Impfzentrum in Halle 7

Corona-Hotspot Bremen: Nun auch Maskenpflicht in Gröpelingen und Tenever

Das Land Bremen ist die ersten Monate glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen. Doch dann schnellten die Infektionszahlen hoch. Die Last ist sozial sehr unterschiedlich verteilt. Zwei Stadtteile sind besonders betroffen.

  • Der höchste Inzidenzwert im Bundesland Bremen lag bei 225,6.
  • Hotspots sind die Stadtteile Tenever und Gröpelingen.
  • Wissen ist vorhanden, aber Bremer können trotzdem nur schwer dem Coronavirus ausweichen.

Update, 20. November: Die Messehalle 7 auf der Bremer Bürgerweide soll zum Impfzentrum werden, wenn der langersehnte Impfstoff gegen das Corona-Virus da ist. Zur Zeit tagt hier noch – wegen Corona – die Bürgerschaft, so auch am Donnerstag. Die muss dann umziehen, möglicherweise nur ein paar Meter weiter in die Stadthalle (ÖVB-Arena). In der Halle 7 sollen die Umbauarbeiten für das Impfzentrum bereits nächste Woche beginnen.

Nach den Diskussionen um erhöhte Infektionszahlen im Hochhausquartier Tenever und im Multikulti-Viertel Gröpelingen hat Bremen jetzt die Maskenpflicht ab sofort unter anderem auf diese Stadtteile ausgeweitet. Neben der Innenstadt samt Schnoor, Böttcherstraße, Schlachte, Bahnhofsbereich und Viertel muss der Mund-Nasen-Schutz neben Vegesack nun auch in Teilen Gröpelingens, Hemelingens, Osterholz-Tenevers (Schweizer Viertel), Oslebshausens sowie bei der Corona-Ambulanz in der Vahr getragen werden.

Corona-Hotspot Bremen: Die Zahlen

Zu den Corona-Zahlen: Niedrige Werte, hohe Werte – das hat in den vergangenen Tagen für Verwirrung gesorgt. Hintergrund sind weiterhin technische Probleme bei der Übermittlung, daher das Auf und Ab, teilte das Gesundheitsressort mit. Am Donnerstag meldete es 124 neue Fälle für das Land, davon 111 in der Stadt Bremen, wo der Inzidenzwert auf 161 sank. Eine weitere Person mit dem Virus starb, insgesamt nun 104. Aktuell gibt es 2 035 bekannte Infizierte. 185 Covid-19-Patienten liegen in Kliniken, davon 37 auf Intensivstationen (28 beatmet).  (gn)

Originalmeldung, 11. November: Nahezu unbemerkt hat Bremen sich zu einem Brennpunkt der Corona-Pandemie entwickelt. Bis in den September hinein war das kleinste Bundesland eher weniger betroffen, seit Ende Oktober weist Bremen die höchste Infektionsrate aller Länder auf. 186,1 bestätigte Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen berechnete das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch für Bremen - vor den anderen Stadtstaaten Berlin (175,7) und Hamburg (112,8), aber auch vor Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen als den am heftigsten betroffenen Flächenländern (Stand 11.11., 0.00 Uhr).

Fläche Stadt Bremen326,7 Quadratkilometer
BürgermeisterAndreas Bovenschulte (SPD)
Arbeitslosenquote11,6 % (Oktober 2020)
Fläche Stadt Bremerhaven94 Quadratkilometer

Dabei sinken die Zahlen schon wieder leicht. Die höchste Inzidenz im Bundesland Bremen mit 225,6 Fällen wurde am 7. November verzeichnet. Auch drückt die günstigere Entwicklung in Bremerhaven den Messwert. Für sich genommen zählt die Stadt Bremen (570.000 Menschen) mit Duisburg, Frankfurt und Berlin zu den meistbelasteten großen Städten.

In die Stadtpolitik kommt deshalb Unruhe. „Wir liegen fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt und deutlich über den anderen Stadtstaaten“, kritisierte Thomas Röwekamp, Fraktionschef der oppositionellen CDU. „Damit belegt Bremen mal wieder den letzten Platz“. Er sieht die Verantwortung bei der rot-grün-roten Regierung. Letzte Plätze - das ist immer das Trauma des hoch verschuldeten Bundeslandes mit der höchsten Arbeitslosigkeit bundesweit.

