Terminal wird virtuell

BLG Logistics: 33,5 Millionen Euro Gewinn

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Datenbrillen verändern die Arbeitswelt – zum Beispiel in der Kontraktlogistik, wo sie Abläufe Schritt für Schritt erklären und das Hantieren mit Anleitungen auf Papier überflüssig machen. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „2017 war in vielerlei Hinsicht ein gutes Jahr, teilweise sogar besser als erwartet“, sagt Frank Dreeke, Vorstandschef bei BLG Logistics. „Wir haben die Umsatzerlöse um vier Prozent gesteigert und liegen allein in der Summe der beiden Geschäftsbereiche Automobile und Kontraktlogistik wieder bei über einer Milliarde Euro.“

Kurzum – für das Jahr 2017 weist BLG Logistics insgesamt einen Umsatz von knapp 1,088 Milliarden Euro aus. Das ist gegenüber 2016 ein Zuwachs von 42,2 Millionen Euro – beziehungsweise eben um vier Prozent. Das Vorsteuerergebnis (EBT) erhöhte sich um 2,7 Millionen Euro (mithin: 8,8 Prozent) auf 33,5 Millionen Euro (Vorjahr: 30,8 Millionen Euro).

Die Geschäftsbereiche Automobile und Contract (eben: Kontraktlogistik – Industrie, Handel, Spedition) liegen in der Bilanz bei den Umsatzerlösen fast gleichauf. Die BLG-Automobillogistik hat ihre Umsatzerlöse im Berichtsjahr um 16,1 Prozent auf 550,2 Millionen Euro gesteigert. An allen Standorten zusammen wurden 6,3 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen, so Vorstandsmitglied Andrea Eck.

Auch bei konventionellen Gütern, beim Stückgut hat es Zuwächse gegeben. Der Umschlag im Neustädter Hafen – von Teilen der CDU mal als mögliches Wohngebiet ins Gespräch gebracht – „hat deutlich angezogen“, so Eck. Nämlich: um 33 Prozent auf 1,32 Millionen Tonnen.

In der Kontraktlogistik sind die Umsätze 2017 leicht gesunken – um 4,6 Prozent auf 547,8 Millionen Euro. Der Vorstand erklärt das mit dem Verlust eines Kunden in den USA. Für das laufende Jahr erwartet Vorstandsmitglied Jens Wollesen Wachstum „in allen“ Kontrakt-Geschäftsfeldern.

BLG-Vorstandschef Frank Dreeke erwartet für 2018 „einen Umsatz mindestens auf Vorjahresniveau“.

Die Entwicklung im Containergeschäft war schon bei der Bilanz des Terminalbetreibers Eurogate, an dem die BLG zu 50 Prozent beteiligt ist, erörtert worden (wir berichteten). Der Anteil der BLG-Gruppe am Eurogate-Umsatz beträgt 304 Millionen Euro (Vorjahr: 319,7 Millionen Euro). Für den Rückgang seien die deutlich gesunkenen Volumen in Hamburg verantwortlich, hieß es.

Für die Hauptversammlung am 24. Mai im Congress Centrum auf der Bürgerweide schlägt der Vorstand – wie im Vorjahr – eine Dividende von 40 Cent pro Aktie vor. Das dürfte auch Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) freuen. Nach dem Landesbank-Verkauf hält Bremen inzwischen einen Anteil von 63,3 Prozent am gezeichneten Kapital der BLG AG. Es würden etwa zehn Millionen Euro an Bremen ausgeschüttet, hieß es am Mittwoch in der BLG-Zentrale am Präsident-Kennedy-Platz.

Doch Logistik besteht nicht allein aus Zahlen, Vorstandschef Dreeke weist darauf immer wieder gerne hin. „Logistische Abläufe können heutzutage eine hochkomplexe Angelegenheit sein.“ Es gelte aber, sie – dem Kunden gegenüber – einfach zu machen. Und: „Die Digitalisierung verändert die Logistik und ihre Prozesse massiv.“

In Teams und Projekten würden neue Lösungen gesucht und ausprobiert. Die Beispiele für diese Konzernpolitik fallen ganz unterschiedlich aus. Der Einsatz von Datenbrillen etwa gehört dazu. Die Brillen geben Mitarbeitern Schritt-für-Schritt-Anleitungen und sollen das Hantieren mit Papieranleitungen überflüssig machen. Bei schweren manuellen Arbeiten im Seehafen wird ausprobiert, ob Exoskelette Mitarbeiter buchstäblich entlasten können.

Auf der Suche nach Kraftfahrern

Am Bremerhavener Autoterminal wiederum geht es darum, den Platz rund um die Uhr möglichst effektiv auszunutzen – eine komplexe Aufgabe im Spannungsfeld von Schiffsankünften und Autostellplätzen. Im Projekt „Isabella“, an dem auch das Institut BIBA und die Softwarefirma „28Apps“ beteiligt sind, soll bis 2020 ein „virtuelles Spiegelbild des Autoterminals“ (Andrea Eck) so weit ausgebaut sein, dass sich die Abläufe damit planen und steuern lassen.

Ganz anders die Herausforderungen, die BLG-Arbeitsdirektor Dieter Schumacher beschäftigen. „Wir würden gerne mehr Berufskraftfahrer ausbilden und einstellen.“ Nur seien die schwer zu finden. Erstmals will die BLG in diesem Jahr auch in Bremen Berufskraftfahrer ausbilden.

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