bürger über ein Übergangswohnheim in ihrer Straße beschwerten, weil es für die Jugendlichen nicht zumutbar sei. „Dabei trauten sie sich nicht zu sagen: ‚Wir wollen sie in unserer Straße nicht haben.‘“ Und so lässt Möller die „Angstbürger“ Texte sprechen, die aus einem Zeitungsartikel über die Bremer Bürger und einer Fernseh-Dokumentation über „Pegida“ stammen. „Kriegsflüchtlinge – das sind Schmarotzer“, heißt es da zum Beispiel. Ausdrucksstark gesprochen, gehen sie unter Haut. Sie bilden zusammen mit den Jelinek-Texten, Videosequenzen, Fotos und Tanzelementen das Theaterstück, das ohne Handlungsstrang, sondern vielmehr als Collage inszeniert ist. Schwerpunkte legt die Theaterwerkstatt zum einen auf die Sensibilisierung für die Asylproblematik, zum anderen auf die „Willkommenskultur“: Wie werden Flüchtlinge hier aufgenommen und wie schwierig ist es für sie, im Alltag hier zu bestehen?

Joana Balden schlüpft ebenso wie ihre Kommilitonen in die Rolle der Flüchtlinge und gut betuchten Bürger. Aus Interesse an der Erfahrung, Theater zu spielen, ist sie mit dabei. „Gereizt hat mich, dass es hier so viele kulturelle Hintergründe gibt“, so die 26-Jährige. „Es ist kunterbunt und eine schöne Herausforderung.“ Der Kurde Shergar Mussien, 25 Jahre, dagegen kann in der Theaterwerkstatt endlich seine Leidenschaft am Theaterspielen ausleben. „Das war in meiner Heimat Syrien überhaupt nicht möglich.“

Karten gibt es für 14 Euro, ermäßigt acht Euro, an der Abendkasse.

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