Hotspot Bremen: Coronawert abhängig von Einkommen, Wohnort und Herkunft

In der Stadt Bremen seien die Infektionen ungleich verteilt, hat das Gesundheitsressort mitgeteilt. Am stärksten betroffen sind das Hochhausviertel Tenever und das Multikulti-Viertel Gröpelingen. „Hohe Inzidenzwerte finden sich tendenziell in Stadtteilen, die von beengten Wohnverhältnissen, niedrigen Einkommen und hohem Migrationsanteil gekennzeichnet sind“, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linkspartei).

Am niedrigsten ist das Corona-Infektionsgeschehen in großen Teilen Borgfelds, Schwachhausens (Ortsteile Gete, Barkhof, Schwachhausen, Bürgerpark, Neu-Schwachhausen, Riensberg und Radio Bremen) und in Horn-Lehe (Ortsteile Lehesterdeich, Lehe, Horn). In diesen Bremer Stadtteilen wohnen vergleichsweise wohlhabende Menschen, berichtet Buten un Binnen.

Mitarbeiter vom Ordnungsamt kontrollieren die Einhaltung der Maskenpflicht in der Bremer Innenstadt.

Die zweite Welle der Pandemie hat sich in Bremen angeschlichen. Es gab keine einzelnen großen Auslöser. Es sei eine „diffuse Verteilung der Infektionen“, sagt Senatorin Claudia Bernhard. Bei den Gegenmaßnahmen ist das Land im Strom der anderen Bundesländer mitgeschwommen.

Aber die Bremer haben eben auch den sonnigen Herbst in den Biergärten an der Weser genossen. Es gab einen „lockeren Umgang mit Abstand und Masketragen“, wie der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb sagte. Er verweist auch auf die Wirtschaftsstruktur der Hansestadt, die viele Kontakte mit sich bringe - die Häfen und das Frachtzentrum GVZ, die große Dienstleistungsbranche.

Auch die vielen Berufspendler zwischen Bremen und dem niedersächsischen Umland könnten ein Faktor sein, sagt Hajo Zeeb, Professor am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen.

Bremen sei kein Sonderfall, sondern leide wie andere große Städte unter der Pandemie, betonen Sprecher der Senatsressorts. Aber seit die Angaben zur ungleichen Coronavirus-Verteilung bekannt geworden sind, wird stärker über Gegenmaßnahmen diskutiert. Die Belastung von Vierteln wie Tenever oder Gröpelingen sei „traurigerweise keine Überraschung“, sagt der Co-Vorsitzende der Bremer Linksfraktion, Nelson Janßen. Dort seien die Gesundheitskennziffern schon seit Jahren schlechter. Auslösender Faktor: Armut.

Senatorin Claudia Bernhard will gerade dort die Information über die Seuche verstärken. Allerdings zeigen Rückmeldungen aus den Stadtteilen, dass es nicht unbedingt an Wissen fehlt, sondern an der Möglichkeit, dem Coronavirus auszuweichen. „Viele Menschen hier arbeiten im Niedriglohnsektor, zum Beispiel an der Kasse oder im Lager, also in Bereichen, wo sie viel Kontakt haben und relativ wenig geschützt sind“, sagte Aykut Tasan, Quartiersmanager im Stadtteil Osterholz, gegenüber Medien.

Kampf gegen Corona in Bremen: Mehr Busse, Bahnen und Kontrollen

Der überfüllte Nahverkehr in der Hansestadt sollte mit zusätzlichen Bussen und Bahnen entzerrt werden, um das Ansteckungsrisiko zu verringern, sagt Linkenpolitiker Nelson Janßen. „Insbesondere Leute mit schmalem Geldbeutel sind auf den ÖPNV angewiesen.“ Unternehmen sollten ihren Arbeitsbeginn zeitlich ebenfalls entzerren. Nötig seien auch mehr Kontrollen der Hygienemaßnahmen an Arbeitsplätzen.

Die Forderung nach einem verstärkten Nahverkehr erhebt auch die CDU. Nach Angaben einer Sprecherin will die Union außerdem, dass Polizei und Ordnungsamt mehr kontrollieren. Von der Innenbehörde von Senator Ulrich Mäurer (SPD) heißt es, die Kontrollen seien verstärkt worden. Bilanz am vergangenen Wochenende: 49 Einsätze, bei denen 431 mündliche Ermahnungen erteilt wurden und 410 Anzeigen ergingen. (dpa, ergänzt und bearbeitet von Andree Wächter)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt / picture alliance / dpa

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